REVIEW: Alchemie (ARTEFUCKT)

BY Karsten Goebel


Elf Jahre Bandgeschichte können sich durchaus sehen lassen. ARTEFUCKT wurden 2015 im niederrheinischen Rheinberg gegründet und haben mittlerweile vier Alben auf dem Buckel. Dabei schaffte es jede Veröffentlichung in die Charts, zweimal sprang sogar Platz fünf heraus. Ganz so viel falsch können die Jungs also nicht gemacht haben.

Musikalisch bewegt sich ARTEFUCKT auch auf „Alchemie“ im klassischen Deutschrock Fahrwasser. Also irgendwo zwischen ONKELZ, den TOTEN HOSEN und DRITTE WAHL. Darf man die eigentlich alle in einem Satz nennen? Inhaltlich gibt es ebenfalls das, was man in diesem Genre erwartet. Ein bisschen Gesellschaftskritik, einiges über das Zwischenmenschliche und hier und da auch eine ordentliche Portion Eigenlob. Wirklich neu ist das alles nicht, überraschend schon gar nicht. Und trotzdem funktioniert „Alchemie“. Vielleicht gerade deshalb. Die Songs wissen zu gefallen, gehen gut ins Ohr und die Band versteht ihr Handwerk. An den Instrumenten gibt es nichts auszusetzen und praktisch jeder Song hat Riffs zu bieten, bei denen zumindest der Fuß automatisch mitwippt. Das Album läuft angenehm durch und leistet sich dabei keine wirklichen Ausfälle.

Das Problem ist nur, dass sich auch kein Song herauskristallisiert, bei dem man sofort denkt: Genau der ist es! Genau dieser eine Track wird ARTEFUCKT auf das nächste Level bringen. „Alchemie“ ist durchgehend ordentlich, aber eben auch durchgehend ein wenig zu unspektakulär. Positiv unspektakulär, wenn man so will. Im Endeffekt hat ARTEFUCKT mit „Alchemie“ also ordentlich abgeliefert. Ob der Band das auf Dauer reichen wird, ist eine andere Frage. Ein weiterer Einstieg in die Charts dürfte durchaus drin sein, wobei man fairerweise sagen muss, dass eine Chartplatzierung heutzutage nicht mehr automatisch bedeutet, dass eine Band plötzlich in völlig neue Sphären aufsteigt. Und genau dort scheint ARTEFUCKT meiner Meinung nach hinzuwollen. Dafür fehlt „Alchemie“ aber diese eine zündende Idee. Dieser eine Song, der sich sofort festsetzt, der auch außerhalb der eingeschworenen Deutschrock Szene funktioniert und vielleicht sogar genug Radioeinsätze bekommt, damit irgendwann auch der letzte Deutschrocker beim Namen ARTEFUCKT glänzende Augen bekommt.

Bis dahin bleibt „Alchemie“ ein gutes, handwerklich sauberes Deutschrock Album ohne große Überraschungen. Macht Spaß, tut niemandem weh und kann problemlos zwischendurch laufen. Nicht mehr, aber eben auch nicht weniger.

Gute Hausmannskost für zwischendurch.






ALCHEMIE

Band: ARTEFUCKT
Genre: Punk
Tracks: 13
Länge: 45:42
Medium: CD
Label: Metalville
Vertrieb: Edel