KONZERT: HYPOCRISY; ABBATH; VOMITORY; VREID - Köln, Essigfabrik (Hypocrisy)
BY Erik Bosbach

Konzert vom 23.04.2026
Mit der „Mass Hallucination Tour 2026“ kehren HYPOCRISY einmal mehr auf die Bühnen der Republik zurück und unterstreichen ihren anhaltenden Stellenwert innerhalb der Metal-Szene. Seit über drei Jahrzehnten zählt die Band zu den prägenden Größen des schwedischen Death Metal. Maßgeblich verantwortlich dafür ist PETER TÄGTGREN, der mit seinem Abyss Studio den Sound unzähliger Genre-Veröffentlichungen prägte, mit PAIN eine eigenständige, elektronisch geprägte Spielart etablierte und mit LINDEMANN auch weit über die Szene hinaus Aufmerksamkeit erzeugte.
Am 23. April 2026 macht die Tour Halt in der gut gefüllten Essigfabrik in Köln. Das Band-Package ist hochkarätig besetzt: Neben HYPOCRISY stehen ABBATH, VOMITORY und VREID auf dem Billing.
Parkplatzsuche statt VREID
Der Abend beginnt für mich weniger mit Blastbeats als mit der Realität der Kölner Infrastruktur: Während VREID um 18:50 Uhr den Abend eröffnen, kämpfe ich noch mit der Parkplatzsituation auf der Schäl Sick rund um die Essigfabrik.
VOMITORY: Death Metal ohne Schnörkel
Kurz nachdem ich die Halle erreiche, startet „Revelation Nausea“ und VOMITORY walzen durch ihr Set, und zwar genau so, wie man es erwartet: kompromisslos, direkt und ohne Firlefanz. Gitarrist und Bassist wirken wie aus dem Lehrbuch für schwedischen Death Metal geschnitzt: lange Haare, groß und breitschultrig, entschlossene Mienen, die Bierdose kurz beiseite gestellt und keinerlei Ambitionen, das Rad neu zu erfinden. Stattdessen: Druck. Präzision. Und diese wunderbar stumpfe, ehrliche Gewalt.
ABBATH: Zwischen Kultfigur und Karikatur
Während der Umbaupause wird der ikonische Schriftzug von ABBATH auf der Bühne zusammengeklöppelt. Gegen 20:20 Uhr betritt ABBATH die Bühne und wird frenetisch empfangen. Spätestens jetzt steht die Essigfabrik Kopf. ABBATH liefert, und zwar mit sichtbarer Spielfreude. Neben eigenem Material der aktuellen Schaffensphase („To War“, „Acid Haze“ …) gibt es auch Klassiker aus seiner Zeit bei IMMORTAL: „In My Kingdom Cold“ und „Tyrants“ sorgen für entsprechend euphorische Reaktionen. Das Premium-Material vom Album „Sons of Northern Darkness“ entfaltet live eine enorme Wucht: energetisch nordische Klangkunst!
Und trotzdem bleibt ein kleiner, persönlicher Gedanke: Ich habe IMMORTAL und ABBATH (bürgerlicher Name: Olve Eikemo) über viele Jahre verfolgt und seine selbstironische Art und das sympathische Augenzwinkern (ein zwei zu besoffene Auftritte lassen wir außen vor) immer geschätzt. Heute wirkt diese Pose stellenweise fast etwas überzeichnet: stetes Grimassieren, die Zunge wird bei jedem Track länger, das Spiel mit dem eigenen Image. Ist das noch augenzwinkernder Kullt oder schon eine leicht überdrehte Selbstparodie mit Hang zur Clownerie? Vielleicht ein unfairer Gedanke, denn es ist ein guter Auftritt. Mit „Winterbane“ beschließt die Truppe das Set.
HYPOCRISY: Melodische Gewalt in Perfektion
Mit HYPOCRISY betritt schließlich der Headliner die Bühne und setzt direkt ein klares Statement. Die Produktion ist für Death Metal-Verhältnisse erstaunlich aufwendig: Licht, Visuals und Sound greifen ineinander und schaffen eine dichte, fast cineastische Atmosphäre. Nebel Fontänen schießen empor. Die Setlist ist ein Querschnitt durch die Bandgeschichte: „Killing Art“, „Inferior Devoties“, „Fire in the Sky“, „End of Disclosure“… Gerade Songs wie „Eraser“ oder „Adjusting the Sun“ sind absolute Live-Granaten: präzise, druckvoll und mit dieser typischen Mischung aus Melodie und Brutalität, die HYPOCRISY seit Jahrzehnten auszeichnet. Mucke, die die Boxen meines Autoradios über Jahrzehnte zum Vibrieren brachten.
Der Zugabenblock startet standesgemäß mit „Fractured Millennium“ und endet mit „Roswell 47“. Ein perfekter Abschluss für einen Abend. Die „Mass Hallucination Tour 2026“ erweist sich in Köln als das, was sie sein soll: ein kompromissloses Paket aus Szene-Größen, das Generationen des Extreme Metal zusammenbringt.
VOMITORY liefern die Basis, ABBATH sorgt für Spektakel und Nostalgie und HYPOCRISY zeigen eindrucksvoll, warum sie auch nach über 30 Jahren noch zu den relevantesten Bands ihres Genres gehören.
Zeit für ein letztes Früh Kölsch an einem schönen Frühjahrsabend.
Und Zeit für PETER TÄGTGREN, mit dem Ufo in die nächste Stadt zu verschwinden.
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