REVIEW: The Dragging Poison (Noirsuaire)
BY Meisenkaiser
Da ist wieder eine dieser schönen Geschichten aus dem Black Metal: Denn das NOIRSUAIRE-Debüt entstand, so sagt die Legende, auf einem staubigen Dachboden irgendwo auf der französischen Seite der Pyrenäen. Das düstere und mehr als drei Minuten lange Intro "Thousand Throats Thousand Spears" wäre dann auch der perfekte Soundtrack für den suizidal getriebenen Erhängten. Der Ein-Mann-Projektler N. schwadroniert weiter von Schnee, Eis und Natur, nicht von Grieghallen oder Keller-Kabine. Es predigt die Isolation, nutzt rostiges Equipment und hat Gift im Blut. Und dann kommt eben sowas heraus: ein erbarmungsloses Bekenntnis zum alten französischen Black Metal, roh und völlig unmodern. Der Opener beginnt zwar eher fröhlich, bevor nach 40 Sekunden die Hölle wirklich losbricht. Man muss nicht in den (rechten) Auswüchsen der dortigen Szene graben, um gut zu finden, was hier energisch rumpelt und wozu N. aggromäßig quiek-zischt-wie Micky Mouse beim Amoklauf! Gemischt und gemastert von Sébastien Tuvi (aka BST) in seinen BST-Studios (auch Hell Militia, Sotherion) schmerzt das Album regelrecht: Rattenscharfe Riffs rasieren dir die Unterarme und schlitzen überall Adern auf, die Ohren bluten eh schon. Aber so ganz allein ist N. dann doch nicht: Organist Mildrac macht "Withering Veins" zur mystischen Kirchenliturgie, während BST selbst auf "Fogged By The Leaves OIf Pestilence" toxische Beschwörungen einspuckt – gewidmet dem zu früh verstorbenen Nisse Karlén (Sacramentum). Und die Drums übernahm wie schon bei den Vorgänger-Demos Herr Agravh. Ein bisschen Foklore gibt es auch, inhaltlich geht es um vampirische Gier und altmodischen Satanismus. Wer als die Essenz des Black Metal sucht, ist bei Onkel N. sicherlich richtig, Innovationssucher und Nickelbrillen-Hipster steigen aufs Lastenfahrrad und verpieseln sich. Und zwar so schnell sie können. Und barbieren sich nur noch nass, weil sie Angst vor dem Geräusch des Rasierers haben. Klingt nämlich in etwa so asi wie das schwarze Leichtentuch NOIRSUAIRE. Aber eben auch geil, zumal "Enshrouded In Rabid Repugnance" ein richtig rock’n’rolliger Black-Metal-"Hit" geworden ist.
THE DRAGGING POISON
| Band: | Noirsuaire |
| Genre: | Black Metal |
| Tracks: | 9 |
| Länge: | 35:44 |
| Medium: | CD |
| Label: | Osmose |
| Vertrieb: |



