KONZERT: Inhuman Condition, Facebreaker, Ashen Tomb, Yardfield Colony – Hamburg, Bambi Galore (Facebreaker)

BY Meisenkaiser





Konzert vom 12.06.2026

Grand Prix Eurovision de la Death Metal! Die USA, Schweden, Finnland und Deutschland schicken ihre Vertreter in die freie Hansestadt Hamburg. Olympia bekommt die Stadt zwar nicht, aber dieser kulturelle Musikwettstreit ist definitiv nicht von Pappe. INHUMAN CONDITION, FACEBREAKER, ASHEN TOMB und YARDFIELD COLONY reisen an und nehmen den Billstedter Klub Bambi Galore nach allen Regeln der Kunst auseinander. Da braucht es keine Barbara Schöneberger, keine platten Witze und keine drall gefüllten Paillettenkleider – hier regieren roher Death Metal, speckige Kutten und schwarze Shirts. Viele Fans mögen diese Veranstaltungen mit fünf oder mehr Bands an einem Abend eher weniger. Dennoch ist die Absage von DISCREATION extrem schade. Soviel vorweg: Die vier verbleibenden Kapellen des Todesmetalls springen kompetent und radikal in die Bresche.

Deutschland: YARDFIELD COLONY (Viele Punkte!)
Eine echte Überraschung sind die Jungs aus der erzgebirgischen Hofackersiedlung. YARDFIELD COLONY haben ihr Hauptquartier inzwischen in Dresden aufgeschlagen. Sechs Stunden Fahrt hat die Anreise in die Hansestadt gedauert – und sie sind zum ersten Mal hier. Aber das tut gar nicht weh: Die Sachsen sind mitnichten eine Schülerband, sondern verfügen über jede Menge Erfahrung. Das merkt man ihnen auch an. Hier sind keine jungen Dachse am Werk, hier wird keine Band verheizt. Das Publikum ist von Sekunde eins an voll da und folgt dem Prediger auf seiner eigens mitgebrachten Kanzel. Der sympathische Frontmann dirigiert die Menge mit großen Gesten und tiefen Grunzern. Ihr modernerer Death Metal (jedenfalls der neumodischste des Abends) schaut immer wieder mal über die Genregrenzen Richtung Thrash und Metalcore, übertreibt es aber nie mit den Grenzverletzungen. Selbst die recht vielen, gar nicht mal kurzen Soli nerven zu keinem Zeitpunkt. Die Ansage „Mal was fürs Discopublikum“ vor dem Song „Depersonalized“ ist natürlich maßlos geflunkert, ansonsten wirken YARDFIELD COLONY aber extrem authentisch. Genau wie die Begeisterung vor und auf der Bühne – ein absolut cooler Auftakt!

Finnland: ASHEN TOMB (Monia pisteitä!)
Den Preis für die absolute Coolness sackt Finnland ein. Das ist eigentlich sowieso klar, aber dass ASHEN TOMB überhaupt mit ihrem verbeulten Tourbus in Hamburg ankommen, gleicht einem kleinen Wunder. Vielleicht hat der Pannengott aber auch einfach Angst vor den Helsinkianern. Frei nach dem Motto der Blues Brothers: „Es sind 1184 Meilen bis Hamburg, wir haben genug Benzin im Tank, ein half Päckchen Zigaretten, es ist dunkel und wir tragen Sonnenbrillen!“ Die Lonkero-Trinker werfen sich in ihre Patronengurte und hauen den Gästen die Songs so kompromisslos um die Ohren, dass manch einer verzweifelt die Klobürste sucht, um standesgemäß in den Pit zu starten. Ihr Death Metal kratzt immer wieder an der Trennlinie zum Grindcore. Es gibt selten ein Lächeln und kaum ein überflüssiges Wort – nur Krawall und Bösartigkeit. Der Doppelpack aus „Body Bag“ und „Ancient Tombs“ schraubt nochmals fies an den Köpfen der Zuschauer, die erst anschließend das Weite suchen, um zumindest ein bisschen frische Luft zu schnappen und sich für den nächsten wüsten Ritt fit zu machen.

Schweden: FACEBREAKER (Många poäng!)
Denn jetzt sind FACEBREAKER wieder da! Seit 2013 gibt es kein Studiolebenszeichen mehr von ihnen, und der Nachfolger zu „Dedicated to the Flesh“ lässt weiter auf sich warten. Aber der neue Sänger Jocke (auch bei Farsoth) verrät bereits, dass die neue Platte in Vorbereitung ist und der Backkatalog via Soulseller als Re-Release erscheint. Wie zum Beleg bollern die Schweden direkt den neuen Song „Volcanoes of Gore“ in die unerschütterliche Meute. Trotz der neuen Fünferbesetzung verteilen FACEBREAKER liebevolle Backpfeifen des Oldschool-Death-Metal – quer durch die Bandgeschichte von „Dead Rotten and Hungry“ bis „Walking Dead“. Nach „Zombie Flesh Cult“ das vermeintliche Ende anzukündigen, um dann mit zwei weiteren Songs an den Zuschauerbirnen zu schütteln, ist ein ebenso einfacher wie genialer Schachzug. Rummsbumms. Alter! Was für ein Groove, der in gewissen Momenten an der glorreichen Bolt-Thrower-Magie rüttelt. Dazu ein absoluter Gentleman am Bass, pure Souveränität auf der Bühne und blanke Begeisterung davor.

USA: INHUMAN CONDITION (Many points!)
Und dann kommen die Amis aus Florida mit ihrer Galionsfigur Jeramie Kling (in Fachkreisen auch „Else“ genannt). INHUMAN CONDITION wirken wie die Suicidal Tendencies des Todesmetalls. Kling redet wie Campino ohne Punkt und Komma, was für den totalen Kontrast zu den unterkühlten Skandinaviern sorgt – er ist dabei aber kein Stück unsympathischer. Die Floridianer präsentieren sich fröhlich motiviert, recyceln allen Hass dieser Welt und machen selbst vor einem knackigen Cannibal-Corpse-Cover („A Skull Full of Maggots“) nicht halt. Sie ballern sich bis kurz vor Mitternacht durch ihr Set, bevor sie die Bühne endgültig verlassen.

Fazit: Es gibt nur Gewinner!
Junge, Junge, was für ein Abend! Wo der echte Song Contest mit Pomp und Plastik daherkommt, besticht dieser Abend mit ehrlichem Schweiß und handgemachtem Death Metal, der Herz und Hirn berührt – und dir gleichzeitig mit dem Hammer in die Magenkuhle kloppt, um dir die Fresse zu polieren. Keine Ahnung, wer hier am Ende den offiziellen Sieg verdient hat. Den Pokal der guten Laune nehmen auf jeden Fall die zahlreichen Fans mit nach Hause – Weiblein wie Männlein, jung und alt, vereint im gut gefüllten Kellergewölbe. Danke!