REVIEW: Loss (Gaerea)
BY Erik Bosbach
Mit „Loss“ legen GAEREA ihr bislang zugänglichstes Album vor. Die maskierten Portugiesen bleiben zwar fest im extremen Metal verwurzelt, öffnen ihren Sound aber deutlich stärker in Richtung Post Metal und atmosphärischer Schlagseite. Besonders auffällig sind die neuen melodischen Elemente: Klargesang, eingängigere Refrains und teilweise fast rockige Gitarrenlinien erweitern das Klangbild der Band spürbar. Wer die Platte zum ersten Mal startet, könnte im ersten Moment tatsächlich denken, eine andere Band zu hören. Doch nach kurzer Zeit wird klar: Die emotionale Intensität und die charakteristische düstere Atmosphäre von GAEREA sind weiterhin präsent.
Der Opener „Luminary“ führt zunächst noch relativ vertraut in das Album ein: rasende Blastbeats, schneidende Gitarren und ein dichtes Klanggewebe setzen die Grundstimmung fest, während melodische Leads bereits erahnen lassen, wohin die Reise geht. „Submerged“ baut diese Mischung aus Aggression und Atmosphäre weiter aus und verbindet treibende Extreme Metal-Passagen mit weiten, post-rockigen Klangflächen. Mit „Hellbound“ präsentiert die Band eines der wuchtigsten Stücke des Albums. Gewaltige Riffs und donnernde Drums treffen hier auf eine beinahe hypnotische Atmosphäre. „Uncontrolled“ wirkt dagegen dunkler und roher, bleibt etwas stärker in der Black Metal-Ästhetik verankert und schlägt eine Brücke zu früheren Veröffentlichungen der Band. „Phoenix“ kombiniert kraftvolle Gitarrenarbeit mit einem besonders prägnanten Refrain und zeigt exemplarisch, wie GAEREA ihre musikalische Palette erweitert haben. Auch „Cyclone“ lebt von starken Dynamikwechseln und komplexen Strukturen, während das atmosphärische Interlude „LBRNTH“ als kurzer Moment der Ruhe zwischen den intensiven Albumteilen fungiert.„Nomad“ verbindet im Anschluss schwere Riffs mit einer melancholischen Grundstimmung und zeigt, wie GAEREA mit Kontrasten arbeiten. Das abschließende „Stardust“ überrascht schließlich mit ruhigen, fast fragilen Momenten, die sich langsam zu einem monumentalen Finale aufbauen.
„Loss“ wirkt insgesamt wie eine bewusste Neudefinition des GAEREA-Sounds. Die Band entfernt sich vom klassischen Black Metal-Gerüst und integriert stärker melodische, atmosphärische und teilweise sogar hymnische Elemente. Dadurch entsteht ein Album, das intensiver, emotionaler und stellenweise auch zugänglicher wirkt als seine Vorgänger. Puristen mögen die neue Ausrichtung kritisch sehen; ich bin selbst noch etwas unschlüssig ob ich mich selbst dazu zähle oder nicht. Die ein oder andere klare Gesangslinie hätte ich mir gespart. Das Ergebnis ist in jedem Fall ein vielschichtiges Album, das gleichermaßen wuchtig, melancholisch und atmosphärisch wirkt.
LOSS
| Band: | Gaerea |
| Genre: | Black Metal |
| Tracks: | 9 |
| Länge: | 46:01 |
| Medium: | CD |
| Label: | Century Media |
| Vertrieb: | Sony |



