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REVIEW: L.I.F.T. (NEAL MORSE BAND)

BY Ralf Großmann


Wenn die Neal Morse Band ein neues Album ankündigt, weiß die Prog-Welt genau, was sie bekommt: orchestrale Opulenz, virtuoses Handwerk und eine ordentliche Portion christliche Spiritualität mit oft pathetischen aber nichtsdestotrotz sympathischen Texten. Doch bei aller Konstanz beweist das Quintett um Neal Morse und Mike Portnoy mit ihrem neuesten Werk, dass Begriffe wie "Routine" oder "Schreibblockade" in ihrem Wortschatz scheinbar nicht existieren. Wie bei fast allen Alben aus dem Hause Morse ist auch "L.I.F.T" ein Feuerwerk an musikalischen Ideen und die glaubwürdige Spielfreude aller Beteiligten springt einen fast an.


Schon beim instrumentalen Intro wird klar, dass die Chemie innerhalb der Band – bestehend aus Morse, Portnoy, Randy George, Bill Hubauer und Eric Gillette – unschlagbar bleibt. Das Album ist eine perfekt ausbalancierte Mischung aus den hymnischen Melodien und komplexen Instrumental-Abfahrten, die auch schon die Vorgänger gekennzeichnet hat.


Besonders hervorzuheben ist die Dynamik der Vocals. Während Neal Morse wie gewohnt mit seiner leidenschaftlichen Stimme führt, sorgen die Backings und Satzgesänge der anderen Mitglieder für eine Gänsehaut-Atmosphäre, die fast an die Hochzeiten von Gentle Giant oder Kansas erinnert. Eric Gillettes geschmackvolle Gitarrenriffs und -soli durchdringen den Sound messerscharf ohne extrem zu dominieren, während das Fundament von Portnoy und George wie eine perfekt geölte Maschine groovt. Und auch Tastenhexer Bill Hubauer darf ausgiebig seine Künste demonstrieren. Dabei hat man aber in keinem Moment des rund 70-minütigen Monumentalwerks den Eindruck, dass die Virtuosität dem reinen Selbstzweck dient. Um in diese Falle zu tappen, sind diese Musiker viel zu gut.


Inhaltlich bleibt Morse sich treu. Es geht um Hoffnung, Erlösung und die Reise zur hellen Seite des Daseins. Ob man lyrisch etwas für sich mitnehmen kann, bleibt jedem selbst überlassen. Doch musikalisch bleibt die Band über alle Zweifel erhaben, auch wenn man aus ihrer Sicht keine großen Experimente wagt. Neben den obligatorischen Longtracks finden sich kompakte Rock-Nummern, ohne dabei die progressive Integrität zu verlieren. Die Produktion ist transparent und druckvoll. Man hört jedes Detail: vom feinen Zischeln der Becken bis hin zum knurrenden Bass-Sound. Es ist ein Album, das Kopfhörer verlangt, um die Schichten aus allen akustischen Nuancen vollends zu erfassen.


NMB schaffen es, die Komplexität des Progressive Rock so zugänglich zu machen, dass sie nie in pure Selbstdarstellung abgleitet. Es ist ein Fest für Fans und ein idealer Einstieg für Neulinge. Wer epische Melodiebögen und technische Brillanz sucht, kommt an diesem Werk nicht vorbei.









L.I.F.T.

Band: NEAL MORSE BAND
Genre: Progressive
Tracks: 13
Länge: 70:23
Medium: 2-LP
Label: Inside Out Music
Vertrieb: Sony Music