KONZERT: FRONTM3N - Aschaffenburg, Stadttheater

Konzert vom 15.01.2026
FRONTM3N ist eine Formation, die sich im Grunde live definiert. Das zeigen zum einen die meist ausverkauften Konzerte, und zum anderen ist man auf diesem Wege erst in den Fokus der Öffentlichkeit geraten. Ich persönlich bin erst kurz zuvor auf die Truppe aufmerksam geworden, da ich deren neuestes Werk „Now And Then“ zur Besprechung auf meinem Tisch hatte. Die entsprechende Tour sollte eine Retrospektive des zehnjährigen Bestehens sein und zugleich das neue Album featuren. Wie der Zufall es dann so wollte, hatte das Colos-Saal in Aschaffenburg die Briten gebucht. Jedoch sollte die Veranstaltung nicht im heimischen Club stattfinden, sondern unter dem Thema „Showtime unterm Kronleuchter“ ist man eine Liaison mit dem örtlichen Stadttheater eingegangen, um diesem Unplugged-Konzert einen besonders gediegenen Rahmen zu verleihen. Wie zu erwarten, kamen trotz kaltem Donnerstag reichlich Zuschauer. Im unteren Bereich war der Saal komplett gefüllt; lediglich auf den Balkonen und der Galerie waren ein paar Plätze frei. Die Bühne war stimmig beleuchtet, das Backdrop trug die Konterfeis der drei Protagonisten, auf der Bühne waren verschiedene Saiteninstrumente verteilt, und im Hintergrund stand ein Flügel.
Zum Einstieg funktionierte „Bus Stop“ (Cover von THE HOLLIES) prima, um das Eis zu brechen. Das Publikum war sofort dabei und stieg sangesfreudig mit ein. Mit dem kleinen Medley „Co-Co / Poppa Joe“ taten sie es im Anschluss den Urhebern von SWEET gleich, die diese Song-Kombination ebenfalls in ihrer Setlist haben. Nachdem sich die Herren Peter Howarth, Mick Wilson und Pete Lincoln vorgestellt hatten und kurz auf das Portfolio der Songs vorausschauten, die uns an diesem Abend erwarten sollten, stimmten sie ihre erste eigene Komposition des Abends, „Walking Down That Line“, an. Die Nummer findet man auf dem Album „Enjoy The Ride“, das mit fünf Tracks den musikalischen Schwerpunkt des Abends bildete. „Love Is Like Oxygen“ von SWEET ist allerdings eine Perle der Rockmusik, die in der akustischen Version leider nicht so recht zündet. Der Hit enthält zu viele Elemente, die der Song in seiner Komplexität benötigt und die ohne Strom eben einfach fehlen, obwohl Mick richtig Druck mit seinem E-Bass zu erzeugen vermochte. Das ELTON JOHN Cover „Rocket Man“ sollte dann der erste Track vom neuen Album sein. Der äußerst gefühlvolle Vortrag am Konzertflügel war bereits ein kleiner Höhepunkt des Abends. Ich mochte die Interpretation schon auf „Now And Then“, live wussten die drei Musiker das Stück aber noch zu veredeln.
Zwischen den einzelnen Liedern wurden von jedem der sympathischen Frontmännern immer wieder der Kontakt zum Publikum gesucht. Es wurde geflachst, gelacht und die eine oder andere Anekdote zum jeweiligen Song zum Besten gegeben. Die Typen hatten Spaß, und das übertrug sich 1:1 auf das Auditorium. Peter Howarth wies im Folgenden mehrfach daraufhin, dass er im ROY ORBISON-Musical in London einst die Hauptrolle spielte, bevor er „You Got It“ von eben jenem anstimmt. Dies mutiert im Laufe des Abends alsbald zum Running Gag.
Nach einer Stunde war dann (Kommerz-)Pause, wie das im Theater so üblich ist. Mit einer Eigenkomposition „Fall For You“ von „All For One“ startete der zweite Teil mit jeder Menge Groove, Dampf und elektrischen Gitarren bzw. Bass. Der emotionalste Höhepunkt der heutigen Darbietung war der von Peter Howarth solo vorgetragene Kelly Gordon-Klassiker „He Ain’t Heavy, He’s My Brother“ (mit dem die HOLLIES einer ihrer größten Hits hatten) im Spotlight. Die Hardrocker unter uns werden sich vielleicht noch an die Version von GOTTHARD und Steve Lee (R.I.P.) mit einer Träne im Auge erinnern. Mit „Living Next Door To Alice“ (der wohl größte Hit von SMOKIE, stammt aber ursprünglich von NEW WORLD) holte man den Saal aber wieder aus der Melancholie und brachte die Stimmung zum Siedepunkt. „Scarlet Angel“ war der zweite Track aus dem aktuellen Werk und auch jener war mir bereits positiv aufgefallen und ich war hoch erfreut, ihn live präsentiert zu bekommen. Nach fast zweieinhalb Stunden beendete das harmonische Dreigespann einen überaus unterhaltsamen, nostalgischen Abend stimmungsvoll mit „Dreadlock Holiday“ (10CC Cover), das dann zu guter Letzt jeden aus dem Sessel hievte.
Nachdem die drei Barden zu einer Tasse Tee (selbstverständlich mit Milch – was sie explizit betonten) die Bühne verließen, tauchten sie doch recht zügig am Merch Stand wieder auf, um alle Wünsche der Fans, was Fotos und Autogramme betraf, geduldig und humorvoll zu befriedigen.
Wir bekamen einen Platz ganz oben in der Mitte der Galerie. Ich war zunächst skeptisch, konnte diesem erhöhten Blickwinkel allerdings am Ende viel abgewinnen und der Klang dort oben war ebenso perfekt, wie ich ihn unten beim Fotografieren in der ersten Reihe erlebt hatte.




















