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REVIEW: Mindsuckers (HARVEY RUSHMORE & THE OCTOPUS )

BY Meisenkaiser


Fuzz und Fury! Eine Nachtfahrt im schwarzen Sarg, das ist die Spritztour mit „Mindsuckers“! Steig ein, zieh die schwere Tür der alten Londoner Limousine zu und ignorier das Knatschen der Ledersitze! HARVEY RUSHMORE & THE OCTOPUS fahren nicht zum Buckingham Palace. Sie fahren dorthin, wo der Asphalt feucht glänzt und die Neonreklamen flackern, das ist nichts für Leute mit schwachem Magen oder einer Vorliebe für sauberen Pop. Sobald der Motor stotternd anspringt, drückt die wuchtige Soundanlage des Taxis los. Ihr hört aus dem Hause Taxi Gauche Records keinen höflichen Britpop, der träumerisch in Richtung Manchester schielt. Das hier ist Garage-Dystopie aus Basel, die so klingt, als hätte man die 70er Jahre in eine Drogenwolke getaucht. Und es fühlt sich an wie in einem alten Spionage-Thriller. Du bist der Verfolgte, der im Fond des Black Cabs festsitzt, während draußen die Realität in psychedelischen Farben verschwimmt. Die Gitarren sind dreckig, der Fuzzfaktor ist hoch. Wer eine Allergie gegen hallige Vocals und Lo-Fi-Garagensound hat, sollte lieber den Bus nehmen. Es scheppert, es bass-dröhnt, aber – und das ist der Clou – es groovt und hookt verdammt noch mal. Wer früher gerne „Die Profis“ geschaut hat, nur um die coolen Autos der Engländer zu sehen, wird dieses Album lieben. Es kickt an Stellen, an denen man es nicht erwartet, und lässt einen mit der Frage zurück, ob Basel in den 70ern heimlich eine Londoner Enklave war. Auch das abschließende Titelstück „Mindsuckers“ will keinen künstlichen Jubel, einfach nur verdammt abgedreht rocken. Während sich drumherum die Welt gerade in ihre Einzelteile auflöst – früher wie heute. Oder ob die Jungs einfach nur zu viel vom "Bitterkraut" genascht haben?



MINDSUCKERS

Band: HARVEY RUSHMORE & THE OCTOPUS
Genre: Rock
Tracks: 9
Länge: 45:12
Medium: CD
Label: Taxi Gauche Records
Vertrieb: