KONZERT: ARROGANZ, DEHUMAN REIGN, DEMORED – Hamburg, Bami Galore (ARROGANZ)
BY Meisenkaiser

Konzert vom 23.05.2026
30 Grad im Schatten, der Samstag vor Pfingsten brennt unbarmherzig. Während sich die Normalos auf Schanzenfesten die Kante geben oder beim Hamburger Pokalfinale rumlungern, zieht es die Hardwurstfraktion magisch in die Betonwüste von Billstedt. Das Ziel: Der staubige OP-Saal des Bambi Galore. Auf dem Behandlungsplan steht eine ordentliche Dosis Death, Metal, Morbid, Doom und Punk. Einmal die volle Dröhnung Intensivstation, bitte! Mit ARROGANZ, DEHUMAN REIGN, DEMORED!
Die beiden Headliner reisten übrigens direkt von der Ostsee an – nach einer U-Boot-Visite wurden die bleichen Alabasterkörper noch kurz im salzigen Nass desinfiziert. Aber Schluss mit Wellness, ab an die Instrumente.
Patient 1: DEMORED – Medizin-Erstsemester im Scheinwerferlicht! Den Anfang machten die Jungs aus Braunschweig – und die schauten erst mal drein, als hätte man ihnen ohne Betäubung den Blinddarm entfernt. Kein Wunder: Die Deckenlampe auf der Bühne war so brutal hell, dass jeder Chirurg bei einer Not-OP vor Neid erblasst wäre. Die Niedersachsen fühlten sich sichtlich wie Versuchskaninchen im ersten Semester Anatomie. Dazu kam ein fieser Tumor im Soundsystem. Irgendwas fiepte und kratzte im Hintergrund – eine obduzierte Leiche war zwar nicht hinter der Bühne versteckt, aber der Soundteufel steckte im Detail. Die anwesenden Metal-Eleven im Publikum ließen sich die Laune trotzdem nicht vermiesen. Die kompakten Riff-Injektionen wie „Rest In Pieces“, „Reaping“ oder die Titeltracks ihrer Full-Length-Alben „Well of Liquid Souls“ und „Sickening Dreams“ gingen direkt ins Rückenmark. Zustand stabilisiert!
Patient 2: DEHUMAN REIGN – die Chefärzte an den Sägen! Wo DEMORED noch wie Studenten wirkten, übernahmen mit den Berlinern die Vorzeige-Chirurgen das Skalpell. Vergesst die Charité – diese Jungs kommen aus der Eliteklasse der Marke Morbid Angel und Deicide. Auf der rappelvollen Bühne bewiesen sie an ihren schier winzigen Gitarren absolute Feinmotorik. Da wurde den Schaulustigen mit chirurgischer Präzision und jeder Menge Verve das Gehör aufgeschlitzt. Kleine Instrumente, verheerende Wirkung – wie am echten OP-Tisch! Damit das Ganze nicht zur trockenen Lehrveranstaltung mutierte, drehten die Jungs beim Stageacting völlig durch: An den Sägen sezierten Ulf und Tesk die Riffs im Akkord. Basser Rouven – ein absolutes Tier. Vor seinem peitschenden Zopf musste sich selbst die dritte Reihe im Publikum per Sicherheitsabstand schützen. Chefarzt am Mikro: Alex dozierte mit frischen Ansagen und einer Mörderstimme. Ein Arzt, dem die Metaller blind vertrauen!
Nach Hits wie „Cursed to Feed on Flesh“ und dem finalen „Inclusio Fetalis“ war erst mal kollektives Luftschnappen angesagt. Der Leichenkeller kühlte langsam ab, während sich draußen die Metal-Brut mit den Besuchern eines Drag-Queen-Events mischte. Bunte, gut gelaunte Menschen, die gemeinsam für Frischluft sorgten. Herrlich!
Patient 3: ARROGANZ – Der fiese Zahnarzt ohne Betäubung! Wer jetzt dachte, der Chefarzt bringt die Heilung, hat die Rechnung ohne die Brandenburger gemacht. Die drei Jungs verbreiten nämlich so gar keine gute Laune. Sie sind nicht der feingeistige Onkel Doktor, sondern der fiese Zahnarzt, der den Bohrer ohne Vorwarnung direkt auf den freiliegenden Nerv ansetzt. Mit dem Stinkefinger gegen Nazis und knallharten Hymnen der Stilvielfalt untermauerten sie ihr aktuelles Brett „Death Doom Punks“. Obwohl die Halle kochend heiß und die Meute müde war: Die Schulklasse Bambi folgte Professor K. nicht mit Staunen. Bei Krachern wie „Die For Nothing?“ hieß es nur: Circle-Pit bis zum bitteren Ende!
Gegen null Uhr blickte man in unzählige verschwitzte, aber glückliche Gesichter. Die bittere, aber geile Erkenntnis des Abends: Wenn eine Band das Erbe von Totenmond antreten kann, dann sind das die drei Männer von ARROGANZ. Operation gelungen, Patienten leben (gerade so). Was will man mehr?

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