KONZERT: Marillion - Frankfurt, Jahrhunderthalle (Marillion)

BY Michael Berghammer





Konzert vom 07.07.2026

MARILLION waren seit einigen Jahren nicht mehr auf großer Tour, das wird nun nachgeholt. Sie begeben sich 2026 von Juli bis weit in den November hinein auf Europareise. Die Frankfurter Jahrhunderthalle steht an dritter Stelle im Tourkalender. Die immer gut organisierte Location ist nahezu ausverkauft, das Parkett vor der Bühne ist ordentlich gefüllt mit stehendem Publikum, auf den Hochparkett/Balkon gibt es noch einige wenige Sitzplätze. MARILLION kommen ohne Vorband, und ihr letztes Studioalbum ist auch schon 4 Jahre alt, somit spricht das für die Gravitation der britischen Prog-Rock-Veteranen.
 
Das stimmungsvoll eingeleitete „Splintering Heart“ markiert den Beginn des Gigs. Die Bühne ist farbenprächtig und atmosphärisch ausgeleuchtet, der Klang fast schon unglaubwürdig perfekt. Einzig Sänger Steve Hogarth benötigt zwei Nummern, um seiner Stimme die volle Kraft und Blüte zu geben. Dafür strahlt er von Beginn an, er unterstreicht mit ausladenden Gesten seine Darbietung, lächelt viel und klatscht immer mal wieder dankend dem Frankfurter Publikum. Sympathisch und nahbar sind als Terminus nicht ausreichend für seine warme und seelenvolle Performance. Auch stimmlich, nach leichten Mängeln zu Beginn, meistert er die 2,5h mit Bravour.
 
„Easter“, als dritter Song, ist einer der vielen Höhepunkte, aber im eigentlichen Sinn hält sich die Stimmung durchweg auf hohem Niveau. Es macht keinen Unterschied, welche Nummer geboten wird, das Frankfurter Publikum saugt jede Note auf und quittiert sie am Ende mit ausgiebigem Applaus.  Ein Schreckmoment bei „Easter“: Sänger Steve fällt in den Fotograben, als er auf eine Bühnenbox steigen will, singt aber weiter und scheint sich zum Glück nicht verletzt zu haben. Zu den Drums von Ian Mosley, gibt es noch ein Percussions-Kit, das ähnlich einem Schlagzeug zusätzlich für Rhythmus und Klangfarben zuständig ist und von Andy Gangadeen wunderbar bedient wird. Jedes Instrument findet gleichberechtigt Platz in der Show und ist heraushörbar. Keyboarder Mark Kelly und Gitarrist Steve Rothery dürfen aber darüber hinaus extra glänzen und zeigen sich in Topform sowie makellos in ihrer Darbietung.
 
Es werden insgesamt 20 Nummern aus 10 verschiedenen Alben geboten. „Lucky Man“ ist in Frankfurt das Tourdebüt, die meisten Songs (5) stammen von der aktuellen Scheibe, jeweils drei von „Brave“ und „Clutching at Staws“. Diese beiden Alben werden getrennt in zwei Zugabeblöcken passenderweise zusammenhängend gespielt, davon ist dem „Brave“-Album der Schlussakkord vorbehalten. Es ist ein großer Genuss, diese tollen Songs in solcher Qualität geboten zu bekommen. MARILLION performen ein zweieinhalbstündiges Progressive Rock-Erlebnis voller Tiefgang und Leidenschaft, mit brillanten Musikern. Das war pur und intensiv, man hat weder Videoleinwände, noch Vorband, weder Rauch, noch Funkenschlag vermisst.

Text:   Marco Berghammer
Fotos: Michael Berghammer