REVIEW: Where Silence Used To Sleep (IN VESPRO)

BY Meisenkaiser


Stell dir vor: Es ist dämmeriger Abend, das Zimmer verdunkelt sich, und du starrst einfach nur an die Decke, während die Welt draußen verstummt. Genau für diese Stunden – wenn die großen, unfiltrierten Gefühle hochkochen – haben IN VESPRO den perfekten Soundtrack geschmiedet. Die Newcomer aus Rom (mit Musikern von Svart Vinter, Veil of Conspiracy und Handful of Hate) schmeißen uns mit ihrem Debüt direkt in ein Wechselbad aus absoluter Melancholie und bittersüßem Optimismus. 

Der Opener „Fading Hollow“ geht für melodischen Doom Death überraschend schwungvoll nach vorne. Die Vocals wechseln rough zwischen heiser und tief gegrowlt, während über allem diese heftige, melancholische Stimmung von Hoffnungslosigkeit wabert. Aber ey, die Italiener lassen dich nicht komplett im Dunkeln stehen: Wunderschöne Melodien blitzen immer wieder wie ein kleiner Funke Hoffnung in der Nacht auf. Der Sound atmet die rohe Ära der 90er. Man hört die Einflüsse der frühen Katatonia (zu legendären „Brave Murder Day“-Zeiten) und Anathema heraus – bevor beide Bands, sagen wir mal, zahm wurden und Richtung Radiohead-Post-Rock (falsch) abgebogen sind IN VESPRO klingen stattdessen herrlich unangepasst, fast so, als hätten My Dying Bride ein intensives Date mit Helevorn. Das Beste daran? Hier ist nichts künstlich glattgebügelt: Die Gitarren klingen extrem authentisch, die Drums ehrlich, organisch, ohne Plastik-Sound. Und die Vocals sind maximal emotional, aber glücklicherweise nie drüber. Alles zusammen ist wunderschön aber eben nicht cheesy.  

„Where Silence Used To Sleep“ ist eigentlich gar kein normales Album – es ist ein pures Gefühl. Die Songs verschmelzen zu einem großen, intensiven Ganzen. Es ist ein Trip, der dich mal total verzweifelt zurücklässt, dich im nächsten Moment leise hoffen lässt, aber dich vor allem tief berührt. Wenn der Tag geht und das Licht langsam ausgeht, wehren sich IN VESPRO mit aller Kraft gegen die Dunkelheit. Wer also nachts gerne in großen Emotionen schwelgt und noch ein paar romantische Sprenkler auf der Seele hat, muss sich dieses Werk reinziehen. Die Jungs haben die alte schwedische Doom-Blueprint genommen und daraus etwas Zeitgemäßes, aber herrlich Unmodernes geschaffen.


WHERE SILENCE USED TO SLEEP

Band: IN VESPRO
Genre: Doom Metal
Tracks: 9
Länge: 35:50
Medium: CD
Label: Meuse Music Records
Vertrieb: M9 Music