KONZERT: ENSIFERUM, FREEDOM CALL, DRAGONY - Frankfurt, Batschkapp

Konzert vom 20.01.2026
Es ist ein kalter Dienstag im Januar. In der Frankfurter Batschkapp jedoch wird mit Hilfe von Drachen, Einhörnern und Wikingern ordentlich eingeheizt.
DRAGONY aus Wien wissen anfänglich ein wenig zu verwirren. Man hat sich aktuell dazu entschlossen, Maria Nesh als zweite Vollzeitsängerin neben Siegfried Samer in die Band zu holen. Maria trat schon öfter mit DRAGONY als Gast auf und ist so keine Unbekannte mehr. Allerdings wird es immer wieder vorkommen, dass DRAGONY auf Grund anderweitiger Verpflichtungen einer ihrer Frontleute auf eine vokale Doppelspitze verzichten. So kommen wir heute in den Genuss einer „Maria Only“ Show. Und sie macht von Anfang an keinen Hehl daraus, wer die Chefin im Ring ist. Noch vorhandene Unsicherheiten und kleine Wackler im Gesang macht sie mit viel Engagement und Interaktion mit dem Publikum wett. Der symphonische und hymnenhafte Power Metal kommt gut an und findet mit „Beyond The Rainbow Bridge“ seinen Höhepunkt. DRAGONY werden sich heute Abend besonders beim FREEDOM CALL Fanblock einige neue Freunde gemacht haben.
Stichwort FREEDOM CALL: Die Franken gibt es nun auch schon über ein Vierteljahrhundert und man hat den Begriff „Happy Metal“ geprägt wie keine andere Band. Auch heute betritt man mit einem breiten Grinsen die Bühne und lässt als erstes den „Hammer Of The Gods“ darnieder sausen. Es macht mir immer wieder eine immense Freude, Drummer Ramy Ali bei der Arbeit zuzusehen. Sollte es je eine Muppets Realverfilmung geben (ja, dass das keinen Sinn macht, ist mir bewusst), dann wäre er für die Rolle des „Tier“ die perfekte Wahl. Frontmann Chris Bay führt mit seinem, ihm ganz eigenen, Dauergrinsen souverän durch das Programm und verkündet stolz, dass man von einem amerikanischen Magazin zur „Happiest Band Of The World“ gewählt wurde. Diese Auszeichnung lieferte die Inspiration zur neuen Single „Heavy Metal Happycore“. So eine Nummer dürfte sich außer FREEDOM CALL niemand leisten, aber hier passt es und so schallt der Chorus lauthals durch die Batschkapp. Dass bei der Single Petri Lindroos vom heutigen Headliner ENSIFERUM mitwirkt, spricht für die gute Stimmung der Bands untereinander. Das finale Songtriple „Warriors“, „Metal Is For Everyone“ und natürlich „Land Of The Light“ sorgt für viel Gehüpfe, Gesinge und gute Laune. FREEDOM CALL sind und bleiben die Glücksbärchis des Heavy Metal. Dies aber absolut stimmig und authentisch. Mir macht’s immer wieder Spaß.
ENSIFERUM legen mit „Winter Storm Vigilantes“ gleich ordentlich los und so dauert es nicht lange, bis sich ein erster Circle Pit bildet und sich wildfremde Menschen mit viel Freude hin und her schubsen. Frontmann Petri Lindroos ist einfach eine coole Socke. Als das Publikum nach mehr Lautstärke verlangt, gibt es erst eine Ansage auf Finnisch in Richtung Mischpult und dann mit einem leichten Grinsen ein „Should be loud enough now“ ans Publikum gerichtet. In der Tat wird der Sound danach merklich besser und besonders die nicht gerade unwichtigen Gitarren treten mehr in der Vordergrund. Bassist Sami Minka ist das genaue Gegenteil zu Petri und zieht eine Grimasse nach der anderen, ist ständig von einer Bühnenseite zur anderen unterwegs und feuert die Fans unablässig an. Keyboarder Pekka Montin verlässt sein Instrument immer wieder in Richtung Bühnenrand und sorgt mit klassischen Metalvocals für Abwechlsung zu Petris heiserem Gekrächze. Das aktuelle Werk „Winter Storm“ steht im Mittelpunkt des heutigen Abends. ENSIFERUM vergessen ihre langjährigen Fans dennoch nicht und so kommen auch Debütkracher wie „Guardians Of Fate“ oder das vielumjubelte „Token Of Time“ zum Zug. Im Laufe des Abends werden fast alle Alben mit mindestens einem Song bedacht. Nach schlanken 70 Minuten fällt allerdings schon zum ersten Mal der Vorhang, doch bevor die Enttäuschung zu groß wird, entern ENSIFERUM erneut die Bühne und präsentieren mit „Axe Of Judgement“, „In My Sword I Trust“ und „Two Of Spades“ noch einen recht opulenten Zugabeblock, so dass man am Ende doch auf eine vernünftige Spielzeit kommt. Auch wenn der Abend gerne ein paar Zuschauer mehr verdient hätte, können ihn die beteiligten Acts als Erfolg verbuchen und beweisen, dass auch stilistisch recht unterschiedliche Pakete funktionieren.
Vielen Dank an die sehr nette Dame vom Einlass, welche uns spontan noch einen Fotopass aushändigte, nachdem wir in unserer Akkreditierungsanfrage vergessen hatten diesen auch explizit anzufragen. Das war echt super.
Text: Fabian Zeitlinger
Fotos: Michael Berghammer
































