Review:

Staub und Schatten

(Nachtgeschrei)

Mit „Staub und Schatten“ bringen NACHTGESCHREi ihr fünftes Studioalbum heraus. Für das Septett aus Frankfurt ist es das zweite Album mit Sänger Martin.

Bekanntlich ist es ja so, dass manche Dinge einfach ihre Zeit brauchen. So ist seit „Aus schwärzester Nacht“ ein bisschen Zeit vergangen. Die Band hatte Zeit zu sich zu finden und mit der Situation einen neuen Sänger zu haben besser klar zu kommen. Das Album „Aus Schwärzester Nacht“ war zwar nicht schlecht, aber nach oben war schon noch viel Platz!

 

Nun ja. Das Genre Mittelalter-Rock oder Folk-Metal , oder wie auch immer man es nennen möchte, hat es nicht einfach. Entweder man mag es oder man hasst es. Dazwischen ist eigentlich nichts. Viele können sich mit Drehleier und / oder Dudelsack nicht anfreunden, weil diese Instrumente sehr dominant sind. Außerdem verbindet man mit Mittelalter-Rock immer irgendwie diese komischen Kauze von den Mittelaltermärkten, die Getränke aus Hörnern trinken und seltsame Kleidung tragen. Ja, dieses Genre hat es nicht einfach und dennoch gibt es genügend Anhänger, die diese Musik feiern.

 

NACHTGESCHREI liefern mit „Staub und Schatten“ zwölf Lieder, die man zwar durchaus noch zum Metalalter-Rock zählen kann - Drehleier und Dudelsack hört man einfach heraus - aber schon so rockig sind, dass man nicht flüchten muss, wenn man diese Art von Musik nicht gut leiden kann.

 

Im Gegensatz zum Vorgängeralbum „Aus Schwärzester Nacht“ hat „Staub und Schatten „ weniger diesen Schlager-Soft-Touch, den man auch von UNHEILIG kennt, sondern besitzt eher härtere, deutlich düsterere Klänge. Es scheint so, als hätte die Band sich in einer anderen Richtung weiterentwickelt.

Ebenso wie die Klänge des Albums sind auch die Texte sehr düster, negativ ausgefallen. Man könnte sogar so weit gehen, „Staub und Schatten“ als „böse“ zu bezeichnen.

 

Man findet durchweg extrem kraftvolle Lieder auf „Staub und Schatten“. Zugegeben, bei den ersten Klängen von „Monster“( erstes Lied auf dem Album), denkt man schon sofort „ach, typisch Mittelalter-Musik“, aber sehr schnell wird man eines Besseren belehrt. Meist hat man sehr eingängige Melodien, die aber sehr oft alles andere als typisch Mittelalter-Musik sind. Natürlich, eine (zum Beispiel) Drehleier gibt dieses „typisch Mittelalter“ wieder, aber im Laufe des Albums wird es immer rockiger und es bleibt nur noch sehr wenig davon übrig.

Mit „Lunas Lied“ gibt es eine richtige (Rock-) Ballade auf dem Album. Anfangs denk man, dass das langsamere Lied „Bruder“ auch eine Ballade ist, aber es wird nach den ersten Zeilen schon sehr rockig, kraftvoll und schnell. Generell gibt es mehr Temponummern auf dem Album als langsamere Lieder.

Zu diesen Texten und der eher düsteren Grundstimmung des Albums passt die Stimme des Sängers Martin hervorragend und verstärkt sie noch. Das Gesamtpaket ist ziemlich rund!

 

Sicherlich lässt der Titel des Albums nicht so sehr darauf schließen, dass man ein Album mit extrem positiven, fröhlichen Texten vor sich liegen hat. Bei so einem Titel erwartet man eigentlich schon, dass es düster, negativ und „böse“ ist. Und genau das bekommt man auch! Die Grundstimmung des Albums ist also keine Überraschung. Dieses Vorwegnehmen tut dem Album aber keinen Abbruch!

 

Als Fan von NACHTGESCHREI wird man mit „Staub und Schatten“ keinesfalls enttäuscht. Ganz im Gegenteil, man wird sehr positiv überrascht und ich denke, mit diesem großartigen Werk werden sich eine Reihe neuer Fans dazu finden. Mit „Staub und Schatten“ haben es NACHTGESCHREI geschafft, den Platz nach oben extrem zu verkleinern. Es ist schön, wenn man so eine positive Weiterentwicklung einer Band sehen kann!

Außerdem kreieren NACHTGESCHREI mit „Staub und Schatten“ ein Album was nichtmehr in diese Schiene „Mittelalter-Rock entweder Hasst man oder liebt man - dazwischen gibt es nicht viel“ passt. Man muss das Genre nicht lieben, um diese Album zu mögen und selbst wer das Genre hasst, wird dieses Album wohl trotzdem gut hören können. NACHTGESCHREI haben also nicht nur ein neues Album entworfen, sondern auch einen Zwischenraum zu „entweder man liebt oder hasst Mittelalter-Rock.“ Großartig!

 

Für mich ist Mittelalter-Rock eigentlich Musik, die unbedingt live auf die Bühne gehört. Und NACHTGESCHREI sehen das anscheinend genauso, denn sie werden im Herbst SALTATIO MORTIS auf ihrer Tour als Support begleiten. Wer also noch keine Tickets hat, sollte sich jetzt welche besorgen, denn man bekommt quasi zwei Konzerte für einen Preis!  

Staub und Schatten


Cover - Staub und Schatten Band:

Nachtgeschrei


Genre: Rock
Tracks: 12
Länge: 47:53 (CD)
Label: Oblivion
Vertrieb: SPV