REVIEW: Get What You Deserve (Re-Release-Vinyl) (SODOM)
What You Deserve“ ist wahrscheinlich die am meisten polarisierende Thrash-Platte der 90er. Für viele ist dieser Wutbrocken zum Kult geworden, andere können damit so rein gar nichts anfangen. Es streiten sich auch die Geister, ob es nun das punkigste Thrash- oder das thrashigste Punkalbum ist. Letzendlich bekam sie den Titel "Die Härteste Metal-Punk-Platte Der Welt"
Andy Brings, der seinerzeit neben Tom Angelripper (Gesang und Bass) und dem damals neu eingestiegenen Drummer Atomic Steif (R.I.P.) Gitarrist der Truppe war, hat sich nun dem Werk angenommen. Er hat, wie bereits zuvor bei „Tapping The Vein“, das Original zum einen remastert und einen Remix mit dem Titel „Blitzkrieg Remix“ (Blitzkrieg war der ursprüngliche Titel) erstellt. Es gab verschiedene Gründe, warum das Teil so fies geworden ist. Da waren zum einen die unfaßbar hohen Kosten, die „Tapping The Vein“ zuvor verschlungen hatte, da man diese Platte mit sehr viel Aufwand produziert hatte. Das sollte dieses Mal deutlich billiger werden und schneller gehen. Des Weiteren war es aber auch die Zeit, von der die Mannschaft angepißt war. Die wenigen Metalacts, die noch nicht in der Grungsuppe abgesoffen waren, klangen ihnen zu glatt. Andy nennt in diesem Zusammenhang gerne PANTERA und MACHINE HEAD, denen er Adjektive wie clean, steril und messbar perfekt zuordnete. SODOM wollte sich dem widersetzen und erschuf mit „Get What You Deserve“ eine Antithese. Man hatte mit Wolfgang Stach einen seinerzeit noch unbekannten Produzenten, der sich jedoch mit GUANO APES, JUPITER JONES und BAP einen Namen machte. Die Vorgabe für ihn war dann einfach: man wollte einen RAMONES-Sound. Gitarre auf der einen, Bass auf der anderen Seite, der Rest in der Mitte ohne Dopplung oder sonstigen Firlefanz. Es sollte alles mehr nach VENOM und MOTÖRHEAD klingen.
Die Songs selbst hätten nicht passender sein können. Andys Gitarre ist der pure Punk – einzelne Riffs sind (auf dem Original zumindest) kaum zu identifizieren, Tom grunzt und bellt, wie nie zuvor (und danach auch nicht mehr!), und was der „neue“ Drummer abgeliefert hat, brachte ihm den Spitznamen „Der deutsche Dave Lombardo“ ein, was damals ähnlich einem Ritterschlag in diesem Genre war. Die Nummern waren kurz und knackig, kamen aber direkt auf den Punkt. „Jabba The Hutt“, „Sodomized“ und „Die Stumme Ursel“ sind mittlerweile Klassiker. Auch textlich bewegte man sich stark im Grenzbereich. Alles sollte irgendwie ekelhaft, zweideutig und provozierend sein. „Silence Is Consent“ mit dem instrumentalen „Tribute To Moby Dick“ als Einleitung bildet schier eine Ausnahme, da hier der Walfang angeprangert wird. Wenn eine Scheibe schon nach VENOM klingen soll, dann macht es natürlich am Ende auch Sinn, den Black-Metal-Pionieren mit einem Track zu huldigen. „Angel Dust“ beendet das wilde Gebolze würdig; verglichen mit den restlichen Songs ist das nahezu der melodischste.
Wie bereits erwähnt, konnte man den Ruhrpottrabauken den Titel „Blitzkrieg“ noch ausreden, das Original-Cover jedoch nicht. Es zeigt einen im Hotelzimmer erschossenen dicken Mann mit Gummipuppe auf seinem Bett, während eine knapp bekleidete Dame mit Eishockeymaske an die Heizung gefesselt daneben kauert. Selbstredend wurde dieses Cover wenig später zensiert, liegt nun aber als Innenhülle für den Blitzkrieg Remix in der neu aufgelegten LP. Der Remix ist das Album nur mit Gitarre, so hat es Andy selbst beschrieben. Diese rückt gleichwohl stärker in den Vordergrund, insgesamt wirkt der Remix für meine Ohren in der Tat deutlich zahmer, da der Gesang darüber hinaus nicht mehr so bissig klingt. Das Remaster bietet nach wie vor das volle Programm direkt auf die Fresse. Es wurde nicht mehr viel hinzugefügt; die Gitarre hat etwas mehr Schärfe, die Wucht (ohne Scheppern) andererseits, mit der das Ding aus den Boxen knallt, sucht ihresgleichen. Dieses Vinyl findet man in einer Innenhülle, die das Coverdesign (Bandfoto) trägt, das man nach der Indizierung des Originals verwendet hatte.
Um die Sache für die Neuauflage rund zu machen, hat man die beiden Schallplatten in eine Hülle gesteckt, die auf der Vorderseite nun den „Knarrenheinz“ zeigt und, wie sollte es auch anders sein, ist jener fies zugerichtet.
GET WHAT YOU DESERVE (RE-RELEASE-VINYL)
| Band: | SODOM |
| Genre: | Thrash Metal |
| Tracks: | 16/16 |
| Länge: | 92:05 |
| Medium: | 2-LP |
| Label: | BMG |
| Vertrieb: | Universal Music |



