KONZERT: MOLLY HATCHET - Aschaffenburg, Colos-Saal

Recherche ist das „A“ und „O“ für eine fundierte Berichterstattung. Das gilt auch für Live-Konzerte, wobei hier das Erlebnis natürlich im Mittelpunkt steht. Bei MOLLY HATCHET am 17.12.2025 im Aschaffenburger Colos-Saal hätte ich mich, mit eben dieser Recherche, vor der Enttäuschung hüten oder aber zumindest darauf einstellen können. Doch der Reihe nach.
MOONDAY6 eröffnen um 20:00 Uhr den Abend für MOLLY HATCHET. Die Band aus Hannover ist spritzig und gutgelaunt unterwegs. Der Rock, den sie anbieten, ist gefällig, bleibt aber nicht wirklich haften. Auffällig dabei ist das riesige Backdrop, das sie im Hintergrund der kleine Bühne im Colos-Saal gespannt haben. Das würde sicher auch für Wacken reichen; ich frage mich, ob hier der Wunsch Vater des Gedankens bzw. “Druckauftrags“ war.
Bei der amerikanischen Southern Rock Legende MOLLY HATCHET hat das große Backdrop durchaus seine Berechtigung. Der Gig beginnt mit irritierenden Soundjustierungen an der Gitarre von Bobby Ingram, mit der Band bereits auf der Bühne, dazu ein Roadie, den wir immer mal wieder auf der Bühne “bewundern“ dürfen. Problem behoben, los geht’s mit “Whiskey Man“. Der Sound passt jetzt, bis auf den Gesang, und Bobby strahlt und spielt sich wahrlich den kompletten Gig lang seinen Allerwertesten ab. Aber, und hier kommt der Recherche-Punkt, Bobby ist die einzige Gitarre - Southern Rock mit nur einer Gitarre, ist das überhaupt erlaubt? Waren MOLLY HATCHET nicht einst gestartet mit drei? Hier hätte geholfen, sich das zugegeben klasse Live-Album von 2019 “Battleground“ nochmal vorzunehmen, denn auch hier agiert Bobby größtenteils allein an den sechs Saiten. Schlimmer wiegt aber Sänger Parker Lee, immerhin schon seit 2023 bei MOLLY HATCHET, der junge, übermotivierte, etwas hampelige und in die Riege dieser alter Haudegen nicht im Ansatz passende Frontman. Weder gesanglich noch visuell kann der Amerikaner punkten, auch seine zum Teil deplatziert wirkenden Ansagen stören eher als dass sie Bindung schaffen. Und so wird das Colos-Saal zunehmend leerer. Dazu gesellt sich der von Beginn an schon bekannte Bühnenarbeiter, mal mit leuchtendem Handy, mal einfach nur so, und sorgt für weitere nachdenkliche Momente.
Songs wie “ Beatin‘ The Odds“ oder das unsterbliche “ Fall Of The Peacemakers“ funktionieren trotzdem. Ein gutes Riff bleibt ein gutes Riff. Dazu der agile Bobby, und auch Keyborder John Galvin spielt ein tolles Instrument, plus Bassist Tim Lindsey, der strahlend und gutgelaunt die Bühne füllt. Das alles macht schon Spaß, und doch fragt man sich: Was wäre möglich gewesen mit einem gestandenen Sänger und einer zweiten, den Sound verdichtenden Gitarre? So muss ich konstatieren, dass ich den Gig leider zu einem nicht unerheblichen Teil eher nachdenklich als schwitzend, rockend verbracht habe. Schade.
Fotos: Michael Berghammer














