REVIEW: Countdown to Death (TASKFORCE TOXICATOR)

GEHEIMTIPP

BY Karsten Goebel


Thrash Metal muss nicht kompliziert sein. Manchmal reichen ein paar vernünftige Riffs, ordentlich Druck auf dem Kessel und Musiker, die hörbar Bock auf den ganzen Krach haben. Genau an dieser Stelle kommen TASKFORCE TOXICATOR ins Spiel. 

Die Truppe stammt aus Münster. Einer Stadt, die wie kaum eine andere in Deutschland mit Skateboarding verbunden ist. Titus, Skateparks, Bretter unter den Füßen und eine Szene, die über Jahrzehnte gewachsen ist. Wer deshalb bei TASKFORCE TOXICATOR irgendwelche Skate Thrash Einflüsse erwartet, wie sie MUNICIPAL WASTE gerne durch die Boxen jagen, oder gar an die Crossover Welt der SUICIDAL TENDENCIES denkt, kann das direkt wieder vergessen. Skateboards sucht man hier vergeblich. Bretter gibt es trotzdem genug, nur eben in Riff Form. Und zwar genau die Sorte, die einem ohne große Vorwarnung die Rübe abschraubt.

Die zwölf Nummern werden mit einer Spielfreude heruntergeholzt, die man sofort hört. Besonders Fabian am Mikro macht einen starken Job. Sein Gesang besitzt genügend Variationen, um dem Material immer wieder neue Akzente zu verpassen. Mal aggressiver, mal angepisster, mal mit dem nötigen Druck für den nächsten Refrain. Das passt. Überhaupt klingt „Countdown to Death“ nicht nach einer Band, die vor dem Aufnehmen erst einmal zehn alte Thrash Klassiker studiert hat, um anschließend möglichst authentisch zu kopieren. Natürlich liegen die Wurzeln tief in der alten Schule. Das hört jeder nach wenigen Sekunden. Trotzdem schaffen es TASKFORCE TOXICATOR, nicht wie eine reine Achtziger Jahre Gedächtniskapelle zu wirken. Das ist wichtiger, als es vielleicht klingt. Denn Bands, die alte Thrash Riffs nachbauen können, gibt es genügend. Entscheidend ist, ob dabei Feuer entsteht. Bei TASKFORCE TOXICATOR brennt es ziemlich ordentlich.

Auch die Produktion trägt ihren Teil dazu bei. Glücklicherweise wurde hier nicht alles bis zum letzten Ton glattpoliert. „Countdown to Death“ hat Druck, bleibt aber angenehm kantig. Die Gitarren dürfen sägen, das Schlagzeug schiebt und trotzdem lässt sich jedes Instrument sauber heraushören. Genau so sollte ein Album dieser Art klingen. Nicht nach Garagenaufnahme aus Prinzip, aber eben auch nicht nach klinischem Studio Plastik. Damit besitzt „Countdown to Death“ genau die richtige Grundlage für verschwitzte Clubs, fliegende Haare und einen gepflegten Moshpit.

Mein persönliches Ausrufezeichen setzt „The Necromancer“. Bei dem Ding fühle ich mich stellenweise tatsächlich an „The Underworld“ von EVILDEAD erinnert. Und wer dieses Album kennt, weiß, dass ich mit solchen Vergleichen nicht leichtfertig um mich werfe. TASKFORCE TOXICATOR revolutionieren den Thrash Metal mit „Countdown to Death“ nicht. Warum sollten sie auch? Thrash Metal braucht nicht ständig eine Revolution. Manchmal braucht er einfach Bands, die verdammt gute Riffs schreiben, ihre Instrumente beherrschen und auf der Bühne vermutlich lieber den Laden zerlegen, als sich über musikalische Innovationen den Kopf zu zerbrechen. Also unterstützt solche Bands. Geht auf die Konzerte. Kauft den Merch. Holt euch die Platte.





COUNTDOWN TO DEATH

Band: TASKFORCE TOXICATOR
Genre: Thrash Metal
Tracks: 12
Länge: 38:30
Medium: CD
Label: Iron Shield Records
Vertrieb: Soulfood Music