Konzert:

Keep It True 2017 - Samstag

Konzert vom 15.05.2017

Am Samstag sollte mit zwei weiteren Newcomern in den Tag gestartet werden, die ich beide bis dato nur vom Namen her kannte, was sich im Nachhinein als Fehler herausstellen sollte, denn beide konnten mehr als überzeugen.

 

Den Anfang machten ETERNAL CHAMPION und sie boten epischen US Metal inklusive geblasenem Kriegshorn bei „I Am The Hammer“. Musik für Bartträger und solche, die es gerne wären. Da freut sich der Barbar in uns und die Berechtigung den zweiten KIT Tag eröffnen zu dürfen ist mehr als gerechtfertigt.

Die Fans sahen es ähnlich und feierten ETERNAL CHAMPION für einen Opener ziemlich ab.

 

Die Begeisterung riss auch bei VISIGOTH nicht ab. Als erstes stieß mir das geschmackvolle „Totalis Metal“ Leibchen von POKOLGEP ins Auge, welches den Oberkörper von Frontmann Jake Rogers zierte. Etwas speediger als ETERNAL CHAMPION konnten auch VISIGOTH mit ihren epischen Metal Hymnen überzeugen. Eine Nummer wie „Blood Sacrifice“ geht sofort in Herz und Hirn und lässt die Scheibe „The Revenant King“ sofort auf die imaginäre Einkaufsliste des Autors wandern. Sehr geiler Auftritt mit viel Engagement und Herzblut. Wenn VISIGOTH so weitermachen, dann haben sie echt eine Zukunft.

 

Bei den nun folgenden DEVIL IN DISGUISE handelt es sich eigentlich um GLACIER-Sänger Mike Podrybau, welcher unter neuem Namen dem 2016 verstorbenen GLACIER Gründer Sam T. Easley Tribut zollen wollte. Und so gab es die komplette 85er GLACIER E.P. zu hören. Zusätzlich zockten die Gletschermannen noch „Eastern Guns“ vom 88er Demo sowie mit „Live For The Whip“ einen unveröffentlichten Track aus alten Tagen, welcher es durchaus mit den E.P. Tracks aufnehmen kann. Die GLACIER Songs gelten gemeinhin als kleine Sternstunde des melodischen US Metals und Mike Podrybau bewies auch warum das so ist: Geile Melodien, viel Power und eine melancholische Atmosphäre umgeben das gesamte Material, was ohne Ausfall daherkommt. Apropos Mike Podrybau: Seine gebrochene und heißere Sprechstimme stand in absolutem Kontrast zu seinen kraftvollen Vocals. Sehr beeindruckend. Starker Auftritt einer Band, die in den 80ern viel mehr Aufmerksamkeit verdient gehabt hätte.

 

Zu TRAITOR’S GATE musste ich mal ein kleines Päuschen machen. Man möge es einem alten Mann verzeihen.

 

Nach einem erholsamen Powernap wurde es Zeit für einen der Newcomer der letzten Jahre: NIGHT DEMON. Sänger und Bassist Jarvis Leatherby hat zwar seine Mitmannschaft vor nicht allzu langer Zeit ausgetauscht, was der Action auf der Bühne jedoch keinen Abbruch tat. NIGHT DEMON gaben von Sekunde eins an Vollgas und wurden zu Recht total abgefeiert. „Full Speed Ahead“ war als Motto ausgegeben und daran hielt sich das klassische Power Trio auch. Jarvis hatte nach Sekunden seine charakteristische rote Birne und hatte trotz Bass und Gesang genug Zeit den wilden Headbanger zu geben. Ein wahres Energiebündel. Den Sack endgültig zu machten NIGHT DEMON am Schluss mit einem Cover von MAIDEN’s „Wasted Years“, welches von der ganzen Halle frenetisch mitgesungen wurde. Es bleibt dabei: NIGHT DEMON sind eine der Bands, die den traditionellen Metal in die nächste Dekade tragen wird.

 

Nun folgte der Gegenentwurf zur energetischen Vollgasperformance von NIGHT DEMON. Die Epic-Doomer von ATLANTEAN KODEX verwandelten das KIT einmal mehr in eine wogende, träumende Masse. Eigentlich ist die Musik von ATLANTEAN KODEX wenig Festival tauglich…sollte man meinen. Aber hier funktioniert es jedes Mal. Markus Becker dirigierte souverän die Massen und merkte schon mal selbstironisch an, dass nach 4 Songs die Spielzeit schon fast ausgereizt war. Aber trotz der Länge von Songs wie „Heresiarch“ kamen keine…ähm…Längen auf. Und habe nur ich das Gefühl oder ist „Twelve Stars And A Azure Crown“ das „Child In Time“ des Epic Metals? Schön, erhaben, mächtig und kraftvoll.

 

Nachdem die Eindrücke der ATLANTEAN KODEX Show so halbwegs verarbeitet waren, sprintete die ewig junge CHASTAIN Chanteuse LEATHER auf die Bühne. Leider ist der Mastermind nicht zu Shows außerhalb seiner Heimatstadt zu bewegen und so scharte LEATHER eine junge und hungrige Süd-Amerikanische Band um sich, welche in der Lage war die hohen technischen Vorgaben gekonnt umzusetzen. Die Setlist bestand zu großen Teilen aus Songs der ersten 5 CHASTAIN Alben. Die jüngere Vergangenheit wurde komplett ignoriert. Aber das war nicht weiter tragisch, denn „Ruler Of The Wasteland“, „Paradise“, „Chains Of Love“, „Black Knight“, „For Those Who Dare“, „Voice Of The Cult”, das magische „Angel Of Mercy” und der Brecher „The 7th Of Never” sind Meilensteine des US-Metals. LEATHER war auf der Bühne extrem agil und stimmlich voll auf der Höhe. Manche Ansagen muteten etwas schnippisch an, aber angesichts der starken Performance sei es ihr verziehen. Abgerundet wurde die Show von 2 Songs ihres 89er Solodebuts: „All Your Neon“ und das Titelstück „Shockwaves“ (welches witzigerweise von Mark Shelton komponiert wurde). Mein einziger Meckergrund sind die hässlichen T-Shirts am Merchstand. Schade…aber sonst war das eine astreine Nummer.

 

Zu ASHBURY wanderte dann der zweite (noch bessere) Zwiebelrostbraten in den wohlgeformten Körper des Rezensenten, damit genug Kraft für das Finale vorhanden war.

 

Welches von FIFTH ANGEL eingeläutet wurde. FIFTH ANGEL sind jetzt nicht gerade die Band, die an jeder Steckdose spielt…um genau zu sein gab es in den 80ern einen Showcase für die Plattenfirma und dann erst 2010 die erste „richtige“ Show auf dem KIT. Im Vorfeld zum diesjährigen Auftritt gab es wohl eine kleine Warm-Up Show in Seattle und das war es dann auch schon. Trotzdem und obwohl Drummer Ken Mary auf Grund einer Schulterverletzung kurzfristig ausfiel, legten FIFTH ANGEL einen weiteren Auftritt für die Geschichtsbücher hin. Peter Orullian hat keinerlei Probleme mit den Vorgaben eines Ted Pilot und hatte so die eine oder andere Anekdote auf Lager (so war sein erster Kontakt mit FIFTH ANGEL in einer griechischer Metal Kneipe, wo ein altes Video lief). Die Performance war tight und mitreißend und Songs wie „In The Fallout“, „Shout It Out“, „Cathedral“ oder „Cry Out The Fools“ gehören mit zum Besten, was der melodische US Metal zu bieten hat. FIFTH ANGEL besetzen genau die Nische zwischen Kommerz und Metalpower und verbinden beides zu einem homogenen Ganzen, welches dem Autor und vielen Gleichgesinnten eine Gänsehaut nach der anderen bescherte. Von mir aus dürfen FIFTH ANGEL auch früher als in 7 Jahren wiederkommen.

 

Und nun folgte Geschichte. Seit dem ersten Keep It True im Sommer 2003 wurde von Seiten des Veranstalters versucht CIRITH UNGOL zu einer Reunion und einem Auftritt auf dem KIT zu bewegen. 14 Jahre Lästigkeit seitens Olivers haben sich nun endlich ausgezahlt und CIRITH UNGOL enterten die Bühne und standen endlich im gleißenden Licht der Scheinwerfer, die sie verdienten. Bzw. standen sie erstmal im Dunkeln, da die erwähnten Scheinwerfer ihren Dienst verweigerten. Was aber vollkommen Schnurz war, denn ab den ersten Tönen von „I’m Alive“ war alles drum herum total egal. Als Tim Baker sein krächziges Organ erhob, war klar, dass das hier richtig geil werden würde. Der Mann klingt genauso wie Anno ewig lang her auf Platte. Und auch seine Performance war wie erwartet...kauzig. Er schlich, dirigierte, zuckte und wirkte einfach. Tonnen an Charisma. Eine schrullige Mischung aus Ian Anderson und Rob Halford. Eben genauso wie ich ihn mir schon als Teenager in meinem Kinderzimmer vorgestellt habe, als ich immer wieder „Frost & Fire“ auflegte.

Selbst die SPINAL TAP mäßige Nummer mit der „Leiter des Grauens“, mit deren Hilfe die Lichter wieder zum Glühen gebracht werden sollten und die beinahe Drummer Robert Graven vom Drumriser gesäbelt hätte, konnte die erhabene Stimmung nicht versauen.

„Join The Legion“, „Atom Smasher“, „Blood & Iron”, „Doomed Planet” oder die unsterbliche „Chaos Rising” Trilogie: Kauz-Hit folgte auf Kauz-Hit. Einzig „Nadsokor“ wurde von mir vermisst. CIRITH UNGOL haben mit diesem Auftritt ihren Legendenstatus ausgebaut und für immer in Stahl gegossen. Wer die Möglichkeit hat, die Band noch auf anderen Festivals zu sehen: Hingehen!

Ganz großes Kino und ein würdiger Abschluss eines historischen Jubiläums-KIT.

 

Auch das 20ste KIT war ein voller Erfolg. Zur leidigen Ticketthematik wurde schon viel geschrieben, was ich mir an dieser Stelle spare. Ich bin mir sicher, dass 2018 (dann übrigens mit u.a. STÄLKER, BLASPHEME, CEREBUS, TAIST OF IRON, SARACEN, WINTERHAWK, RAVEN (first 3 Albums Show) und HITTMAN) eine bessere Lösung dafür gefunden werden wird.

Und noch ein Wort zu den Vollidioten, die versuchen das KIT in den Dreck zu ziehen, indem sie sich benehmen wie die letzten Neanderthaler: Ihr habt weder den Geist des KITs, noch den des Heavy Metals auch nur im Ansatz verstanden. Gut, dass die Veranstalter schnell und kompromisslos reagierten. Nächstes Jahr braucht euch hier kein Mensch!

 

Bilder kommen noch!!!



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