REVIEW: Purpur (Zahn)
BY Meisenkaiser
Die Barkeeper des Krachs heißen ZAHN und servieren jetzt ihre dritte Kreation: „Purpur“. Wer die Karte im „Purpur“ aufschlägt, sieht auf dem Cover erst mal Trauben und Zitrusfrüchte – ein klassisches Design für eine hippe Großstadt-Bar. Doch der erste Schluck, der Opener „Stroboskop“, ist kein leichter Aperitif. Nach ein paar Sekunden loungiger Keyboardklänge knallt einem der Bass auf den Schädel – so monoton und unerbittlich wie der fünfte Long Island Ice Tea in Folge. Die Mischung ist was anderes als Happy Hour – Elektronik trifft Beton. Die Berliner Crew rund um Chris Breuer, Nic Stockmann und Felix Gebhard hat ihre Getränkekarte für dieses dritte Album entscheidend erweitert. Weit abseits von jeglichem Kitsch mischen sie Elektronika in ihren Mixer, was den instrumentalen Rock-Drinks eine echte geschmackliche Tiefe verleiht. Die Reise führt durch dunkle Metropolen-Straßen, vorbei an bedrohlicher Neonwerbung und düsteren Ecken. Der Sound scheint strukturiert und dennoch spontan: Wie ein vorsätzlicher Vollsuff am Samstagabend, der völlig woanders endet als geplant. Und die Musik bleibt stets präsent, düster und hoffnungsvoll zugleich. Der Rausschmeißer „Butter“ beginnt fast schon zuckersüß alkoholfrei, steigert sich dann aber zu einem knallharten Punsch mit extrem hoher Oktanzahl. Man verlässt den Laden mit dem dringenden Bedürfnis, die Karte direkt nochmal von vorne durchzuprobieren.
Produziert wurde das Ganze von Peter Voigtmann, während Magnus Lindberg am Mastering-Pult für den richtigen Wumms gesorgt hat. Als prominente Gäste am Tresen fungieren Fabian Bremer (Aua) und Kjetil Nernes (Årabrot). ZAHN beweisen hier eindrucksvoll, dass Monotonie mit dem richtigen Groove zur absoluten Delikatesse mutieren kann. Wer es nicht glaubt, kommt am 20. Februar ins Hamburger Betty (Ex-Headcrash) oder am 21. Februar in die Neue Zukunft in Berlin. Dort begleiten egleitet wird dieser akustische Vollrausch von zwei erstklassigen „Aperitifs“: Im Hamburg Noj, die mit neo-nihilistischem Industrial, Post-Punk und feindseligen Basslinien den Abend eröffnen, in Belrin Grin, die zermalmenden Heavy Psych und Sludge aus der Tiefe mit rituellen Drums und hypnotischem Fuzz in die Gläser kippen.
PURPUR
| Band: | Zahn |
| Genre: | Rock |
| Tracks: | 8 |
| Länge: | 36:22 |
| Medium: | CD |
| Label: | Crazysane Records |
| Vertrieb: |



