REVIEW: COME (DARK MILLENIUM)
DARK MILLENIUM beweisen mit ihrem neuen Album „Come“ einmal mehr, dass sie nie den einfachen musikalischen Weg wählen. Statt Trends hinterherzulaufen, zelebrieren DARK MILLENIUM seit jeher ihre ganz eigene Mischung aus Doom, Death Metal und progressiven Ansätzen. Schwer zugänglich, sperrig und gleichzeitig voller faszinierender Melodien. Genau das macht DARK MILLENIUM seit dem Debüt von 1992 so besonders.
Vor allem der unverwechselbare Gitarrensound ist erneut ein absolutes Markenzeichen. Dieses seltsam schwebende Delay-Overdrive-Klangbild zieht sich wie ein roter Faden durch das Album und sorgt dafür, dass bereits nach wenigen Sekunden klar ist, welche Band hier spielt. Dabei schaffen es die Songs trotz aller Chaos Momente stets, eine innere Logik zu entwickeln. Besonders beeindruckend ist „Fear Forest“. Der Song beginnt ruhig und beinahe verträumt, ehe er sich langsam in eine hypnotische Sequenz steigert, die dezent von Pianoklängen getragen wird. Danach folgt genau dieser typische DARK MILLENIUM Moment: cleane Gitarren mit enorm viel Delay, die eine beinahe schwebende und gleichzeitig verstörende Atmosphäre erzeugen. Gegen Ende kippt der Song dann immer stärker in dieses chaotische, aber dennoch kontrollierte Klangbild, das DARK MILLENIUM seit Jahrzehnten auszeichnet. Unberechenbar, verwirrend und doch voller Atmosphäre. Genau so will man diese Band hören. „House Of The Pale Inhabitant“ erschließt sich nicht sofort. Beim ersten Hören wirkt vieles beinahe planlos und wild zusammengewürfelt. Doch je tiefer man in den Song eintaucht, desto mehr Sinn ergeben die verschachtelten Gitarrenparts und ungewöhnlichen Arrangements. Diese Musik fordert Geduld und Aufmerksamkeit. Nebenbei funktioniert „Come“ definitiv nicht. An jeder Ecke gibt es neue Details zu entdecken und genau dadurch bleibt die Spannung permanent erhalten. Einen großen Anteil daran hat natürlich Sänger Christian Mertens. Seine markante Stimme verleiht den Songs eine unverwechselbare Identität und macht das Album emotional greifbar, ohne jemals anbiedernd zu wirken.
Kann man DARK MILLENIUM konservativ nennen? In gewisser Weise ja. Nicht weil sie auf Nummer sicher gehen würden, sondern weil sie seit Jahrzehnten konsequent ihren eigenen Stil verfolgen. Die Songs bleiben sperrig, schwer verdaulich und vollkommen unbeeindruckt vom Mainstream. Vielleicht war genau das auch der Grund, weshalb die Band nie den großen Durchbruch geschafft hat. Stattdessen entwickelte sich über die Jahre eine kleine, aber leidenschaftliche Fangemeinde.
Wird „Come“ daran etwas ändern? Wahrscheinlich nicht. Aber genau das dürfte DARK MILLENIUM völlig egal sein. Die treuen Fans werden dieses Album mit offenen Armen empfangen und sicher nicht enttäuscht werden. „Come“ besitzt Tiefe, Herz und eine angenehme „Leck mich am Arsch“ Haltung gegenüber allen Konventionen. Ein Album, das den Mainstream bewusst umgeht und gerade deshalb so besonders wirkt.
COME
| Band: | DARK MILLENIUM |
| Genre: | Progressive |
| Tracks: | 8 |
| Länge: | 43:16 |
| Medium: | CD |
| Label: | Massacre Records |
| Vertrieb: | Edel |




