FESTIVAL: M´era Luna 2026 - Samstag 08.08.2026

Hildesheim nennt ein Wetterphänomen sein Eigen, das verlässlicher ist als jede Bauernregel: am M' era Luna-Wochenende scheint nahezu grundsätzlich die Sonne. Petrus scheint die Schwarze Szene zu lieben. Oder vielleicht hasst er sie auch, das ist – je nach Sonnenaffinität – wahrscheinlich ganz eine Frage des Standpunkts, aber fest steht jedenfalls, dass sich das Gipfeltreffen der Schwarzen Szene überdurchschnittlich oft über strahlenden Sonnenschein freuen darf. Während man bei vielen anderen Festivals von der Angst, im Schlamm steckenzubleiben, umgetrieben wird, herrscht beim M' era Luna eher die Sorge vor, dass sich die vornehme Blässe in leuchtend roten Sonnenbrand verwandeln könnte – gerne auch an Körperstellen, die im Alltag eher weniger der Sonne ausgesetzt sind. Und so öffnete denn auch dieses Mal am Freitag das Festivalgelände bei schönstem Sommerwetter seine Pforten zum Vorab-Programm. Denn auch wenn das eigentliche Bühnenprogramm erst am Samstagvormittag startet, hat das M' era Luna vorab schon einiges zu bieten. Von den zahllosen Shopping- und Verköstigungsmöglichkeiten mal ganz abgesehen, konnte man beispielsweise schon an einem Mittelaltertanz-Workshop teilnehmen und abends ab 18:50h dem inzwischen schon traditionellen Crypt Talk von Chris Harms (LORD OF THE LOST) und Stephan Thanscheidt (CEO FKP Scorpio) beiwohnen. Im Anschluss konnten sich Leseratten an Lesungen von Markus Heitz, Jessica Iser und Christian von Aster erfreuen und wer danach noch genug Energie hatte, konnte im Disco-Hangar mit dem Kai Hawaii und Rotersand DJ-Team noch bis 5 Uhr morgens die Nacht zum Tag machen.
Der offizielle Startschuss fiel am Samstag um 11 Uhr mit MORTES auf der Main Stage und BEYOND OBSESSION um 11:20 Uhr auf der Club Stage. Weiter ging es mit Symphonic Metal von XANDRIA, die neben Klassikern wie „Ravenheart" auch neues Material vom gerade veröffentlichten Album „Eclipse“ präsentierten und entsprechend natürlich auch fleißig die Werbetrommel für die anstehende Tour rührten.
Ungewöhnlich wurde es danach mit TABERNIS: mittelalterliche Imker auf der Bühne ist man selbst beim was ausgefallene Outfits angeht nicht leicht zu überraschenden M' era Luna nicht gewöhnt. Obwohl das Debutalbum mit dem thematisch passenden Titel „The Dark Hive" erst im Mai veröffentlicht worden war, hatten sich die Bienenfreunde mit ihren rein instrumentalen Mittelalterklängen offenbar schon eine Fan-Base erspielt und durften sich über eine ausgesprochen positive Publikumsresonanz freuen.
Mit UNZUCHT, die den Weggang von Sänger Der Schulz mittlerweile gut verkraftet und mit seinem Nachfolger Timm Hindorff einen würdigen Ersatz gefunden haben, wurde es auf der Mainstage wieder rockiger, auch hier hatte man mit „Feuerregen“ und „Koloss“ neues Material im Gepäck. Mittlerweile war die Temperatur ausreichend gestiegen, dass auch diesbezüglich besorgt-mahnende Worte ans Publikum gerichtet wurden: „Habt ihr genug zu trinken? Wenn es so warm ist, hat meine Mama immer schon gesagt, es ist wichtig, genug zu trinken! Also passt auf euch auf!“
Im Anschluss kamen bei HOCICO die Freunde härterer elektronischerer Klänge auf ihre Kosten. Auf der Club Stage sorgten derweil M. WALKING ON WATER, die mit ihren größtenteils hellen bis weißen Outfit deutlich aus der schwarzen Masse herausleuchteten, ein wenig für musikalische und optische Abwechslung.
Wer das Tanzbein schwingen wollte und den Mittelaltertanz-Workshop am Freitag verpasst hatte, konnte dies am Samstag in der 2. Runde noch nachholen: ordentlich in mehreren Reihen aufgestellt und unter fachkundiger Anleitung wurde hier auf dem Mittelaltermarkt Gesellschaftstanz gelehrt, was auch regen Anklang fand.
Dagegen gab es auf der Main Stage Neue Deutsche Härte zu hören: MEGAHERZ brachten – nach anfänglichen Soundproblemen mit übel übersteuernder Gitarre, die sich zum Glück aber beheben ließen – mit Songs wie „Miststück" und „Alles Arschlöcher" das Publikum auf Touren, bevor COMBICHRIST im Anschluss das Zepter übernahmen und die Menge zum Zappeln brachten. Wer es gediegener bevorzugte, wanderte gemächlich hinüber zur Clubstage, wo THE BEAUTY OF GEMINA atmosphärischen Gothic Rock kredenzten. Synthie-rockige Klänge hielten dann mit THE BIRTHDAY MASSACRE auch auf der Main Stage Einzug, wobei hier der Gesamteindruck leider etwas durch Soundprobleme getrübt wurde: die eigentlich sehr prägnanten und für den Gesamtklang der Band maßgeblichen Keyboards waren deutlich zu leise und gingen daher eher unter, was schade für den sonst eigentlich gelungenen Auftritt von Chibi und Co. war.
Wen es nach Kontrastprogramm und musikalisch Gröberem gelüstete, den zog es nachfolgend auf die Club Stage zu AGONOIZE, während die Main Stage umgebaut wurde für die Herren von WHITE LIES. Diese schienen es dem Publikum etwas weniger angetan zu haben als manch anderer Act, zumindest wirkte die Resonanz so verhalten wie sonst kaum. Die britische Post Punk-Truppe bestritt ihren Gig routiniert, aber ohne große Beifallsstürme; richtig Stimmung wollte nicht aufkommen. Das änderte sich jedoch, als später IN EXTREMO – dank Pyrotechnik wortwörtlich mit einem Knall – die Bühne betraten und das Publikum mit dem stimmungsvollen „Ólafur“ umgehend in ihren Bann zogen, bevor sie mit dem „Spielmannsfluch“ das Gaspedal durchtraten. „Feuertaufe“, „Küss Mich“, „Liam“, „Rasend Herz“ – ein Hit jagte den anderen, nur mit „Feine Seele“, für das man sich Oliver Sa Tyr von FAUN als Gast auf die Bühne holte, wurden gleichermaßen ruhige wie melancholisch-nachdenkliche Töne angeschlagen. Und obendrein gleich die geplante Akustik-Tour angekündigt, für die man Oliver Sa Tyr ebenfalls verpflichtet hat. Weiter ging es mit „Störtebeker“ und „Sängerkrieg“, „Vollmond“ fehlte leider, was vermutlich in der gesundheitlichen Problemen geschuldeten Abwesenheit von Multiinstrumentalist Dr. Pymonte begründet lag. Doch auch so legten die Spielleute ein furioses Set hin, das nach „Frei Zu Sein“ und „Pikse Palve“ zu Recht von tosendem Applaus beendet wurde.
Derart aufgeputscht wurden nun auch die zweiten Headliner des Abends mit Spannung erwartet: WITHIN TEMPTATION begannen mit ein paar Minuten Verspätung und in Folge dessen etwas langgezogenem Intro, gaben dann mit „We Go To War“, „Bleed Out“ und „Faster“ aber mehr Gas. Vor der Bühnenkulisse eines griechisch inspirierten Tempels arbeitete sich die Band um Sängerin Sharon den Adel munter durch eine bunte Palette ihres inzwischen dreißigjährigen Schaffens, von „Stand My Ground“ über „The Reckoning“ und „Paradise (What About Us?)“ bis zu den Klassikern „Ice Queen“ und „Mother Earth“ als krönendem Abschluss. Um Mitternacht schließlich war dann Schluss und der erste Festivaltag entließ die Besucher in die sternenklare Nacht.
Foto-Credits (Bühnenfotos):
Megaherz: Lars Heinzelmann
Combichrist: Antonina Polukhina
The Birthday Massacre: Anna Vis
White Lies: Line Tsoj
In Extremo: Lars Heinzelmann, Line Tsoj






















