KONZERT: KANONENFIEBER; MENTAL CRUELTY - Köln, Carlswerk Victoria (Kanonenfieber)
BY Erik Bosbach

Konzert vom 20.03.2026
Heute gastieren KANONENFIEBER in Köln-Mülheim.
Hinter KANONENFIEBER steht Mastermind NOISE, der die Band 2020 ins Leben gerufen hat und was auf Platte bereits intensiv wirkt, entfaltet live eine noch deutlich eindringlichere Dynamik. Im Zentrum steht die musikalische Aufarbeitung des Ersten Weltkriegs jedoch ohne plumpe Heldenverehrung. Wer Pathos erwartet, wird vielmehr mit einer düsteren, ambivalenten Leid-Inszenierung konfrontiert, die zwischen Faszination und Beklemmung schwankt.
Die Bühne des komplett ausverkauften Kölner Carlswerk Victoria gleicht einem blutgetränktem Schlachtfeld: echter Stacheldraht, dichter Nebel, Kanonen und Sandsäcke formen eine Frontlandschaft. Zwischen den Songs werden Sequenzen eingespielt und Geschichten erzählt; fast wie im Geschichtsunterricht.
Ein Klangbild, das mehr verwundet als unterhält?
Hier entsteht auch ein Spannungsfeld: Während man einerseits versucht ist, die Show als mahnendes Erinnern an die Schrecken des Krieges zu lesen, wird andererseits sehr stark mit militärischer Symbolik und visueller Ästhetik gespielt und irgendwie fühlt man sich wohl mit Pickelhaube und Uniform. Einige Konzertbesucher machen es der Band gleich und erscheinen in Uniformteilen. Es bleibt ein ästhetisches Spiel mit Geschichte, kein ideologisches Statement.
Musikalisch bewegt sich die Band in einer melodischen Variante von Black- und Death Metal, die im Vergleich zugenretypischen Vertretern deutlich eingängiger ist, ohne an Wucht zu verlieren. Den Support übernehmen MENTAL CRUELTY, stilistisch geht das eher in Richtung Deathcore mit Stimmakrobatik und orchestralen Klängen. Der KANONENFIEBER-Auftritt wird eröffnet mit einerArt Blendgranaten-Effekt: ein Moment, der besonders Fotografen kurzzeitig außer Gefecht setzt, bevor sich die maskierten Protagonisten im historischen Gewand im Nebel abzeichnen. Sänger Noise überzeugt dabei nicht nur stimmlich, sondern auch durch eine fast schon schauspielerische Performance: erzählerisch, mit mahnender Gestik und intensiver Bühnenpräsenz. Die Songs schlagen ein wie Granaten im Niemandsland der Ostfront! Songs wie „Kampf und Sturm“ oder „Z-Vor!“ kommen enorm druckvoll daher, während „Der Füsilier“ sich gut mitsingen lässt. „Die Havarie“ überzeugt durch Dynamik (Ahoi!), während „Verscharrt und Ungerühmt“ mit akustischer Gitarre eine beklemmende Ruhe erzeugt, die sich deutlich vom restlichen Set abhebt. Die Musik bietet einem ständigen Wechsel zwischen rasenden und getragenen Passagen und die Bühne wird zur Frontlinie, das Publikum zur tobenden Masse dazwischen. Die wechselnden Uniformen passen sich der Szenerie der Alben und EPs an. Hervorzuheben ist auch die szenische Umsetzung einzelner Stücke: „Heizer Tenner“ wird beinahe wie ein kurzes Theaterstück, wodurch die Geschichten der einfachen Soldaten unter Deck greifbar werden. Es entstehtstellenweise der Eindruck eines düsteren, brutalen Kriegs-Musicals. Auch „Der Maulwurf“ entwickelt sich zum Publikumsfavoriten.
Die ausverkauften Shows und die enthusiastische Resonanz des Publikums sprechen dabei eine klare Sprache: unterm Strich bleibt festzuhalten: KANONENFIEBER ist eine Band der Stunde!
Setlist:
• Die Feuertaufe
• Dicke Bertha
• The Yankee Division March
• Die Fastnacht der Hölle
• Der Füsilier I
• Der Füsilier II
• Kampf und Sturm
• Z-Vor!
• Heizer Tenner
• Die Havarie
• Verscharrt und Ungerühmt
• Grossmachtfantasie
• Menschenmühle
• Gott mit der Kavallerie• Panzerhenker
• Der Maulwurf
• Verdun / Ausblutungsschlacht
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Copyright © Erik Bosbach: text and photos

































