REVIEW: Boom Bang Goodbye (Sinner)
BY Meisenkaiser
Auch für Fans härterer Metal-Gangarten gehören SINNER immer zu den geachteten Bands, und der Frontmann hat sowieso einen Stein im Brett. Was natürlich unbedingt an den großartigen 80er-Alben lag. Eine kleine Rückblende sei erlaubt: Vor gefühlt hunderten von Jahren, als Wacken noch echter Metal war, saß einer der Mitbegründer dieses Magazins – Nico, inzwischen bei Sirens (Savatage-Cover-Band) am Mikro tätig – auf einem Absperrgitter und outete sich als großer SINNER-Fan. Ein Fakt, den der Schreiber dieser Zeilen zum Anlass nahm, lauthals und unaufhörlich „Matze Lasch“ zu brüllen. Was noch mehr Elan entfachte, war die Tatsache, dass Nico den echten Namen damals gar nicht kannte.
Jener Matthias (oder auch Mat) gibt hier nun seine Abschiedsvorstellung mit SINNER. Kein Wunder, denn er ist nicht mehr der Jüngste und durch mehrere Herzinfarkte sowie eine Beinverletzung gesundheitlich schwer gezeichnet. Da überrascht es kaum, dass der Opener „Dreams Come True“ das Album mit dem Brasilianer Renan Zonta am Mikro und melancholischer Stimmung eröffnet.
Apropos Gastsänger: Jedes Lied hat einen. Eine Stärke in Sachen Abwechslungsreichtum, und die Qualität der einzelnen Vokalisten ist ohnehin unbestritten (die Liste der Gastmusiker findet ihr unten). Was die Power-Ballade "Leave It All Behind" mit viel Rainbow-Vibe, dank Sänger Ronnie Romero beweist. Nur ist diese Stärke gleichzeitig die Schwäche: Denn die so charismatischen Vocals von Matze im Mittelpunkt fehlen auf einem SINNER-Album doch immens.
Nun gut, nehmen wir die Scheibe als das, was sie wohl sein soll: eine große Abschiedsparty mit guten Kumpels, zu der wir alle irgendwie eingeladen sind. Eine Party, die Kollege Jacob Hansen mit einem amtlichen Sound versorgt hat und die nicht nur dank Musikern wie Don Dieth einen nostalgischen Anstrich bekommt. Aber immerhin ist in der Gegenwart auch der wie immer sehr coole Bass von Mat (wie auf „All Night Long“). Feines Lynott-Flair gibt es natürlich auch. Und vor allem die unglaublich ohrwurmigen Refrains („Born To Rock“), typische Priest- und eben Lizzy-Vibes, rattenscharfe Riffs und mächtige Soli. Die stimmigen Arrangements zwischen Hard Rock und (German) Heavy Power Metal sind genau so, wie es der geneigte Fan von SINNER erwartet – auch wenn „Are You Ready“ ein bisschen zu sehr nach Ballermann-Metal klingt.
Fast alles gut, aber irgendwie eben auch ein bisschen traurig. Aber wie heißt es so schön im Opener: „We feel our hearts on the move – Just believe, just hold on.“
PS: Damit ihr nicht selber googlen müsst, hier die VIP-Gäste: Ronnie Romero (Rainbow), Michael Schenker, Vandenberg), Michael Sadler (Saga), Björn Strid (Soilwork, The Night Flight Orchestra), Erik Mårtensson (Eclipse), Renan Zonta (Electric Mob), MIchael Bormann (Bonfire, Jaded Heart), Renan Zonta (Electric Mob) und SINNER-Mann Sascha Krebs.
In der Instrumental-Fraktion setzt Herr Lasch ebenfalls auf Prominenz: Neben den etatmäßigen Gitarristen Alex Scholpp und dem auch bei Kissin’ Dynamite aktiven Jim Müller ist auch Sinners Bandkollege bei Primal Fear, Magnus Karlsson, beteiligt. Zudem ist Mathias Dieth mit von der Partie, der von 1986 bis 1987 bei Sinner aktiv war und damals das großartige Album „Comin' Out Fighting“ (1986) einspielte. Keyboarderin Lisa Müller und Schlagzeuger Moritz Müller vervollständigen das Line-up.
PPS; Wer bringt zur Party noch die "Danger Zone" und "Touch Of Sin" mit?
DANKE Mat SINNER!
BOOM BANG GOODBYE
| Band: | Sinner |
| Genre: | Metal |
| Tracks: | 11 |
| Länge: | 42:55 |
| Medium: | CD |
| Label: | Reigning Phoenix Music |
| Vertrieb: | Edel |




