KONZERT: KREATOR; CARCASS; EXODUS; NAILS - Frankfurt, Jahrhunderthalle (KREATOR)

BY Michael Berghammer





Konzert vom 05.04.2026

Es ist noch gar nicht so lange her, dass ich KREATOR an gleicher Stelle habe bewundern dürfen. Damals war die Jahrhunderthalle zu Frankfurt aber noch einen Tacken besser gefüllt. Was jedoch weniger an der prinzipiellen Popularität von KREATOR liegt, sondern sowohl eher dem Ostersonntags-Termin geschuldet sein dürfte, als auch der Tatsache, dass beim letzten Mal mit ANTHRAX und TESTAMENT das etwas zugkräftigere Beiprogramm am Start war.

Der heutige Abend startet mit NAILS aus Kalifornien. Deren weitestgehend melodiebefreiter Mix aus Death Metal und Crust geht recht gut ins Bein, allerdings weniger ins Ohr. Man klopft zwar kompetent drauflos und in den besten Momenten fühle ich mich an ganz frühe DISMEMBER erinnert, jedoch wirklich nachhaltiges ist da für mich nicht dabei. Dennoch kommt in den etwas mehr als 30 Minuten durchaus Bewegung im Publikum auf und man macht sich schon etwas warm für die Dinge, die da noch kommen werden.

Eines dieser Dinge sind die Thrash Metal Legenden EXODUS. Deren aktuelles Album „Goliath“ stößt nicht überall auf ungeteilte Begeisterung und so bleiben die Reaktionen, als man mit „3111“ startet, auch erst einmal verhalten. Dies ändert sich, als an zweiter Stelle „Bonded By Blood“ ertönt. Es bilden sich erste Circle Pits und die Menge grölt den Refrain lauthals mit. Die Band selbst ist technisch über jeden Zweifel erhaben und schrotet sich kompetent durch ihren Set. Im Vergleich mit dem letztjährigen Abriss auf dem Rock Hard ist mir das heute allerdings ein bisschen zu zurückhaltend. Das können die älteren Herren definitiv anders. Leider ist auch Wiederkehrer Rob Dukes immer noch etwas blass. Besonders im Vergleich mit seinen Vorgängern. Das soll jedoch nicht in einen Verriss ausarten, denn spätestens im letzten Drittel der Show, wenn das Biest zum Schlag ausholt und uns mit einem giftigen Waltzer eine Lektion in Gewalt erteilt, ist die Thrash-Welt wieder in Ordnung und auch der steife Hals des Rezensenten beginnt wohlig an zu zucken.

Dann ist die nächste Legende an der Reihe und ich muss gestehen, dass ich mich nie eingehend mit CARCASS beschäftigt habe. Wie sich nun herausstellt, ein echter Fehler. Der Mix aus Grind und Melodic Death Metal begeistert mit feinem Riffing und einem Gespür für tolle Songs und das, ohne an Härte zu verlieren. Soweit ich das halbwegs überblicken kann, bietet man einen guten Überblick über die gesamte Bandhistorie, wobei der Schwerpunkt auf dem ‘93er Album „Heartwork“ liegt. Sänger und Bassist Jeff Walker leitet sehr souverän und sympathisch durch den Abend. Besonders die geschmackvolle Gitarrenarbeit bildet die Brücke zum heutigen Headliner, welcher zwar komplett anders klingt, auf ähnliche Art und Weise allerdings tolle Melodien in extremes Songmaterial schmuggelt. Das Publikum sieht es gleich und feiert CARCASS nach allen Regeln der Kunst ab. Das Finale kann daher kommen.

KREATOR sind nicht erst seit gestern in der Champions League des Thrash Metal angekommen und so heißt es auch heute „kleckern statt glotzen“. Neben tollem Licht und einer Unmenge an Pyros, gibt es auch einen imposanten Bühnenaufbau zu bestaunen. Ventors Schlagzeug ist umrahmt von überdimensionalen Hörnern und über ihm schwebt ein riesiger KREATOR Dämonenkopf. Das ganze Bühnenbild mutet an wie der neunte Kreis der Hölle aus Dantes „Göttlicher Komödie“. Auch wenn KREATOR die 90er nahezu komplett auslassen, bietet die internationale Truppe um Mille und Drummer Ventor einen guten Überblick über die 40-jährige Karriere. Das neue Album „Krushers Of The World“ findet sich dabei mit 5 Songs sehr prominent gefeatured. Abgesehen davon, ist es der Abend der „Titelsongs“: Mit „Endless Pain“, „Pleasure To Kill“, „Enemy Of God“, „Violent Revolution“, „Phantom Antichrist“, „Hordes Of Chaos“, „Hate Über Alles“ und natürlich „Krushers Of The World“, finden sich gleich 8 Songs im Set, die den jeweiligen Alben ihren Namen gaben. Bei „Loyal To The Grave“ übernimmt Bassist Frédéric Milles Gitarre und der Chef posiert mit schwarzen Flügeln als eine Art Todesengel. „Tränenpalast“ wird, wie schon auf dem Album, mit Unterstützung von Britta Görtz dargeboten, welche die Bühne sofort für sich einnimmt und die Halle zum Kochen bringt.

KREATOR 2026 sind mehr als reiner Thrash Metal. Das ist extreme Musik im Stadionrock-Look. Man ist den Clubs schon lange entwachsen und beweist, dass man sich auch im Thrash entwickeln kann, ohne sich zu sehr anbiedern zu müssen. Wir sind auch beim nächsten Mal gerne wieder dabei, wenn es heißt: „“Hail Tio The Hordes“.


Text:   Fabian Zeitlinger
Fotos: Michael Berghammer