FESTIVAL: M´era Luna 2026 - Sonntag 09.08.2026

Sonntagmorgen beim M´era Luna-Festival: die Wetterprognose meldete Sonnenschein und 33 Grad. Sanitäter brachten sich in Position, Eis-, Getränke- und Sonnenbrillenverkäufer rieben sich erwartungsvoll die Hände, vorausschauende Festivalbesucher schulterten Sonnencreme, Tücher und zu Sonnenschirmen umfunktionierte Regenschirme, um sich für den anstehenden Tag zu wappnen. Der Festivaltag begann relativ gemächlich: ob es an dem schon früh hohen Temperaturen lag oder daran, dass manch einer vielleicht am Abend zuvor zu lange gefeiert hatte, FINAL SELECTION, die auf der Main Stage den Anfang machten, hatten jedoch noch ziemlich viel leere Fläche vor sich, obwohl die Band ihren Job nicht schlecht machte. Auch bei SOTIRIA hielt sich der Andrang noch in Grenzen, doch allmählich begannen die Leute aufs Gelände zu strömen, an den Ständen entlang zu bummeln und vor den Bühnen Aufstellung zu nehmen.
Zu bewundern war auch diesmal wieder eine Vielzahl ausgefeilter Outfits, deren Bandbreite von der Einstellung „Drei Streifen Tape müssen reichen!“ bis hin zur Kategorie „Nachts aufstehen, damit man bis nachmittags fertig angezogen und geschminkt ist“ reichten. Vom nahezu vollständigen Exhibitionismus über den Auftritt im Krankenhaus-Patientenkittel bis zum kunstvollen Ganzkörper Dämonenoutfit war alles vertreten, und zwar, wie beim M´era Luna üblich, in schönster rücksichtsvoller und höflicher Harmonie. Ein entspannteres, netteres Festival dürfte schwer zu finden sein.
Mit „Stahlmann“ hielten etwas härter rockige Klänge auf der Main Stage Einzug und auch noch die letzten Schlafmützen wurden aufgeweckt. Inzwischen hatte sich auch wieder eine recht beachtliche Menge an Leuten eingefunden, die zu Songs wie „Adrenalin“, „Plasma“ und „Der Schmied“ mitrockten. Danach wurde es „mörderisch“: SKYND übernahm die Bühne und mit ihr ein Set aus Songs, die ausschließlich Serienkiller thematisierten. Eine entsprechende Warnung wurde der Show vorausgestellt: „This is about real people and real violence. You have been warned.”
Friedlicher ging es im Anschluss bei THE 69 EYES zu: die Goth´n´Roller zelebrierten ihren zehnten Auftritt auf dem M´era Luna und freuten sich darüber, immer wieder nach Hildesheim kommen zu dürfen. Das Publikum freute sich mit und feierte die Helsinki Vampires zu den Klängen eines Sets, das zu großen Teilen aus Klassikern wie „Framed In Blood“, „Feel Berlin“, „The Chair“, „Wasting The Dawn“ und „Brandon Lee“ bestand, mit „Lost Boys“ als krönendem Abschluss.
Auch L´ÂME IMMORTELLE hatten Grund zu feiern, wie sie verkündeten: „Wir feiern in diesem Jahr unser dreißigjähriges Bandjubiläum. Und zu diesem Anlass gibt es eine Tour, bei der wir hauptsächlich Songs spielen werden, die wir bisher kaum oder sogar noch nie live gespielt haben.“ So weckt man die Neugier des Publikums. „Angefangen hat damals alles 1996, da hat bei mir damals, noch bei meinen Eltern, das Festnetztelefon geklingelt und dran war Thomas, der auf der Suche nach einer Sängerin war… Ja, und wir freuen uns jetzt auf viele weitere Jahre, vielleicht Jahrzehnte der Zusammenarbeit!“ Auch hier freute sich das Publikum gerne mit und jubelte fleißig zu den Klängen von „Bitterkeit“, „Stumme Schreie“, „Fallen Angel“ und „Life Will Never Be The Same Again“.
Im Anschluss wurde das Mikrofon auf der Main Stage an eine weitere Sängerin übergeben: FLOOR JANSEN, derzeitige Stimme von NIGHTWISH, übernahm die Bühne und das Ruder. Und NIGHTWISH-Songs hatte sie neben eigenem Material auch im Gepäck: „Noise“, „Amaranth“ und Nemo“ waren zur Freude der Zuhörerschaft im Set mit dabei, dazu Material aus anderen Schaffensphasen wie „Run“ und „Face Your Demons“. Auch die Niederländerin zeigte sich besorgt um ihr Publikum: „It´s always super important to drink a lot of water in this weather. Last time we came here I actually didn´t and that didn´t end so well!” Zu diesem Zeitpunkt war auf der Wiese vor der Main Stage schon seit geraumer Zeit ein buntes Sammelsurium aus improvisierten Schattenspendern in Form von übergeworfenen Tüchern, Schals, Rettungsdecken und umfunktionierten Regenschirmen zu sehen, unter denen die Leute Schutz vor der Sonne suchten, die zahlreichen Trinkwasserspender waren gut frequentiert. Wer gar so etwas wie Eis oder Frozen Yoghurt / Quark erwerben wollte, musste mit langen Wartezeiten rechnen, da die Schlangen an manchem Stand gefühlt teilweise über das halbe Festivalgelände reichten.
Weiter ging es mit dem Szene-Urgestein LACRIMOSA, die ihrer Freude darüber Ausdruck verliehen, dass Keyboarderin und Sängerin Anne Nurmi nach längerer Live-Absenz wieder gemeinsam mit Tilo Wolff auf der Bühne stehen konnte. Das Set umfasste Songs wie „Lichtgestalt“, „Alleine Zu Zweit“ und „Punk & Pomerol“, auch „Der Morgen Danach“ durfte selbstverständlich nicht fehlen. Auf der Wiese vor der Main Stage herrschte derweil Picknick-Stimmung: viele Leute, zumindest im mittleren bis hinteren Bereich der Wiese, waren dazu übergegangen, den hohen Temperaturen lieber im Sitzen als im Stehen zu trotzen und machten es sich auf mitgebrachten Picknickdecken gemütlich, was es auch erleichterte, sich unter einem Sonnenschirm zu verschanzen. Zu diesem Ambiente lieferten im Anschluss denn auch OMD den passenden, unaufgeregt-entspannten Soundtrack: im vorderen Bereich vor der Main Stage wurde zu „Joan Of Ark“, „Sailing On The Seven Seas“ und „Enola Gay“ geschwoft, weiter hinten gechillt.
Später musste sich der eine oder andere dann aber doch noch mal aufraffen: SALTATIO MORTIS, bekannt für ihre Hartnäckigkeit in der Publikumsmobilisierung, brachten das Publikum am späteren Abend wieder auf die Beine, um es zu Songs wie „Loki“, „My Mother Told Me“ und dem guten alten und einfach unsterblichen Klassiker „Prometheus“ mitsingen zu lassen. Und dann war es auch schon wieder vorbei: zweieinhalb Tage Festival wie aus dem (schwarzen) Bilderbuch, vergangen wie im Flug. Aber nach dem M´era Luna ist bekanntlich vor dem M´era Luna: die ersten Bands für 2027 stehen schon fest und wer jetzt schon weiß, dass er zum Wiederholungstäter werden will, sollte sich ranhalten, denn die vergünstigten Ticketkategorien sind heißbegehrt und schnell vergriffen.
























