REVIEW: Into Oblivion (Venom)
TIPP
Die Undergroundkönige VENOM sind zurück. In der Giftküche ist ein Album entstanden, das es wahrlich in sich hat und mehr VENOM denn je verströmt.
Ich kann hier jedoch nicht einfach über ein weiteres Album schwadronieren, ohne diese außergewöhnliche Band und deren Schaffen in der Vergangenheit kurz zu beleuchten. Man kann das, was die Engländer für den Metal und dessen Weiterentwicklung getan haben, sowieso nicht genug huldigen. Als die drei schrägen Vögel damals aufgetaucht sind, ging schlicht und ergreifend ein Ruck durch die Musikwelt. Keiner hatte zuvor solch unkonventionelles, revolutionäres Zeug auf eine Platte gepresst. Da war dieses rumpelnde Schlagzeug, die sägende Gitarre, der donnernde Bass und eine Stimme, die durch Mark und Bein ging. Mit dieser Art zu musizieren erweckten sie nicht nur die Neugier der Fans, sondern legten den Grundstein für den „Black Metal“ und öffneten Türen für alle extremen Formen, die das Genre mittlerweile zu bieten hat. Die Presse stürzte sich allerdings mit zunächst vernichtenden Kritiken auf sie. Da waren Dinge zu lesen wie dilettantisch, purer Lärm, unmusikalisch, unterirdischer Sound und Ähnliches. Die okkulten Texte waren ein weiterer Angriffspunkt, um ihnen Satanismus auf die Fahne zu schreiben. Das alles führt aber letztendlich dazu, dass eine breite und treue Fanbase entstanden ist. Mit einem überaus komplexen Song wie „At War With Satan“, der über eine ganze Plattenseite geht (20 Minuten), waren sie nicht nur ihrer Zeit voraus (1984), sondern zementierten ihren Status und trugen sich unwiderruflich in die Geschichtsbücher des Heavy Metal ein. Von da an wurden sie auch von den Medien aufgenommen, die zwar nach wie vor den Sound kritisierten, aber das Songwriting an der ein oder anderen Stelle mit Lob und Anerkennung beklatschten.
Auch live wussten VENOM damals schon Akzente zu setzen. Was Feuer, Rauch und Pyros betrifft, waren deren Shows spektakulär, in etwa vergleichbar mit heutigen Acts wie POWERWOLF, SABATON und Konsorten. Wer 1985 auf der Loreley dabei war, wird das wohl nicht vergessen.
Aber zurück zum neuesten Werk mit dem Titel „Into Oblivion“. Schon am Cover kann man auf den ersten Blick erkennen, dass uns das gute Stück zurück in die Vergangenheit führt. Der Teufelskopf mit dem Bandlogo zierte bereits das Kultalbum „Black Metal“; nur dieses Mal wurde die Fratze (mit Hilfe der KI) in ein echtes Gesicht verwandelt. Der musikalische Brückenschlag wird zum einen in Form des gewählten 80er-Jahre-Soundgewandes geschlagen. Das ist es wieder, dieses Rumpeln und die blechern scheppernden Becken; die restlichen Instrumente wirken aber dennoch druckvoll und modern. In einer Musikwelt, in der die KI immer größere Bedeutung gewinnt, viele Bands mit ähnlich glattgebügeltem Sound und Songs um die Ecke kommen, braucht es solche Rebellen wie VENOM.
„Lay Down Your Soul“ ist schlicht und ergreifend eine Zeile aus dem Refrain des „Black Metal“-Songs, womit auch textlich die Brücke zur Urgiftsuppe hergestellt ist. Die restlichen Nummern kommen heavy-düster, aber eingängig direkt auf den Punkt. Dante weiß darüber hinaus an der ein oder anderen Stelle mit seiner Gitarre zu glänzen. Seine Riffs sind messerscharf und seine Soli präzise. „Man & Beast“ favorisiere ich aufgrund des fetten, geschruppten Einstiegs schon. „Death The Levveller“ im Anschluss und „The Unholy Mother“ sind fiese, schön-thrashige Nummern, bei der die Jungs das Gaspedal mal ein wenig mehr durchtreten. Das zweiminütige „Dogs Of War“ erinnert vom Spaßfaktor ein wenig „Aaaaaarrghh“.
Die Truppe treiben in dieser Zusammensetzung nun auch schon seit 17 Jahren gemeinsam ihr Unwesen, und das hört und spürt man. Da ist etwas zusammengewachsen, das den Geist von VENOM in seiner ursprünglichsten Form weiterträgt und ich habe vom ersten Song weg ein Grinsen im Gesicht, weil alles so vertraut klingt, ohne verstaubt zu wirken. Im Vergleich zum Vorgänger „Storm The Gates“ hat man ein paar kleine Rädchen in Richtung 80er zurückgedreht; die musikalische Ausrichtung bleibt aber immer noch zeitgemäß.
Sorry folks, aber das Ding ist… leider geil!
INTO OBLIVION
| Band: | Venom |
| Genre: | Thrash Metal |
| Tracks: | 13 |
| Länge: | 43:55 |
| Medium: | CD |
| Label: | Noise |
| Vertrieb: | BMG |




