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REVIEW: All Hail To The Liberator (NUCLEAR WARFARE)

BY Karsten Goebel


Es ist lange her, aber als ich „Lobotomy“ von NUCLEAR WARFARE gehört habe, war meine Begeisterung ehrlich gesagt eher… überschaubar. Kein Totalausfall, aber so richtig gezündet hat das Album bei mir auch nicht. Umso erstaunlicher ist nun, dass mir „All Hail To The Liberator“ richtig gut reinläuft. Dabei hat sich musikalisch eigentlich gar nicht so viel verändert. Entweder ist das Altersweisheit meinerseits oder mein Musikgeschmack hat sich über die Jahre einfach deutlich verbessert. Wie auch immer. Das neue Album macht verdammt viel Spaß und sorgt ganz nebenbei dafür, dass ich „Lobotomy“ wohl dringend noch einmal aus dem Regal ziehen sollte.

NUCLEAR WARFARE machen auf „All Hail To The Liberator“ nämlich genau das, was sie schon immer gemacht haben. Thrash Metal. Schnell, direkt, mit ordentlich Druck und ohne unnötige Umwege. Wer die Band kennt, weiß ungefähr, was ihn erwartet. Wer sie noch nicht kennt, bekommt hier eine ziemlich gute Lehrstunde darin, wie klassischer Thrash klingen kann, ohne angestaubt zu wirken. Die Basis ist klar im klassischen deutschen Achtziger Thrash verankert, aber immer wieder schiebt sich diese typische Bay Area Energie durch die Songs. Heraus kommt eine Mischung, die gleichzeitig vertraut und frisch wirkt. Die Gitarren liefern eine ganze Reihe richtig schön sägender Riffs, das Schlagzeug treibt alles gnadenlos nach vorne und über allem liegt diese rotzige Attitüde, die Thrash einfach braucht.

Trotzdem ist das Album kein reines Dauerfeuer. Zwischen den schnellen Attacken tauchen immer wieder Midtempo Passagen auf, die den Songs etwas mehr Gewicht geben. Und ja, sogar ein paar melodische Momente haben sich eingeschlichen. Keine Angst, niemand muss hier plötzlich Feuerzeuge schwenken, aber diese kleinen Nuancen sorgen dafür, dass sich die Songs im Kopf festsetzen. Auch inhaltlich wird nicht lange um den heißen Brei geredet. Die Texte haben Biss, sind stellenweise schön sarkastisch und passen perfekt zu dieser leicht dreckigen Thrash Energie, die sich durch das ganze Album zieht. Der Sound kommt dabei genau richtig rüber. Aufgenommen, gemischt und gemastert wurden die Songs von Rogerio Wecko im Dual Noise Studio in São Paulo. Das Ergebnis klingt druckvoll, angenehm roh und genau so, wie Thrash Metal eben klingen sollte.

Und für alle, die sich fragen, ob dieses Album etwas für sie ist, gibt es eine einfache Faustregel. Wenn bei Begriffen wie Lederjacke, lange Haare und Turnschuhe sofort ein Gitarrenriff im Kopf loslegt und nicht die Frage auftaucht, ob das Outfit zur neuen Frühjahrskollektion passt, dann sollte man „All Hail To The Liberator“ definitiv eine Chance geben. NUCLEAR WARFARE liefern hier ein Thrash Album, das genau weiß, wo seine Wurzeln liegen und das mit einer ordentlichen Portion Spielfreude nach vorne prescht. Manchmal ist genau das alles, was man braucht.

Veröffentlicht wird „All Hail To The Liberator“ über MDD Records, ein Label, das im klassischen Metal und Thrash Bereich längst eine feste Adresse ist. Hoffentlich bekommt das Album dadurch die Sichtbarkeit, die es verdient. Verdient hätte es sie auf jeden Fall.



ALL HAIL TO THE LIBERATOR

Band: NUCLEAR WARFARE
Genre: Thrash Metal
Tracks: 9
Länge: 43:34
Medium: CD
Label: MDD Records
Vertrieb: Alive