KONZERT: Selig - Ulm, Roxy

Die Hamburger Band SELIG feierte auf ihrer Jubiläumstour „30 Jahre und endlich unendlich“ sich selbst, den Grunge und auch ein wenig das Lebensgefühl der 90er. Das ist derzeit wieder schwer im Kommen – nicht nur Dank „Massenabfertigungen“ wie der „90er Super Show“ mit den größten Dance-Acts und Boybands des Jahrzehnts, sondern auch durch neuen Alben von Idolen der Jugend wie z. B. DOG EAT DOG oder H-BLOCKX (der neue Longplayer kommt im März 2026). In langanhaltenden schweren Zeiten, geprägt von einer Pandemie und unzähligen, nicht enden wollenden Kriegen, sehnt sich der Mensch nach der guten, alten Zeit zurück, und wie lässt sich das besser zelebrieren als bei einem Konzert mit schöner, handgemachter Musik?
Pünktlich zur „Prime-Time“ um 20.15 startete das Quartett den Abend – ohne vorherige Support-Band. Das war auch nicht wirklich nötig, denn die Gruppe hatte in ihrem fast 2-stündigen Set viel vor. Der relativ junge Opener „Unsterblich“ aus dem Jahr 2007 wurde perfekt gewählt - hiermit ließ es sich atmosphärisch schön eingrooven, man will ja nichts überstürzen. Auch das darauf folgende „Kleine Schwester“ aus dem zweiten Album „Hier“ ist nicht das schnellste Stück. Ich war auf jeden Fall sofort wieder daran erinnert, womit sich die Band vor 30 Jahren schon bei mir ins Gehirn gebrannt hat: Hippietum. Da wird ein Song auch schon Mal zu einer gefühlt 10 Minuten langen Nummer aufgebläht, natürlich inklusive psychedelischem Gitarrensolo. Härtere Songs wie „Lass mich rein“ und „Hey Hey Hey“, das eine kleine Zeitreise in die 60er und 70er von LED ZEPPELIN ist, kommen hier bei mir doch etwas besser an. Die Hits „Ist es wichtig?“ und „Sie hat geschrien“ waren für mich dementsprechend die Highlights des Konzerts.
Beim zweiten Zugabenblock war es dann endlich soweit: ein unverbesserlicher „Fan“ wurde nach ständigen Rufen endlich mit dem Klassiker „Ohne Dich“ belohnt. Hier ließ der gut gelaunte Sänger JAN PLEWKA, der das Hippie-Outfit der 90er inzwischen gegen Adidas-Trainingshose und Basecap getauscht hat, nochmal alle Emotionen raus – ebenso wie das Ulmer Publikum, das natürlich textsicher mitsang. Wie Jan schon relativ früh am Abend bemerkte: „SELIG ist ein Zustand und der ist jetzt erreicht!“
Die Band bewies auf jeden Fall, dass sie nach 30 Jahren nichts von ihrer Kraft, Intensität und emotionalen Tiefe verloren hat. Auf ein paar Konzerten kann man sich dieses Jahr noch ein Bild davon machen und JAN PLEWKA ist in 2026 auch solo mit unterschiedlichen Programmen bzw. Formationen unterwegs.
(PS: Keinen Dank an den Lichttechniker, der die ersten drei Songs die Bühne entweder in blaues oder rotes Licht tauchen "musste". Dementsprechend mau ist leider die Foto-Ausbeute.)
















