REVIEW: Epitome Of Carnage (FLESHCRAWL)

TIPP

BY Meisenkaiser


Manche Baustellen werden nie fertig, andere hinterlassen nach dem Einsturz eine Lücke, die niemand füllen kann. So fühlte es sich an, als FLESHCRAWL ihren Polier Sven verloren - ein menschlicher Krater, der tiefer war als jede musikalische Grube. Die folgenden Jahre? Ein paar mühsame Schichten, Auftritte, die eher nach "Dienst nach Vorschrift" klangen. Doch jetzt kommen die Bayern - nicht (mehr) aus Illertissen, sondern aus dem Memminger und Ulmer Raum - um den letzten verbliebenen Vorarbeiter Bastian Herzog an den Drums zurück auf den Bau. Und sie haben für den Nachfolger von "Into The Catacombs Of Flesh" schweres Gerät im Gepäck. "Epitome Of Carnage" ist die Antwort auf den drohenden Baustopp im Genre, besonders da die Kollegen von ENDSEEKER gerade ihre Kellen einpacken und sich auflösen. FLESHCRAWL übernehmen das Revier und mauern ein Fundament aus schwedischem HM2-Death Metal, das erdbebenfest ist. Wer auf den typischen Kettensägen-Sound steht, bekommt hier die volle Packung Schmiermittel direkt geliefert. Gleich der Opener "Blood Dominion" zeigt, dass die Seppel nicht mit dem Spachtel hantieren: Der Track ballert Dir die Birne mit Blasts weg wie ein betonbrechender Abbruchhammer das Fundament der alten Terrasse. Das ist kein filigranes Rumgepinsel, das ist Kernsanierung ohne Maske. Aber die Jungs können auch anders: Sie variieren das Tempo, mal bohren sie volle Kanne, mal schieben sie einen mittelschweren Groove durch die Halle, der alles plattwalzt. Ein echtes Highlight im Schichtplan ist die zweite Single "Embers Of Wrath". Ein absolutes Kunststück des Todesmetalls - wunderschön geschliffen, aber kein bisschen "cheesy". FLESHCRAWL agieren hier wie Gartenkünstler auf einem staubigen Garagenhof: Sie pflanzen düstere Melodien in den harten Beton und erschaffen Hymnen, die trotz aller Härte eine morbide Ästhetik besitzen. Hinter der harten Arbeit steckt eine traurige Geschichte, und auch die Welt da draußen liefert mit Blutvergießen und Kriegshorror (Thema im Video zu "Embers Of Wrath") leider genug Bauschutt. Umso erfreulicher ist dieses Comeback, das so nicht unbedingt im Dienstplan stand. Das zehnte Album ist mehr als nur solides Handwerk - es ist der Beweis, dass die alten Meister immer noch die stabilsten Wände hochziehen. Also: Helm auf, Gehörschutz raus - FLESHCRAWL haben den Rohbau des Jahres abgeliefert!




EPITOME OF CARNAGE

Band: FLESHCRAWL
Genre: Death Metal
Tracks: 12
Länge: 47:52
Medium: CD
Label: Reigning Phoenix Music
Vertrieb: Distortion Music Group