REVIEW: Fjord Noir (Velcro Dog)

BY Meisenkaiser


Wer vor gut 20 Jahren schon einmal in Norwegen war, der weiß, wie wunderschön einem die Natur erscheint. Wer jetzt dorthin zurückkehrt, wird vielleicht enttäuscht feststellen, dass Touristen mittlerweile alles zuscheißen, wo man früher noch keinen Menschen getroffen hat... Ob der hinter VELCRO DOG stehende Solokünstler Tony Gonzalez das Werk deswegen „Fjord Noir“ genannt hat, sei mal dahingestellt. Fakt ist, dass das Album irgendwo zwischen Folk, Americana und Country dahinwabert und Erinnerungen an King Dude, Leonard Cohen oder Nick Cave weckt. 

Die Musik erscheint gleichermaßen melancholisch wie düster, die Stimme des Norwegers aus Trondheim lässt aber ein wenig Hoffnung aufkommen. Nicht, dass er fröhlich daherkommt – aber er vermittelt zumindest ein wenig Glauben an das Gute. Das neue Album knüpft laut Künstler thematisch an VELCRO DOGs Debüt „Misanthropology“ von 2022 an und zeichnet ein schonungsloses Bild eines Lebens unter einer schwarzen Wolke (Stichworte: Eskapismus, Zweifel und Resignation). Aber: Er erzählt eben auch Geschichten über Menschen in seinem Umfeld und widmet seiner Heimatstadt Trondheim sogar einen musikalischen Liebesbrief.

Getragen von präzisen Arrangements, einprägsamen Melodien und filmischen Elementen wie Chören und Streichern verbindet "Fjord Noir" emotionale Tiefe mit zurückhaltender Eleganz. „This will never get better“ – wie es im Opener „Send Me Downstream“ heißt – ist dennoch kein pures Lippenbekenntnis, sondern vielleicht ein passendes Bild für unsere kaputte Welt, in der es eben doch noch Hoffnung gibt. Wer die angesprochenen Stilrichtungen und Vergleiche mag oder sich zumindest dafür interessiert, sollte definitiv mal reinhören. Die Scheibe ist wunderbar schön traurig – und mit ein, zwei Flaschen Rotwein vielleicht sogar noch toller.

Der Preikestolen bleibt heutzutage dennoch überlaufen.


FJORD NOIR

Band: Velcro Dog
Genre: Folk
Tracks: 11
Länge: 37:36
Medium: CD
Label: Westergaard Records
Vertrieb: