REVIEW: Vox Occulta (Einar Solberg)
Drei Jahre nach seinem Solodebüt "16" und dem intimen Zwischenstopp "The Congregation (Acoustic)" kehrt EINAR SOLBERG mit seinem zweiten „echten“ Soloalbum "Vox Occulta" zurück. Wer dachte, der LEPROUS-Frontmann hätte mit seiner Band bereits alle Facetten seiner Stimme ausgelotet, wird hier eines Besseren belehrt. "Vox Occulta" ist kein beiläufiges Nebenprojekt, sondern ein tiefgründiges Schaffensdokument.
Schon der Opener „Stella Mortua“ macht deutlich, wohin die Reise geht: weg von den Polyrhythmen seiner Stammband, hin zu einer Breitwand-Ästhetik, die SOLBERG selbst als cineastisch bezeichnet. In Zusammenarbeit mit dem Norwegian Radio Orchestra erschafft er eine Klangwelt, die weniger nach verschwitztem Rockkonzert und mehr nach moderner Klassik und Soundtrack klingt.
Die Symbiose aus Orchester und Rockbesetzung (u. a. mit Keli Guðjónsson von Agent Fresco an den Drums) wirkt jedoch nicht überladen. Vielmehr nutzt SOLBERG die orchestrale Wucht, um die emotionalen Spitzen seiner Kompositionen zu betonen. In „Vita Fragilis“ gipfelt dies in einem gewaltigen Duell zwischen Streichersätzen und harten Riffs, das die heimischen Boxen mehr an die Grenzen bringt als viele moderne Metal-Produktionen. Gleich darauf folgt, mit zerbrechlichem Anfang, das monumentale "Grex": in fast zwölf Minuten lässt der Longtrack alle Aspekte der SOLBERGschen Welt in hellem Glanz erstrahlen.
Zentrales Element bleibt natürlich SOLBERGs Ausnahmestimme. In „Medulla“ lotet er die Grenzen zwischen seinem charakteristischen Falsett und tiefen, fast flüsternden Passagen aus. Die Texte wirken gewohnt introspektiv und verarbeiten Themen wie Isolation und Selbsterkenntnis, wirken jedoch durch die orchestrale Unterstützung weniger klaustrophobisch als auf früheren Werken.
Mit einer Spielzeit von knapp 55 Minuten fordert "Vox Occulta" Aufmerksamkeit. Es gibt kaum klassische Hooks; das Album fließt wie ein einziger, gewaltiger Strom aus Klängen und Stimmungen. EINAR SOLBERG beweist, dass er die Etiketten „Prog“ oder „Metal“ längst hinter sich gelassen hat. Er ist ein Komponist, der Emotionen in pure, orchestrale Schönheit verwandeln kann. Ein absolutes Highlight des Jahres 2026.
VOX OCCULTA
| Band: | Einar Solberg |
| Genre: | Progressive |
| Tracks: | 8 |
| Länge: | 54:43 |
| Medium: | CD |
| Label: | Inside Out Music |
| Vertrieb: | Sony Music |




