REVIEW: Before We All Die (Clawfinger)
CLAWFINGER sind wieder da! Wer hätte das gedacht? Es mag jetzt gut 13 Jahre her sein, da haben die Jungs im Colos-Saal in Aschaffenburg ein „Abschiedskonzert“ gegeben. Der Abschied vom Abschied, ließ dann allerdings nicht allzu lange auf sich warten. Sechs Jahre später begegneten wir uns auf dem Summer Breeze Open Air wieder. Schon damals meinte Zak Tell (Gesang), dass es in Zukunft wohl nur noch einzelne Singles online geben werde aber sicher kein Album mehr. Im aktuellen Interview (siehe hier) bestätigte er diese Idee grundsätzlich, aber es kam dann doch eins zum andern und am Ende steht ein neues Album nach sage und schreibe fast 19 Jahren ( seit „Life Will Kill You“ von 2007).
Die Crossover-Pioniere der 90er sind mit „Before We All Die“ zurück und das fast so, als ob sie nie weg gewesen wären. Zak schimpft immer noch wütend-rappend über Gott und die Welt und über, unter oder neben ihm liegt dieser brettharte metallische Stakkato-Gitarrenteppich, der im Marschtempo die Richtung vorgibt. Mit dieser Art den Metal neu zu interpretieren waren CLAWFINGER wohl hauptverantwortlich für die Deutsche Härte die ja mutmaßlich in RAMMSTEIN ihren Ursprung hatte. Jetzt könnte man die Augenbrauen hochziehen und den Ricola-Mann zitieren: „Wer hat's erfunden?“ Die Antwort ist tatsächlich CLAWFINGER und RAMMSTEIN verpflichteten deren damaligen Produzenten Jacob Hellner 1994 um genau so zu klingen, wie die Skandinavier. In der anschließenden Tour (95/96) fungierten die Teutonen als Support-Act.
So jetzt aber zur aktuellen Platte:
„Scum“ macht mit Vollgas den Anfang und der Titelsong markiert das Ende brachial nach gut 40 Minuten. Dazwischen findet man allerdings jede Menge Abwechslung. Im Mittelteil der Scheibe verstummen indes zu meinem Bedauern die Gitarren zu häufig und die Samples, die gewiss ein wichtiger Teil im CLAWFINGER-Kosmos darstellen, übernehmen die Oberhand. Dadurch rückt Zak mit allem, was er zu sagen hat, natürlich deutlicher in den Mittelpunkt des Geschehens. Nach dem Skip-Song „A Perfect Day“ geht’s wieder voran und das klinische Klampfengewitter zieht wieder auf. „Going Down (Like Titanic)“ lebt von der schrägen Idee und dem herrlich fängigen Chorus. In „Environmental Patients“ wird keifend der unheilbare Narzißmus der Menschheit angeklagt.
CLAWFINGER haben sich nie gescheut den Finger in die Wunde zu legen. Auch von kontroversen Diskussionen, wie z.B. über ihren Megahit „Nigger“ haben sie sich nicht aus der Bahn werfen lassen und ob es nun RAMMSTEIN auch ohne sie gegeben hätte, ist den Rap-Metal Legenden wohl Jacke wie Hose. Als die heimischen Boxen das erste Mal mit „Before We All Die“ das Wohnzimmer beschallt hatten, wollte ich von meiner Liebsten, die man getrost als glühende Verehrerin der Kulttruppe bezeichnen kann, eine Meinung zum neuen Werk; „Cool – CLAWFINGER halt!“ war die Antwort und dem ist nichts hinzuzufügen.
BEFORE WE ALL DIE
| Band: | Clawfinger |
| Genre: | Industrial |
| Tracks: | 12 |
| Länge: | 40:05 |
| Medium: | CD |
| Label: | Perception |
| Vertrieb: | Edel |



