REVIEW: There Will Come Soft Rains (VLMV)

BY Meisenkaiser


Manch abgestumpfter Headbanger hat noch nie kapiert – muss er ja auch nicht – , warum die Kuttenfraktion bei Sigur Rós oder frühen Anathema-Ambient-Ausflügen kollektiv Pipi in die Augen bekommt. Aber manch einer weiß: Wahre Musik definiert sich nicht nur über Blastbeats, sondern über die Echtheit der Atmosphäre. In genau diese Kerbe schlägt Pete Lambrou, der Kopf hinter VLMV (sprich: „Alma“). Der Brite ist kein Unbekannter – wer Pelagic Records im Regal hat, weiß, dass das Label keinen Schrott signt. Mit „There Will Come Soft Rains“ liefert Lambrou sein viertes Studio-Manifest ab und beschreibt seinen Sound selbst trocken als „ambient-ish post-something“. Inspiriert von Sara Teasdale und Ray Bradbury (die Literaten unter euch schnalzen jetzt natürlich mit der belesenen Zunge), entwirft das Album das Szenario einer Welt, die nach dem Verschwinden der Menschheit einfach in stiller Schönheit weiteratmet. Sagt das Info und meine damit eine post-apokalyptische Ruhe vor dem Nichts. Es ist also kein Futter für die Moshpit, aber Balsam für die melancholische Seele. Schon der Opener „Tribal (A Heart Self Taught)“ bricht mit Erwartungen und schleust subtile Techno-Beats in das gewohnte Post-Pop-Rock-Geflecht. Das Ganze dient der aber auch „nur“ der Atmosphäre, nicht der Tanzfläche. Wer bei Nummern wie „The Pilot“ – veredelt durch Gänsehaut-Geigen – nicht merkt, wie sich die Nackenhaare aufstellen, dessen Kopf steckt schon seit drei Tagen in der Bass-Drum. Klar, für die Fraktion „Hauptsache-Geknüppel“ klingt das hier nach der Filmmusik einer skandinavischen Krimiserie oder Lounge-Beschallung für Hipster-Bars. Ist es irgendwie auch. Aber scheiß drauf: VLMV liefern mehr Substanz und ehrliche Melancholie als jede drittklassige Gothic-Metal-Kapelle. Wer bereit ist, die Scheuklappen abzulegen und sich auf die zerbrechlichen, lieblich-gehauchten Vocals einzulassen, findet hier den perfekten Soundtrack für die blauen Stunden nach dem Gig. Keine Eruptionen, keine Breakdowns – nur pure, atmosphärische Melancholie.



THERE WILL COME SOFT RAINS

Band: VLMV
Genre: Alternative
Tracks: 9
Länge: 41:43
Medium: CD
Label: Pelagic Records
Vertrieb: Cargo