KONZERT: H.E.A.T, FORMOSA, + - Aschaffenburg, Colos-Saal

Ein weiterer Abend im Zeichen des qualitativ hochwertigen Hard Rocks. Zumindest sollte es das im späteren Verlauf noch werden. Zu Beginn schlappt ein Zombie auf die Bühne, welcher sich hinter ein E-Schlagzeug klemmt. Gefolgt von einem 80er Poser Rocker, der abwechselnd seine Klampfe oder Keyboards bedient. Das Duo MIDNIGHT DANGER überrascht und verwirrt mit einer instrumentalen Mischung aus Synth Wave, 90er Dark Wave Disco und 80er Serien Soundtrack und mischt da das eine oder andere Gitarrenriff darunter. Das ist nett, aber irgendwie auch eher unpassend und so sieht man viele Fragezeichen in den Gesichtern im Publikum. Mehr als Höflichkeitsapplaus ist dann auch nicht drin. Auch für mich ist das zu langatmig, denn irgendwie wirkt der ganze Auftritt wie ein 40-minütiges Intro. Quasi das akustische Äquivalent zu „Warten auf Godot“
Das Ruhrpott Quartett FORMOSA ist da aus anderem Holz geschnitzt. Auch wenn man heute mit einem Aushilfsgitarristen aufläuft, gibt man von Sekunde Eins an Vollgas. Der etatmäßige Saitenhexer muss sich angeblich in der Heimat um die kritische Infrastruktur kümmern – er heißt und ist Bierbrauer. Aus diesem Grund sei er nicht abkömmlich, da der Pott sonst auf dem Trockenen läge. Sänger Nik Bird ist der exzentrische Blickfang in einer schweißtreibenden Performance. Gerade in hohen Lagen erinnert mich seine Darbietung ein ums andere Mal an Bernie von AXXIS. Musikalisch steht eindeutig das aktuelle Werk „Pyrite“ im Mittelpunkt. Aber natürlich gibt es mit „Living On A Blade“ und dem „Federmantel-Song“ „Manic Lover“ auch ältere Tracks zu bestaunen. Der Spaß, den die Band ganz offensichtlich auf der Bühne hat, überträgt sich 1:1 aufs Aschaffenburger Publikum und FORMOSA werden ihrer Rolle, das Auditorium so richtig anzuheizen, mehr als gerecht. Für die Ruhrpöttler und ihren kernigen Hard Rock ist das Ende der Fahnenstange noch lange nicht erreicht.
Um Viertel vor 10 ist es endlich soweit und H.E.A.T. stürmen auf die Bretter des Colos-Saals. Sänger Kenny Leckremo ist nach wie vor hoch motiviert und springt in altbekannter Manier über die Bühne. Die Haare fliegen und dank des engen Beinkleids ist auch sonst gut sichtbar so einiges in Bewegung. Trotz aller immer noch vorhandener Energie meine ich aber festzustellen, dass man es im Vergleich mit den Re-Union Gigs etwas ruhiger angehen lässt und sich ein bisschen der Alltag eingeschlichen hat. Was aber auch logisch ist, denn das Energielevel, welches die Band direkt nach dem Release von „Force Majeure“ an den Tag legte, war auch unmenschlich. Die Setlist ist sehr ausgewogen (einzig „Into The Great Unknown“ wird ausgespart) und zeigt die ganze Bandbreite der Hookline-Könige aus Schweden. „Back To The Rhythm“, „One By One“ oder „1000 Miles“ werden begeistert mitgesungen. Kennys authentische Ansagen darüber, wie dankbar er ist, dass sie die Möglichkeit haben ihre Songs live zu präsentieren und dass, was ihn und den Rest der Band so richtig antreibt das Publikum sei, machen ihn nur noch sympathischer. Zum Finale „Shot Of Redemption“ geben Band und Publikum noch einmal alles und verwandeln den Colos-Saal in ein Tollhaus.
Auch wenn H.E.A.T. ein stückweit routinierter agieren, so ist das Meckern auf verdammt hohem Niveau und man bildet zusammen mit NESTOR und ECLIPSE die Speerspitze des eingängigen, aber nicht platten Hard Rocks.
Text: Fabian Zeitlinger
Fotos: Michael Berghammer
































