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REVIEW: Boy Witch (Boy Witch)

BY Meisenkaiser


Hinter dem Alternative-Psychedelic-Projekt BOY WITCH steckt der Berliner Felix Rörig. Für sein selbstbetiteltes Debütalbum hat er fast alles im Alleingang gestemmt – von Gitarre und Bass über Gesang bis hin zu den Synths. Einzig für die Drums holte er sich Verstärkung durch Gidon Carmel (Lucy Kruger & The Lost Boys) in die Berliner Famous Gold Watch Studios. Sogar das Artwork stammt aus Rörigs eigener Feder. Schon der Opener „bad tape“ gibt die Richtung vor: Ein Sound, der nah am reduzierten Brit-Pop durch eine dichte Nebelbank daherwabert. Das anschließende „ghost“ erinnert fast an eine schläfrige Psycho-Nummer von Depeche Mode. Der Hexerich scheint hier förmlich auf seinen Geist zu warten – ein bisschen wie auf Godot. BOY WITCHs Einflüsse sind Schwergewichten wie Wand, QOTSA oder Boards of Canada, er will Traum und Distortion verschmelzen. Und während die Fuzz-Gitarren eher zurückhaltend bleiben und die Synthies unterschwelliger agieren als erwartet, gibt es echte Ausbrecher: „echolalia“ überzeugt mit fast schon hartrockigen, konventionellen Parts und das wundervolle „brave new world“ weckt den Hörer mit tollen Melodien und plötzlichen Eruptionen wieder auf. Stellenweise wirkt das Album wie die Hintergrundmusik einer hippen Lounge-Bar – Klänge, die eine Unterhaltung nicht stören, aber eben als moderne Psychedelia statt Lounge-Jazz daherkommen. Ob euch diese „Audible Wallpaper“ gefällt oder ob ihr beim Hören doch eher einnickt, müsst ihr selbst entscheiden. Gebt BOY WITCH einen Daumen hoch (oder eben einen anderen Fingerzeig), falls ihr noch wach seid!



BOY WITCH

Band: Boy Witch
Genre: Alternative
Tracks: 11
Länge: 41:19
Medium: CD
Label: Green Man Records
Vertrieb: