Konzert:

Saltatio Mortis, Indecent Behavior - Köln E-Werk

Konzert vom 13.04.2019

Mit dem dritten Nummer 1-Album in Folge im Gepäck waren SALTATIO MORTIS unterwegs auf Tour und da verwundert es wenig, dass die Verkaufszahlen sich auch in einer großen Nachfrage nach Konzertkarten niederschlugen und das Abschlusskonzert der Tour in Köln ausverkauft meldete. Schon deutlich vor dem veranschlagten Einlasszeitpunkt von 18: 30 Uhr zog sich eine lange Schlagen den Bürgersteig vor dem E-Werk entlang, der spiegelbildlich ein entsprechendes Pendant vor dem Palladium auf der anderen Straßenseite gegenüberstand, denn dort gastierten zeitgleich die Herren von BILDERBUCH, die sich ebenfalls über ein ausverkauftes Haus freuen durften. Der Wettergott meinte es gut mit allen Beteiligten und ließ nach einem doch sehr wechselhaften Apriltag mit zum Teil ordentlichen Graupelschauern zum Abend hin die Sonne über der Domstadt und den Wartenden lachen. Sobald sich die Pforten zu den heiligen Hallen erst einmal geöffnet hatten, füllte sich das E-Werk zügig, um schließlich ein beeindruckend rappelvolles Bild zu bieten.

 

Pünktlich um 19:30h verdunkelte sich der Raum und INDECENT BEHAVIOR aus dem Saarland betraten die Bühne. Die Band trat direkt aufs Gaspedal, bevor sie als zweiten Song mit dem etwas luftigeren „Bridges“ einen „sommerlichen Song“ ankündigte. Mit ihrem Melodic Hardcore-Punk und Songs wie „Falling Down, „Another Drink, Another Day“ und „Drowning“ gelang es den Saarländern, die Zuhörer für sich einzunehmen und so durften sie sich eines Publikums erfreuen, dass die Band nicht nur wohlwollend aufnahm, sondern auch aktiv mitfeierte. Dass das keine Selbstverständlichkeit war, war auch den Musikern klar und sie bedankten sich überschwänglich und mit einer Prise Selbstironie: „Das ist die größte Location, die wir je gespielt haben, denn wie ihr an dem riesigen Backdrop hier hinten [das Banner maß vielleicht ein Fünftel der Größe des dahinter hängenden Pendants´ der Headliner) sehen könnt, sind wir solch große Bühnen natürlich total gewohnt! Umso mehr freuen wir uns, hier schon gesehen zu haben, dass hier vorne ein paar Leute ihren Booty geshaked haben! Vielen, vielen Dank, dass ihr uns als kleine Band aus dem kleinen Saarland so unglaublich aufnehmt und mitmacht und feiert, das ist alles andere als selbstverständlich – das ist mega, wirklich!“ Und weil alle so schön mitmachten, wurde das allgemeine Engagement zum Ende hin noch für einen Circle Pit mit Sänger Hendrik in der Mitte genutzt, bevor die Saarländer schließlich die Bühne räumten – nicht, ohne den Headlinern noch einmal ihren Dank für die einzigartige Chance auszusprechen.

 

Der Bühnenumbau ging zügig von statten und etwa eine halbe Stunde später war die Bühne frei für SALTATIO MORTIS, die sich im Dunkeln zu den Klängen des Intros „Ein Stück Unsterblichkeit“ auf ihre Plätze schlichen, um dann mit „Große Träume“, „Dorn Im Ohr“ und „Wo Sind Die Clowns“ direkt drei Songs am Stück durchzuspielen, bevor sie das Kölner Publikum begrüßten. Überhaupt legte die Band ein hohes Tempo vor und drückte mit „Brot und Spiele“ und „Wachstum Über Alles“ ordentlich aufs Gaspedal, bevor zu „Idol“ das erste Mal die Pyrotechnik auflodern durfte. Auffällig war, dass die Spielleute sich diesmal mit Kommentaren zu ihrer eigenen Rolle bei der Anprangerung gesellschaftlicher Missstände erfreulich zurückhielten und sich nicht zur Speerspitze der Gerechten und Rächern der Enterbten hochstilisierten – eine Tendenz, die sich gemeinsam mit der Entwicklung hin zur Brachiallyrik in den letzten Jahren eingeschlichen hatte, nun aber hoffentlich überwunden zu sein scheint. Stattdessen beschränkte man sich auf wohldosierte Überleitungen, welche die eine oder andere Thematik zwar anrissen, sie aber nicht ausschlachteten.

Nicht fehlen durfte jedoch selbstverständlich die altbewährte Geschichtenerzählertradition von Lasterbalk dem Lästerlichen. So klagte der gepeinigte Spielmann vor „Drachentanz“ darüber, dass sein – historisch über lange Zeit in die Vergangenheit hinein belegtes – Instrument von seinen banausenhaften Mitstreitern stets als „Schweinetrommel“ geschmäht werde: „Könnt ihr euch vorstellen, was das immer mit meiner Seele macht?! Aber das Gute ist, man findet ja immer einen, dem es noch schlechter geht als einem selbst. Da ist zum Beispiel unser Bassist. Der arme Tropf spielt immer nur tiefe Töne, die ohnehin kein Schwein hört. Und als ob das noch nicht genug wäre, verleugnet der arme Kerl auch noch seine ethnischen Wurzeln! Da haben wir beschlossen, ihm ein bisschen zu helfen!“ Währenddessen ertrug Bassist Bruder Frank stoisch, wie ihn seine Bandkollegen mit einem klischee-chinesischen Reisbauernhut und einem – fast noch klischeehafteren – falschen Bart dekorierten. Lasterbalk; „Schaut mal, er guckt schon viel fröhlicher! Wollen wir doch mal sehen, ob wir vielleicht noch ein echtes Lächeln unter den falschen Bart zaubern können! Wir spielen für ihn—und für euch—den `Drachentanz´!“ Diesem Ausflug in fernöstliche Gefilde folgte ein Exkurs in den hohen Norden in Form von „Heimdall“ – grandios mit reichlich Feuer inszeniert und unterstützt durch Aleas große Gestik entfaltete das ohnehin schon in sich gelungene Lied eine wunderbar archaisch anmutende Wucht. Danach im historischen Kontext zu bleiben und mit „Le Corsaire“ ein Stück Piratenromantik heraufzubeschwören war im Hinblick auf Stimmung und Setlist daher eine kluge Wahl. Und die Spielleute wären nicht sie selbst, wenn sie dazu nicht auch eine Anekdote zum Besten geben würden: der Ur-Ur-Ur-Ur-Ur-Großvater von Tambour Jean Méchant sei nämlich Rheinpirat gewesen und als solcher habe es ihn eines Tages nach Köln verschlagen, weil er von einem dort zu findenden, mächtigen Zaubertrank gehört habe, Kölsch genannt. Das Rezept dafür, so Jean, habe er entwendet und zuhause im heimischen Frankreich an einen Druiden namens Miraculix weitergereicht, der Rest sei Geschichte. Die Geschichte sorgte ebenso für Gelächter wie der anschließende Kommentar Lasterbalks: „Ich bin ein wahrheitsliebender Mensch, ich kann nicht lügen. Und ich muss euch sagen: ich habe recherchiert—es war nicht Köln, wo er gelandet ist. Es war Düsseldorf. Aber vielleicht könnt ihr ihm nochmal verzeihen – man kann ja nichts für seine Abstammung!“

Für „Eulenspiegel“ musste das Publikum ran, das auch brav skandierte, für „Mittelalter“ wiederum kam die Verstärkung aus den Reihen der Vorband: Sänger Hendrik von INDECENT BEHAVIOR wurde auf die Bühne geholt, um Alea beim fröhlichen Gehopse Unterstützung zu geben: „Man kommt ja langsam in das Alter…. Deshalb holen wir jetzt einen jungen Mann auf die Bühne, der jünger und obendrein weniger verschwitzt ist als ich!“ Mit „Brunhild“ folgte noch einmal ein Ausflug ins Mythologische, bevor Alea sich für „Rattenfänger“ crowdsurfend in die Menge stürzte. Lasterbalk begründete das so: „Wir haben hier auf der Bühne neuerdings ein Olfaktometer, das misst Geruchsbelästigung. Es ist so ziemlich das Teuerste, was wir hier rumstehen haben, aber dafür müssen wir uns jetzt nicht mehr darüber streiten, wer von uns hier oben der größte Stinker ist. [Er deutete auf Alea.] Wir reichen ihn euch jetzt mal runter, damit ihr auch was davon habt – wir haben am Eingang Reinigungspads verteilt. Wie, ihr habt gar keine Reinigungspads bekommen? Naja, dann müsst ihr euch halt was einfallen lassen! Seid kreativ – bringt ihn uns schön sauber und wohlriechend zurück, vergesst auch den kleinen Spielmann nicht!“ Der olfaktorische Erfolg des Manövers darf bezweifelt werden, der Stimmung aber war es definitiv zuträglich. Nach „Sie Tanzt Allein“ verließ die Band kurz die Bühne, kehrte aber schnell wieder zurück um mit dem druckvollen Klassiker „Tritt Ein“ die Zugabe einzuleiten. Für „Nie Wieder Alkohol“ wurde das Publikum aufgefordert, sich jeweils eines Kleidungsstücks zu entledigen – eine Bitte, der zahlreichende Anwesende nachkamen, vereinzelte Damen in den vorderen Reihen zogen gar blank. Von der Tatsache, dass es sich bei dem Sauflied musikalisch gesehen um einen Tiefpunkt handelte, konnte die viele nackte Haut dennoch nicht ablenken. Im Anschluss jedoch ging es steil bergauf, denn mit „Prometheus“ warfen die Spielleute einen ihrer absoluten Klassiker in den Ring, der, von stimmungsvoller Pyrotechnik untermalt, auch Jahre nach seiner Erstaufführung nichts von seinem Zauber verloren hat. Und zu guter Letzt durfte natürlich auch der „Spielmannsschwur“ nicht fehlen, mit dem das Konzert nach einer Spielzeit von fast drei Stunden und ausgiebiger Danksagung an die Crew anlässlich des Tour-Endes einen würdigen Abschluss fand. Ein Wermutstropfen war, dass die Setlist eine unübersehbare, um nicht zu sagen eklatante Schlagseite hin zu den jüngsten Veröffentlichungen hatte – drei Nummer 1-Alben fordern hier ihren Tribut: man gibt den Leuten das, wovon man glaubt, sie wollen es hören, was sicherlich nicht Sache jedes treuen Fans ist – und dabei einen großen Teil des mittlerweile fast 20-jährigen Schaffens der Spielleute außen vor ließ, aber das ändert nichts an der Tatsache, dass SALTATIO MORTIS eine hervorragende Live-Band sind, die in ihrer langjährigen Dienstzeit auf den Mittelaltermärkten und Bühnen dieser Welt von der Pike auf gelernt hat, wie man sein Publikum mitreißt und begeistert. In diesem Sinne: auf die nächsten 20 Jahre!



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