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REVIEW: Dead World Legacy (Reaper)

TIPP

BY Karsten Goebel


Das neue Album Dead World Legacy „Dead World Legacy“ markiert ein weiteres Kapitel in der langen Historie der Kasseler Heavy Metal Institution REAPER. Bereits 1985 machte die Band mit ihrem ersten Demo auf sich aufmerksam und legte damit den Grundstein für eine Karriere, die von zahlreichen Veröffentlichungen, aber auch von längeren Pausen geprägt war. Vielleicht ist genau das der Grund, weshalb REAPER trotz ihrer Klasse nie den Underground Status verloren haben und nicht Seite an Seite mit Genregrößen wie RUNNING WILD, ACCEPT oder GRAVE DIGGER auf großen Tourneen zu sehen waren.

Gerade zu GRAVE DIGGER besteht jedoch eine offensichtliche Verbindung, denn die Stimme von Frontmann Daniel Zimmermann erinnert phasenweise stark an Chris Boltendahl, ohne dabei zur bloßen Kopie zu werden. Persönlich verbinde ich mit REAPER zudem besondere Erinnerungen, denn eines meiner ersten Metal Konzerte überhaupt war ein Auftritt der Band im Kasseler Anne Frank Heim. Rückblickend kann man durchaus sagen, dass dort die Saat meines Heavy Metal Enthusiasmus gelegt wurde.

Nach dem 2014 erschienenen Album „An Atheist Monument“, das über Massacre Records veröffentlicht wurde, hatte ich eigentlich erwartet, dass die Band nun auch erfolgstechnisch durchstartet. Stattdessen mussten Fans ganze zwölf Jahre auf neues Material warten. Nun liegt mit „Dead World Legacy“ eine Eigenproduktion vor, die elf Songs umfasst und sich stilistisch im Heavy und Thrash Umfeld bewegt, dabei aber auch feine, unterschwellige Black Metal Einflüsse erkennen lässt.

Den Einstieg bildet „Eye In The Sky“, der sofort die starke Gitarrenarbeit hervorhebt, bevor Zimmermann mit seiner markanten Stimmlage das Zepter übernimmt und den Song nach vorne treibt. Ein äußerst gelungener Auftakt für ein fast einstündiges Album. Ganz stark ist auch „Oceans Of Slumber“, das mit treibendem Beginn und donnernder Doublebass die härtere Seite der Platte präsentiert. Danach öffnet sich der Song mit eingängigen Vocal Lines, die schnell im Ohr bleiben.

Genial ist auch „The Fear“, dessen Refrain sehr eingängig ausgefallen ist, während ansonsten stampfende Gitarren regieren. Ein typischer Old School Track, der auch vor 30 Jahren problemlos begeistert hätte. Ein feines Solo rundet den Song zusätzlich ab und macht ihn zu einem der heimlichen Highlights der Platte.

Die Begeisterung für die härtere Gangart zeigt sich besonders im Track „Dark Throne“, dessen Lyrics ausschließlich aus Albentiteln der gleichnamigen Band bestehen. Eine charmante Hommage mit ordentlich Druck. „Jerusalem“ wiederum beweist, dass Zimmermann weit mehr Facetten besitzt als nur die Nähe zu Boltendahl. Vor allem der Refrain erinnert in seiner epischen Ausrichtung eher an Größen wie SOLITUDE AETURNUS.

Interessant ist auch, dass manche Gitarrenpassagen stellenweise an HYPOCRISY erinnern, was im klassischen Heavy Metal Kontext eher ungewöhnlich ist, dem Album jedoch ein eigenes Profil verleiht. Der epische Flair kommt dadurch ebenfalls nicht zu kurz und in vielen Momenten schnellen die Pommesgabeln selbst im heimischen Wohnzimmer nach oben.

Wie man merkt, bin ich mit „Dead World Legacy“ sehr zufrieden und meine Erwartungen wurden erfüllt. Eventuell hätte man bei einigen Songs noch etwas stärker an der Eingängigkeit feilen können, doch ich gehe davon aus, dass nach mehreren Durchläufen viele Passagen noch nachhaltiger zünden werden.

Von mir sind 9 von 10 Pommesgabeln gereckt und somit ist eine klare Kaufempfehlung ausgesprochen. Ich hoffe sehr, dass REAPER dieses Album als Sprungbrett nutzen können und endlich die Aufmerksamkeit erhalten, die sie nach all den Jahren mehr als verdient haben. Unterstützt die Band und halten den Metal am Leben.






DEAD WORLD LEGACY

Band: Reaper
Genre: Metal
Tracks: 11
Länge: 58:08
Medium: CD
Label: Reaper Industryes
Vertrieb: Bandcamp