Konzert:

Listening Session Illdisposed, Debauchery - Hamburg, Headbangers Ballroom

Konzert vom 11.01.2008

Zu einem genauso exklusiven wie musikalisch hochwertigen Doppelschlag hatten AFM Records für diesen Tag in den „Headbangers Ballroom“ in Hamburg geladen. Es sollte die neuen Werke der deutschen Death Metaller DEBAUCHERY und der dänischen Kollegen ILLDISPOSED zu hören geben, zuerst auf Konserve, später am Abend jeweils ein Konzert, auf dem ebenfalls neue Stücke präsentiert werden sollten.



Mit nur zehnminütiger Verspätung treffe ich um 11:40 Uhr an der Rezeption des „Zleep“-Hotels nahe der Sündigen Meile und des Fischmarktes ein, wo bereits diverse Redakteure anderer Magazine warten und von AFM-Mitarbeiter Peter Ganske empfangen worden sind. Danach geht es gemütlich runter zum Fischmarkt in den Ballroom, wo sich die Herren Promoter nebst DEBAUCHERY bereits eingefunden haben. Nach einem kurzen Plausch, dem ersten Bierchen und der Feststellung, dass ILLDISPOSED wohl noch auf sich warten lassen, geht die Session in die erste Runde und das neue DEBAUCHERY-Album „Continue To Kill“ erlebt weltweite Uraufführung:



Nach einem coolen „Growled Word“-Intro namens „It Pleases Us To Kill” bricht mit dem superben “Blood God Rising“ ein eingängiger, treibender Banger los, der besonders durch seine sehr gut platzierten Rhythmuswechsel und ein geiles Break auffällt. Klasse! Danach folgt der mit durchgehender Doublebase versehene, ebenfalls sehr gute Titelsong, dessen Tempo nicht davon abhält, auch hier diverse Breaks zu setzen. „Faith And Fire“ gehört nicht unbedingt zu den Highlights der Scheibe, da das Stück eher monoton und ungewohnt vertrackt daherkommt, was sich nach mehreren Durchläufen allerdings als Pluspunkt herausstellen könnte. Ein ganz großes Stück ist „Hard Rockin´“ geworden, das durch und durch an AC/DC angelehnt ist und live sicher mächtig Arsch treten wird. Auf diesem Niveau geht es mit „Apostle Of War“ weiter, einem super-aggressiven, kurzen Kracher, der neben geilen Midtempo-Parts auch fiese Schreie auffährt. Das modern fiepende „Worship The Violence“ kommt zwar mit coolen Riffs daher und richtig schön brachial rüber, ist jedoch nach dem ersten Eindruck eher einer der weniger starken Songs der Scheibe. Danach geht die Skala aber wieder nach oben, denn „King Of Killing“ enttäuscht nicht und geht nach einem genialen Intro (eine Kinderstimme ruft laut: „You sound like SIX FEET UNDER, hahaha!“, woraufhin eine Kettensäge losröhrt und das kleine, nun schreiende Mädchen ohrenscheinlich nett bearbeitet – kultig!) als schleppender, rock´n´rolliger Banger durch. Danach sieht man bei allen anwesenden Vorkostern ein ultrabreites Grinsen um die Kauleiste: SLAYER´s „Angel Of Death“ wurde hier deathmetallisch interpretiert, was zwar am Ende keine Megaüberraschungen bereithält, aber toll umgesetzt wurde. Besonders die im Original unerreichten Gitarren sind von Thomas und Co. hervorragend eingefangen worden. Auch keinen Ausfall stellt der Stampfer „Warfare“ dar, der nach einem an MACHINE HEAD erinnernden Anfang mit Gastgesang von DESTRUCTION´s Schmier für ein nettes Bonbon sorgt. Diesen Pegelstand kann das anschließende „Cuntkiller“ nicht wirklich halten. Der modern ausgerichtete, kurze Banger ist nach dem ersten Hören echt kein Hammer. Das treibende, dynamische „Mincing Machine“ ist da schon wieder deutlich besser, bevor mit „Metal On Metal“ kein ANVIL-Cover kommt, sondern ein sehr guter Midtempo-Stampfer mit eingebauter Slide-Gitarre und mächtig Rock´n´Roll im Ansaugtrakt. Das schleppende, fast schon doomige, aber auch melodische “Walking Glory Road“ markiert dann den sehr hochklassigen Abschluss, dem zuletzt noch ein Spoken Word-Outro folgt.

Natürlich ist es hier für ein endgültiges Urteil noch zu früh, aber dem ersten Eindruck nach können DEBAUCHERY das Niveau ihrer durchweg erstklassigen Vorgängeralben mindestens halten und teilweise sogar noch ein paar Schippen nachlegen. Da die sehr guten Songs hier in der Überzahl zu sein scheinen, kann man schon jetzt mutmaßen, dass „Continue To Kill“ ein todesmetallisches Highlight des Frühjahrs 2008 werden wird – wenn nicht sogar mehr.



Irgendwann am Nachmittag treffen dann auch die Dänen ILLDISPOSED ein, die nicht nur bei Hamburg im Stau gestanden, sondern auch bereits mächtig die Lampen an haben. Da aber auch wir anderen nicht mehr am ersten Bier nuckeln, macht das rein gar nichts, und so ist die Stimmung richtig auf Drehzahl, als Jakob Batten, Bo Summer und Co. ihre neue Scheibe „The Prestige“ in die hauseigene Anlage des Ballrooms legen:



Gleich in die Vollen geht es mit einem Breitwand-Groover namens „Let Go“, der ILLDISPOSED in Reinkultur präsentiert und neben viel Doublebase auch coole Breaks und reichlich Melodien auffährt – ein geiler Einstand! „The Tension“ startet dann mit einem sehr witzigen, Comic-artigen Intro, geht ebenfalls als Groove-Midtempo-Monster durch und überzeugt mit sehr coolen, hohen Gitarren. Recht hymnisch wird es dann mit „Weak Is Your God“, einem schnellen „Galoppelbanger“ mit diabolischen Growls am Ende, der aber gegenüber den beiden Vorgängern etwas abfällt. Das folgende, wieder bessere “Working Class Zeros“ erinnert ein wenig an AMON AMARTH und lässt auch wieder die sehr gute Gitarrenarbeit erkennen. Danach folgt das mit einem coolen Anfang ausgestattete „A Song Of Myself“, das fast schon traditionsgemäß Erinnerungen an die allmächtigen BOLT THROWER aufkommen lässt und ein weiteres Highlight darstellt. Der sehr schnelle, groovige Banger „Like Cancer“ kommt nicht ganz so stark daher, und jetzt läuft gerade irgendwas schief mit der Songreihenfolge, so dass sowohl mein Tischnachbar, wie auch ich, nicht mehr sicher sind, welcher Song gerade läuft. Die Titel „Love Is Tasted Bitter“,
“She Knows“, “A Child Is Missing“, ”The Key To My Salvation” und ”Devoted Slave” können wir den Stücken, die gerade laufen, nicht mehr eindeutig zuordnen, klar ist allerdings, dass sich unter diesen Songs noch ein guter, mit ANTHRAX´s „Antisocial“-Riff versehener, treibender Banger befindet, sowie zwei gelungene, melodische Groover, ein sehr geiler, Riff-lastiger Stampfer, aber auch ein nach dem ersten Hören nicht ganz so spektakuläres Stück. Am Ende gibt es wieder eine kleine Überraschung in der Tradition von „Illdispunk´d“ vom letzten Album, nämlich “Ich Bin Verloren In Berlin“, ein auf Deutsch „gesungener“, endgeiler Groover, der nochmals alle Trademarks der Dänen zusammenfasst und mit einem „Spoken Word“-Outro endet.

ILLDISPOSED haben auf „The Prestige“ sämtliche elektronischen Spielereien, cleanen Gesänge und Chöre über Bord geworfen und präsentieren sich als völlig nacktes Killergroove-Abräumkommando. Bei fast jedem Song schwingt man automatisch begeistert die Rübe mit! In wie fern die einzelnen Stücke nun im Dauertest mehr oder weniger gut sind und ob man mit dem Album sogar die genialen Vorgänger toppen kann, wird sich natürlich noch rausstellen, aber nach der ersten Hörprobe dominieren hier die süchtig machenden Nackenbrecher. Man kann fast schon sicher sagen, dass „The Prestige“ ein echter Oberhammer seiner Zunft geworden ist.



Am Abend, und zahlreiche Gerstensäfte später, steht dann noch ein Konzert beider Truppen an, das bis auf den letzten Platz ausverkauft zu sein scheint. Der Ballroom platzt aus allen Nähten, und ich bleibe lieber etwas abseits stehen, da mitten in der Meute kein Platz mehr frei ist. Selbst der Gang zum Pott wird zum Tagesausflug; ein Erfolg für alle Beteiligten!

Den Anfang machen die Death-Thrasher BLACK PAST CREW aus Hamburg, die mit ihrer Mischung aus Todesblei und SODOM-artigen Knüppelparts schon recht viele Zuschauer begeistern können, meine Wenigkeit aber aufgrund des doch etwas statischen Stageactings nicht aus der Reserve locken können. Ein guter Anheizer war das Quintett aber allemal, doch als danach die obligatorisch blutbeschmierten DEBAUCHERY auf die Bretter steigen, fliegen vorne die Fäuste. Die heute um den ehemaligen PRIMAL FEAR (!)-Gitarristen Tom Naumann verstärkten Death Metaller räumen ordentlich ab, und die gespielten neuen Stücke von „Continue To Kill“ fügen sich optimal in die Klassiker der Band ein.

Mittlerweile wieder halbwegs auf dem Damm (Gitarrist Jakob ist inzwischen von seiner Freundin mit drei Litern Wasser abgefüllt worden und fast wieder nüchtern), räubern ILLDISPOSED einen coolen Set runter, der vier neue Songs enthält, die erwartungsgemäß sehr gut ankommen und das Publikum immer weiter nach vorne drängen lassen. Zu diesem Zeitpunkt habe ich auch ordentlich Drehzahl in der Kajüte, was belegt, dass es ein durchweg cooler Tag war und man anstehende Releases kaum besser präsentieren kann!



Setlist ILLDISPOSED (wie immer ohne Gewehr und Munition):



Intro

The Tension

Case Of The Late Pig

Submit

A Child Is Missing

Throw Your Bolts

Weak Is Your God

Dark

Ich Bin Verloren In Berlin

I Believe In Me

In Search Of Souls

Psychic Cyclus I-III

Wake Up Dead

Now We´re History
 



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