REVIEW: Chasing The Hydra (Crimson Glory)

TIPP

BY Fabian Zeitlinger


27 Jahre sind seit dem letzten CRIMSON GLORY Album „Astronomica“ vergangen. Das Debüt erschien vor sage und schreibe 41 Jahren. Wenn eine Band nach einer so langen Zeit zurückkommt, dann reagiert die geneigte Fanbasis in der Regel mit einer gesunden Portion Skepsis. Dies gilt besonders dann, wenn bei der Personalie die Aushängeschilder fehlen. Im Fall von CRIMSON GLORY fehlt neben dem verstorbenen Sänger Midnight auch Gitarrist Jon Drenning, welcher sich lieber um Sohn und Familie kümmern möchte. Es sei ihm gegönnt. Aber können die drei verbliebenen Originalmitglieder Jackson, Lords und Burnell zusammen mit ihren neuen Sidekicks Gitarrist Mark Borgmeyer und Sänger Travis Wills CRIMSON GLORY zu neuem Glanz erstrahlen lassen?

Ich hatte das Vergnügen CRIMSON GLORY im Verlauf des letzten Jahres 3-mal live erleben zu dürfen und wurde Zeuge, wie sich die Band immer mehr fand, zu einer in sich stimmigen Einheit wurde und die Lust auf neues Material weckte.

Was man in der verklärenden Rückschau auch gerne übersieht, ist die Tatsache, dass beim sehr ungewöhnlichen und so gar nicht nach CRIMSON GLORY klingenden „Strange & Beautiful“ Album von 1991 Midnight und Drenning noch mit von der Partie waren, während Burnell und Jackson schon das Weite gesucht hatten. Und um den Ganzen noch einen draufzusetzen: Jackson veröffentlichte 1995 mit seiner Band PARISH ein Album, welches meiner Meinung nach „Strange & Beautiful“ locker toppt.

Nun schreiben wir das Jahr 2026 und ich habe „Chasing The Hydra“ auf dem Schreibtisch liegen. Ist es anders als früher? Ja. Aber es ist trotzdem mehr als genug klassische CRIMSON GLORY DNA vorhanden, um diese einzigartige Band sofort zu identifizieren. Neben den mystischen und teils orientalisch anmutenden Gitarrenharmonien begeistert mich der Gesang von Travis Wills, welcher aus dem Schatten seines übermächtigen Vorgängers tritt, indem er ihn nicht kopiert und dennoch ähnlich beseelt und emotional performt. Man hat sich hörbar Mühe gegeben und versucht nicht nur durch möglichst hohe Schreie zu beindrucken, sondern arbeitet viel mit Dynamiken und Gefühlen, welche von zart und zerbrechlich bis hin zu aggressiv schneidend reichen.

Den Songs selbst wohnt eine gewisse Schwermut inne, welche schon auf dem Debüt zu hören war. Durch die kraftvolle Darbietung gleitet es aber nie in pure Depression und Hilflosigkeit ab, sondern vermittelt ein „Jetzt-Erst-Recht“ Gefühl. Songs wie „Angel In My Nightmare“ mit seinen vielen unterschiedlichen Parts und einem Gottrefrain oder das forsch nach vorne marschierende und mit einem dominanten Basslauf ausgestatte „Beyond The Unknown“ agieren definitiv auf dem Niveau der beiden Klassiker. Auch wenn ich große Hoffnungen in dieses Album gesetzt habe, so bin ich doch von der Gesamtqualität überrascht und freue mich, dass CRIMSON GLORY es geschafft haben, einerseits ihrem Namen und der Tradition gerecht zu werden und anderseits ein neues Kapitel mit vielen weiteren Facetten in ihrem ganz eigenen Klangkosmos aufzuschlagen. Ich freue mich dieses Jahr nicht nur die alten Kracher ein weiteres Mal live erleben zu dürfen, sondern auch die Songs dieses mehr als gelungenen Comebacks.



CHASING THE HYDRA

Band: Crimson Glory
Genre: Heavy Metal
Tracks: 9
Länge: 47:38
Medium: CD
Label: Bravewords Records
Vertrieb: Cargo