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REVIEW: Live And Uncleansed (Prong)

TIPP

BY Michael Berghammer


Es gibt eine alte Weisheit, die besagt: „Wie gut eine Band ist, kann man nur live erfahren.“ Ob das heute mit den vielen KI-Helferlein noch so unterschrieben werden kann, überlasse ich nun anderen. PRONG jedenfalls sind live eine Wucht. Wer die ungezügelte Energie, die diese Drei-Mann-Combo auf die Bretter zaubert noch nie erlebt hat, erhält nun die Gelegenheit, sich jedenfalls akustisch einen Eindruck davon zu verschaffen, was man da möglicherweise verpasst hat.

Die Aufnahmen für die CD entstanden an sieben Abenden während der „Cleansing Jubiläumstour“ im Juli und August 2025. Zu den Lokalitäten zählten Festivals wie das Wacken Open Air („Snap Your Finger, Snap Your Neck“ – die offizielle Vorabsingle) und das Alcatraz Festival im belgischen Kortrijk, aber auch Kultclubs wie der Hirsch in Nürnberg und das Colos-Saal in Aschaffenburg, wo ich persönlich zugegen war und berichtete (hier).

Tommy Victor erzählt stolz, dass die Truppe einen Riesenspaß hatte und mit über zwei Stunden das längste Set der Prong-Karriere gespielt habe. Das war definitiv in Aschaffenburg, mit einer Setlist, die sage und schreibe 29 Titel enthielt. Es befanden sich sogar selten gespielte Nummern vom Debüt („Freezer Burn“ und „Senseless Abuse“) im Set. Jene Tracks sucht man auf der Platte jedoch vergebens; allerdings findet man zwei Leckerbissen aus der Cleansing-Ära darauf. „Inheritance“ war seinerzeit Soundtrack zum Kinofilm „Airheads“ (u. a. mit Brendan Fraser, Adam Sandler und Steve Buscemi) und „Corpus Delecti“ (nur als Bonus auf der CD). Beide Nummern hatten es damals allerdings nicht mehr auf das Album geschafft.

Selbstverständlich sind die meisten Songs von Cleansing; leider vermisse ich zwei meiner absoluten Favoriten von dieser Scheibe: „Broken Peace“ und „Test“ fehlen. Dafür lassen die New Yorker das Ding mit dem allseits beliebten Klingonen-Klassiker „Revenge... Best Served Cold“ aus der Box kommen.

Den Spaß an der Sache merkt man jedem der vierzehn Titel (plus drei Bonus-Tracks auf der CD) an. Hier wurde auch nichts geschminkt. Die Songs preschen kraftstrotzend, pur und unverfälscht aus den Speakern. Die Leidenschaft und Spielfreude kann man spüren und genau das ist es, was an der Performance magisch fesselt – live eben!

Rein optisch ist das gute Stück ebenfalls schön aufbereitet. Für mich gehört schon immer zu einer guten Live-Scheibe auch das entsprechende Bildmaterial. Das Booklet enthält viele authentische Live-Bilder (einige davon wurden vom Rezensenten im Colos-Saal aufgenommen, was ihn unfassbar stolz macht). Das Cover ist bewusst am Original-Cleansing-Artwork angelehnt, und die verwendeten Fotos vorne und hinten stammen ebenfalls aus meiner Kamera.

Hier wurden musikalisch tolle Momente eingefangen, die den Zuhörer mit in die Venues nehmen, in denen sie entstanden sind. Man muss sich am Ende indes die Frage stellen, wenn die Sets lange waren und der Spaß offenkundig groß war, warum hat „Live And Cleansing“ nur vierzehn Songs und eine Spielzeit von lediglich knapp einer Stunde? Möglicherweise liegt die Antwort im Erleben.

PRONG hat jedenfalls für 2026 wieder viel Zeit und jede Menge Songs im Gepäck. Im Fokus soll dann zwar zusätzlich „State Of Emergency“ stehen; aber man kan sich darüber hinaus auf ein paar nagelneue Lieder vom kommenden Studiowerk freuen, verspricht Mr. Victor.





LIVE AND UNCLEANSED

Band: Prong
Genre: Metal
Tracks: 11 (+3)
Länge: 59:28
Medium: CD
Label: Steamhammer
Vertrieb: Open