KONZERT: Rock meets Classic - Frankfurt, Jahrhunderthalle (Europe)

BY Marco Berghammer





Konzert vom 07.04.2026

ROCK MEETS CLASSIC zieht heuer seine vermeintlich letzte Runde, und wir sind in der Frankfurter Jahrhunderthalle mit dabei, die so gut wie ausverkauft scheint. Die Idee, dieses wunderbare Konzept zu beenden, finde ich bedauerlich. Auch wenn RMC seit 1993 schon on Tour ist (mit kleinen Unterbrechungen) und bereits auf dem ROCK OF AGES und WACKEN Headliner war. Nein, ich meine, dass es jetzt auch ganz in der Tiefe, in die letzte Verästelung vorgedrungen ist, die Rockgemeinde substanziell erreicht hat und sich fest im Konzertkalender etabliert hat. Diese großartige Verschmelzung von gediegenem Konzertabend, etwas gemütlicher als sonst, mit Streichern und Gitarre, dazu die must haves der Rock–Hits, oft vorgetragen von den prägenden Künstlern dieser Songs, sollte nicht zu Ende gehen.

Den Start markieren, wie vergangenes Jahr, die hochkarätig besetzte RMC-Band und das Orchester. „Paranoid“ wird zum besten gegeben und lässt gleich zu Beginn etwas Wehmut aufkommen (R.I.P. OZZY). Dieses Gefühl wird aufgefangen und weitertransportiert mit Ronnie Atkins, dessen bekannte Erkrankung immer ein wenig mit auf der Bühne steht. „Future World“ seiner Band PRETTY MAIDS wird unfassbar kraftvoll vorgetragen von einem fidel und lebensfroh wirkenden Künstler; das macht Hoffnung, dass dieser Sänger der Rock-Gemeinde noch Jahrzehnte erhalten bleiben könnte. Der jetzige MANFRED MANN Sänger Robert Hart folgt mit „Davy's on the Road again“. Robert präsentiert sich als Gentleman im Streifenanzug und bleibt uns ab da auch als „Moderator“ der auftretenden Künstler erhalten. Das Bühnenbild mit Leinwänden, atmosphärischen Videos und starker Lightshow ist großartig. ERIC MARTIN von MR. BIG war bereits 2015 mit dabei, er ist heute Abend der einzige amerikanische Künstler im Billing. Eric punktet mit Lässigkeit, natürlich dazu mit Welthits wie „Wild World“ und „To be with You“, wobei ich gerade das coole, wie auch leicht dramatische „Take Cover“ besonders gelungen finde. TARAJA macht uns optisch die Eiskönigin -  und das im Frühling. Das unverzichtbare „Nemo“ von NIGHTWISH wird dann doch heißblütig und voller Elan vorgetragen, aber das um einiges emotionalere „I walk Alone“ fährt direkter unter die Haut. Die Sängerin ist gut bei Stimme und auch die leidenschaftliche und zutiefst sympathische Performance begeistern. Das Publikum in Frankfurt genießt den Abend. Immer mal wieder stehen vereinzelt Zuschauer auf und stecken so weitere an. Stehender und Szenenapplaus, all das eint die Halle. Michael Schenker wird seinem Namen gerecht und beschenkt das Publikum mit vier UFO-Songs, die von Roberto D. Liapakis in kräftiger und makelloser Art intoniert werden. Dass Michael zu dem alles überragenden Gitarristen Deutschlands und zur Spitze der Welt gehört, stellt er heute Abend wieder unter Beweis. Hier punktet insbesondere das Gänsehaut-Epos „Love to Love“.

Special Guest oder, wenn man so will, Hauptakt ist Joey Tempest von EUROPE. Sicher gibt es niemanden, der in den 80ern „The Final Countdown“ aus dem Wege gehen konnte. Weder im Fernsehen noch im Radio oder auf irgendwelchen Dorf- bzw. Volksfesten. Somit hat der Schwede ohne Frage den bekanntesten Song im Gepäck. Aber davon abgesehen ist seine Performance durchaus der eines Haupt-Acts würdig. Joey zeigt sich mit Spielfreude, guter Stimme und auch, wie alle anderen - aber hier noch mal extra etwas Glitzerstaub obendrauf - mit Hingabe und Ausstrahlung.

Man hat an diesem Abend immer das Gefühl, es wird live performed, mal ein Hall, mal ein Echo auf dem Mikro, aber kein Netz und kein doppelter Boden oder Soundeinspielungen.

Zu guter Letzt kommen alle Sänger gemeinsam auf die Bühne, bedanken und verabschieden sich und intonieren von QUEEN „The Show Must Go On“. Hier kann jeder erkennen, welche unfassbare Gesangslinie Freddie in der Lage war zu singen. Nicht alle Vokalisten sind dieser gewachsen, aber jedem gelingt es ihm gerecht zu werden, auch wenn es manchen an seine Grenze bringt. TARAJA ist hier natürlich die beste und kann noch mal ihre ganze Klasse unter Beweis stellen.

Ich wiederhole mich gerne. Ja, die Show Must Go On! ich würde mich freuen, wenn, wie so oft im Show Business, das letzte Konzert, die letzte Tour, das letzte Big Goodbye, dann doch wieder zurückgenommen würden. Hier macht es für mich absolut Sinn - ein so wunderbares, hoch funktionales und einzigartiges Konzerterlebnis sollte erhalten bleiben.

Bilder: Sabina Slemer