KONZERT: Hanoi Rocks, Adam Bomb - Hamburg, Molotow
BY UNKNOWN
Ohne sie gäbe es weder Glam-Rock noch GUNS´N´ROSES, keine Hair-Crimes, und sollte Pamela Anderson damals trotzdem Tommy Lee geheiratet haben, es hätte wohl niemanden gekratzt. HANOI ROCKS haben den Keim für den Glam Rock gelegt und sind doch selbst finanziell leer ausgegangen, die großen Hits hatten andere. Die Finnen sind nun in der Stadt, alte Punker wisperten es sich schon vor Tagen zu - trotzdem ist der Abend kaum über Insider-Kreise hinaus bekannt und denkbar unorganisiert. Um 19:30 Uhr kommt erst das Ersatz-Schlagzeug für die Vorband ADAM BOMB, bis 20 Uhr soundchecken die Punker aus Amiland. Währenddessen heißt es erst, es gäbe weder Gästelistenplätze noch Interview, dann wieder doch, letztendlich kommen wir hinein, aber ohne Interview, besonders Sänger Michael Monroe ist krank. ADAM BOMB haben inzwischen gespielt - und wir nach Aussage der finnischen Crew nix verpaßt.
Und dann stehen sie da: Andy McCoy soll sich seit Tagen von Alkohol und Zigaretten ernähren - besser als seine frühere "Ernährung" mit der Spritze - und sieht aus wie eine dürre Krähe, doch HANOI ROCKS explodieren auf der Bühne vom ersten Takt an. Der erste Song wird gleich in ein Medley mit "No Future" vermatscht, Michael Monroe sieht aus wie Goldie Hawn, mit blondem Vokuhila, viel zu großem Mund und geweiteten Augen, die fast herauszukullern drohen. Die kleine Bühne ist für diese Kosmopoliten viel zu klein, im hinteren Bereich des Zuschauer-Raumes ist eine Bar - und schon ist Michael Monroe hochgeklettert. Er post. Er trippelt. Er reißt unglaubliche Grimassen. Er guckt jedem einzelnen Besucher in die Augen, animiert zum Mitgehen. Das Publikum geht mit, oft wortlos, denn die Exil-Finnin hinter dem Tresen kennt doch die Texte besser als jeder Kunde davor. Und verläßt den Bartresen wieder. Zu "Don´t You Ever Leave" hüllt er sich in Glitzermantel und Federboa, einen Glitzerhut auf dem Kopf - und stattet der Bar-Bühne die inzwischen bestimmt dritte oder vierte Visite ab. Allein die Alleinunterhalter-Show des Michael Monroe hat jetzt schon das Kommen gelohnt, der Multiinstrumentalist spielt Saxophon und Mundharmonika, veranstaltet Lap-Dance auf benanntem Bar-Tresen, überzieht die erste Reihe vor der "richtigen" Bühne mit seinen Körpersäften und läuft und läuft und läuft. Und das kann er wahrscheinlich nur, weil Andy, Michael und ihre derzeitige Backing-Band kongenial funktionieren. Andy spielt Gitarre wie ein junger Gott, bekommt auch die aberwitzigsten Einsätze, selbst, wenn er bis eben noch über seinen Sidekick geschmunzelt hat. Der Schlagzeuger hat die Grippe und kann nicht einmal schmerzfrei atmen, ist aber der Motor dieser verrückten Maschine im viel zu kleinen Club. Gitarrist Conny Bloom ist vielleicht halb so alt wie seine Bandleader und sieht mit seinen Dreads aus wie frisch dem Fluch der Karibik entkommen. Nach einer doppelt so schnellen Version von GOLDEN EARRINGs "Radar Love" ist Schluss - und die Anwesenden sind mit Recht neugierig drauf, was die Band womöglich auf einer großen Bühne anstellen könnte. Bisher das beste und schrägste Konzert des Jahres.
Setlist (ohne Gewähr):
Obscured
Delirious
High School
Day Late
I Can´t Get It
Malibu Beach
Bad News
Don´t You Ever Leave
People Like Me
Café Avenue
Oriental Beat
Tragedy
Up Around The Bend
--
Radar Love



