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REVIEW: Liturgy Of Death (Mayhem)

BY Erik Bosbach


Wenn alte Krieger erneut aufs Schlachtfeld ziehen, wartet man nicht einfach auf Lärm, man erwartet das Verprechen, keine Sekunde Gnade zu kennen. Mit „Liturgy Of Death“ servieren MAYHEM genau das: ein siebtes Studioalbum, das thematisch die Unausweichlichkeit des Todes auslotet und dabei musikalisch zwischen generischer Raserei und bewusst gesetzten Dissonanzen pendelt.

Ein Klanggewitter zwischen Eleganz und Zerfall

Der Opener „Ephemeral Eternity“ schlägt den Bogen weit auf: Nach sakralem Einstieg bricht die Band los, als hätten Maschinengewehrsalven die Stille durchlöchert: scharf, unbarmherzig und doch mit dieser unheimlichen Präsenz, die MAYHEM seit Jahrzehnten definieren. Mich überzeugen vor allem die schnelleren aggressiven Parts. Der Mix aus Tempo und beklemmender Atmosphäre bleibt kein Einzelfall. Es folgen die vorab veröffentlichten Singles „Despair“ und „Weep For Nothing“: „Despair“ nutzt chorale Ansätze, bevor es kraftvoll nach vorne geht, „Weep For Nothing“ wechselt zwischen schnellen Attacken und langsamen, beinahe ritualistischen Passagen und zeigt die Band in ihrem klassischen Element.

Was „Liturgy Of Death“ besonders auszeichnet, ist der durchweg dichte Sound: Lead-Gitarren winden sich wie kalte Schatten über die rhythmische Zerstörung, während Hellhammer die Drums mit Präzision bearbeitet. „Aeon’s End“ oder das starke „Funeral Of Existence“ starten mit fulminanten, fast schon elegisch disharmonischen Leads. Donnerlitchen! Der rasende Anfang einiger Tracks hat etwas beeindruckend Niederringendes und diese dichte Wand brachialer Flächen kann überwältigen! „Realm Of Endless Misery“ zeigt interessantes Bass-Spiel und „Propitious Death“ lässt noch einmal alle Zügel los. In den Midtempo-Parts (wie bei „Weep For Nothing“) wirkt Attila Csihars Gesang wie ein beschwörendes Rezitativ: zwischen Opernbühne und Totenkapelle. Bezüglich des Spannungsbogens macht der Klang des zeremoniellen Erzählers Sinn, ich mag aber lieber den rohen kratzigen Stil.


Vergleich mit bisherigen Meilensteinen

Im Vergleich zu „Daemon“ (2019), dem letzten Studioalbum der Norweger, ist „Liturgy Of Death“ weniger direkte Rückkehr zur rohen Form von „De Mysteriis Dom Sathanas“, sondern eher ein weiter verfeinerter Ausdruck dessen, was MAYHEM seit den späten 90ern ausmacht: komplex, unbarmherzig und voller dunkler Rituale. „Daemon“ war noch ein Stück näher an klassischem, ungefiltertem Black Metal. Tracks wie „The Dying False King“ oder „Malum“ vom Vorgänger funktionieren fast wie moderne Varianten früher Mayhem-Attacken. „Liturgy Of Death“ setzt mehr auf auf Atmosphäre, Dissonanzen und Spannungsbögen, wie in etwa zur schaffensphase „Esoteric Warfare“ und „Ordo Ad Chao“. Dadurch wirkt das neue Werk stellenweise vielschichtiger und abwechslungsreicher. Die erzählerische Wucht von „De Mysteriis Dom Sathanas“ oder die rohe Verzweiflung von „Ordo Ad Chao“ wird nicht ganz erreicht, obwohl das Album genügend markante Details bietet, um es keineswegs zu lang erscheinen zu lassen.

Fazit: Ritual statt Revolution

„Liturgy Of Death“ ist ein Album, das seine Stärken aus der Erfahrung seiner Macher zieht: tightes Zusammenspiel, unbarmherzige Drums, dissonante Gitarrenwände, dazu eine thematische Düsternis, die die Fragilität des Lebens in den Fokus rückt. Weniger ein Meilenstein als vielmehr eine konsequente Weiterentwicklung: solide, durchdacht, aber von Momentschüben dominiert statt von bahnbrechender Innovation. Für Fans norwegischer Black-Metal-Ästhetik bietet „Liturgy Of Death“ reichlich Stoff zum Genießen; für jene, die auf echte Überraschungen warten, könnte es etwas zu sehr in altbekannten Ritualen verharren. Ich persönlich würde Teloch, Necrobutcher und Co. empfehlen die Kompositionen durchweg schnell und hart zu gestalten und weniger Midtempo-Parts einzustreuen und zudem minder auf den zeremoniell erzählendes Gesangsstil zu setzen, sondern auf Attilas aggressiven Keifgesang. It kicks ass! Insgesamt aber ein starkes Album, das MAYHEMs Stellung als Legende eher bestätigt als neu definiert und musikalisch vor allem eines liefert: dunkle, unnachgiebige Energie.







LITURGY OF DEATH

Band: Mayhem
Genre: Black Metal
Tracks: 10
Länge: 58:36
Medium: CD
Label: Century Media
Vertrieb: Sony