KONZERT: GLUTTONY, CADAVEROUS STENCH, DEFACED HUMANITY - Berlin, Insel (Gluttony)

BY Meisenkaiser





Konzert vom 18.05.2026

Wo die Geschichte atmet und die Kettensägen krachen: Wer sagt eigentlich, dass Death Metal immer in verrauchten, düsteren Kellern stattfinden muss? Manchmal reicht ein Blick in die Berliner Stadtgeschichte, um zu merken, dass die skurrilsten Kontraste die besten Abende liefern. Der Ausflug führte in den Treptower Park, genauer gesagt auf die geschichtsträchtige Insel der Jugend.

Um zu verstehen, wo wir hier eigentlich gelandet sind, spulen wir kurz zurück: In den 1950ern ein Mädchenwohnheim, in den 70ern Tanzabende auf dem Schleppkahn, und ab 1984 die Wiege des legendären Jugendclubs Pablo Neruda (von den Einheimischen einfach nur „INSEL“ genannt). Damals regierten hier Schwarzlicht, Stroboskope, Disko-Feeling und Rockkonzerte. Heute betreibt die Location der Verein Kulturalarm e. V.. Das Ergebnis? Frisch gestrichene, helle Wände, Laminat und eine strikte Lärmbegrenzung von maximal 75 dB wegen der direkten Nachbarschaft zum immer noch aktiven Mädchenwohnheim – sagt jedenfalls Wikipedia. Klingt erst mal nach dem ultimativen Albtraum für jeden Headbanger, oder? Falsch gedacht. Denn genau dieser Abend der Gegensätze sollte sich als absoluter Volltreffer entpuppen.

Den Anfang machten DEFACED HUMANITY. Die Jungs lieferten feinsten Oldschool-Grindcore-Ausflüge inklusive amtlichen Pig-Screams. Großartig skurril: Die Ansagen im charmanten „Bibo-Stil“, die so gar nicht zu dem fiesen Geknüppel passen wollten. Old-School, „Judgement“, ihr wisst schon. Direkt danach walzten CADAVEROUS STENCH los und hielten das Energielevel im gut gefüllten Clubraum verdammt weit oben, während die Köpfe aller zum Bangen nach unten gingen.

Und dann der schwedische Haupt-Act: Als GLUTTONY aus Sundsvall die Bühne betraten, stellte Fronter Magnus erst mal klar, wie man sich beim Berliner Publikum einschmeichelt: „Ein Montag in Berlin ist besser als jeder Wochentag in Schweden!“ Symphoniepunkte abgeholt, und dann donnerten die Nordmänner los, ließen ihre Warmmacher wie Schuljungen aussehen. Und wie! Die Skandinavier zombifizierten sich durch ein Set, das es absolut in sich hatte. Der Kontrast war pure Magie: Auf der einen Seite das freundliche Interieur, die verbliebene Diskokugel und pinkrote Sprenkel an der Wand – auf der anderen Seite verrottete Hymnen des Todes.  Obwohl die Gitarristen optisch eher an eine Horrorpunk-Band erinnerten, kreierten sie genau diesen einmaligen, legendären HM2-Säge-Sound, den so verdammt noch mal nur die Schweden beherrschen. Dass der Sound trotz der angeblichen Lärmbegrenzung so unglaublich fett, drückend und dreckig rüberkam, grenzt an ein kleines Tontechniker-Wunder. Hinten an den Kesseln gab Trommler John der Chose den nötigen Druck und glänzte dabei mit einer Performance, die stark an das Tier aus der Sesamstraße erinnerte. Ein absoluter Augenschmaus. Eine tolle Band, die FDA da am Start hat.

Was bleibt hängen? Ein Abend, der bewiesen hat, dass Underground-Metal keine Klischees braucht, um zu funktionieren. Die Insel der Jugend ist und bleibt eine absolute Perle in der Berliner Location-Landschaft – geschichtsträchtig, idyllisch gelegen und an diesem Abend die perfekte Kulisse (auch dank knapp 100 Fans) für ein schwedisch-deutsches Abrisskommando. Wer nicht da war, hat definitiv was verpasst! Genauso wie manch eine(r) die ersten Songs der Openers, denn der auf Karte vermerkte Beginn von 20 Uhr war plötzlich eine halbe Stunde früher. (PS: Fotos vom Handy)



Setlist GLUTTONY
Immured by Rotting Corpses
Awoken in Autopsy
Beyond the Veil of Flesh
Cult of the Unborn
All These Trees Are Gallows
Eulogy to Blasphemy
The Pallid Mask
Hung From Entrails
The Revenant

Setlist CADAVEROUS STENCH
Tiptoe Through the Tulips (Tiny Tim song)
Incestology
Addicted...
Spared to Suffer
Stabbed...
Cadaverous Stench (mit altem Sänger)
Rotten...
Postmortem...
Sadistic Possesion
Sickness Unleashed