Review:

The Shadow Self

(Tarja Turunen)

TIPP

Ganze drei Jahre ist es jetzt fast schon her, dass TARJA „Colours In The Dark“ veröffentlicht hat. Ruhig war es allerdings nie, denn zwischendurch hat sie noch ihr Weihnachtsalbum „Ave Maria – En Plain Air“ und 2 Livealben, eins davon mit Dummer Mike Terrana, veröffentlich. Nun kommt TARJA dieses Jahr mit zwei Alben: „The Brightest Void“ hatte sie im Juni bereits veröffentlich und jetzt ist „The Shadow Self“ am Start. „The Brightest Void“ war, böse ausgedrückt, eher eine B-Site, was es nicht als eigenständiges Album hätte geben müssen. Das wird bei Betrachtung der Trackliste von „The Shadow Self“ auch noch mal deutlich, denn ein paar Songs kommen einen auf Anhieb bekannt vor.

 

Nun ja, schauen wir und das Album mal genauer an. Wir haben hier 11 Songs, die gute 66 Minuten ergeben. Von den 11 „neuen“ Songs waren zwei bereits auf „The Brightest Void“ vorhanden („Eagle Eye“ und „No Bitte End“). Außerdem hat TARJA sich an MUSE’s Hymne „Supermacy“ gewagt. Damit haben wir nur acht wirklich neue Songs. Etwas enttäuschend. Die CD gibt es in verschiedenen Ausführungen: als Special Edition mit zusätzlicher DVD oder als normale CD.

 

Erster Song auf „The Shadow Self“ ist das bereits vorab veröffentlichte Lied „Innocence“, allerdings in einer etwas anderen Version. Ob man diese, in die Länge gezogene, Version haben muss, muss jeder für sich entscheiden. Mit gut sechs Minuten ist es allerdings definitiv etwas lang geraten und durch die langen Stellen ohne Gesang auch nicht unbedingt für den Sport zu gebrauchen. Direkt danach folgt „“Demons In You“, was TARJA zusammen mit ALISSA WHITE-GLUZ von ARCH ENEMY aufgenommen hat. Schöne Kombination erhalten wir hier: TARJA's Engelsgesang und ALISSA’s härteren Töne harmonieren hervorragend miteinander. Außerdem zeigt dieser Song sehr gut, wie wandelbar TARJA doch ist. Das gesamte Album ist auch härter als man es Anhand der Vorabveröffentlichung erwartet hätte. Es ist auch um einiges härter als alles, was sie bis jetzt veröffentlicht hat. Diese harte Seite passt aber hervorragend zu Tarja und ihrer Stimme. Das Klavier kommt zwar immer wieder vor, und es wird stellenweise auch ruhiger, aber die wirklich sehr harten Gitarrenriffs sind sehr einprägsam und verleihen den Songs das gewisse Etwas. TARJA versucht sich gerne an außergewöhnliche Sachen, so auch auf „The Shadow Self“. MUSE zu covern muss man erstmal versuchen. Kaum jemand wird wohl an die hohen Töne von Matt’s Gesang ran kommen. TARJA reicht diese Herausforderung alleine aber nicht: Sie nimmt direkt noch eins von MUSE’s erfolgreichsten Songs überhaupt: „Supermacy“. An dieser Stelle ist für mich als großer MUSE-Fan leider keine neutrale Beurteilung möglich. Ich liebe TARJA, aber ich liebe auch MUSE. Technisch gesehen hat sie natürlich großartiges vollbracht. Die hohen Töne sind für TARJA eine Kleinigkeit und singt sie sogar noch höher. Mit diesem Cover zeigt sie einmal mehr ihre Stimmgewalt und ihr Können. Es würde nicht wundern, wenn bei den Aufnahmen Gläser zersprungen sind. Auch wenn der Song etwas rockiger und metallastiger gemacht wurde, erkennt man ihn doch sofort an den ersten Tönen. Für jemand, der MUSE nicht so vergöttert ist es wahrscheinlich auch ein großartiges Cover und vor allem auch verdammt mutig. Als MUSE Fan wohl eher ein No-Go. Jeden Song zu erwähnen würde einfach zu viel vom Album verraten, weil es so vielseitig und facettenreich ist. „The Shadow Self“ überrascht einfach mit fast jeden der neuen Songs. Klassiche „TARJA Songs“ hat man mit „No Bitter End“, „Innocence“ und „Eagle Eye (zusammen mit ihrem Bruder)“, sind aber nicht repräsentativ für das ganze Album. Größte Überraschung ist wohl wirklich das MUSE Cover. Der Rest lässt sich nur schwer in eine Schublade stecken. Was alle Songs jedoch gemeinsam haben, ist TARJA‘s unverwechselbare Stimme, die jedes Lied das gewisse Etwas verleiht.

 

„The Shadow Self“ ist sicherlich ein schönes Album, was sehr vielseitig ist und mit wirklich tollen Songs. Richtig Gefallen findet man jedoch auch erst nach mehrmaligen Hören. Einige Ohrwürmer entwickeln sich dann aber schon. Das lange Warten hat sich gelohnt und man kann sich freuen, dass TARJA ihre neuen Stücke im Herbst live präsentieren wird. Musikalisch befindet sich das Album natürlich auf extrem hohem Niveau, TARJAs Stimme ist extrem stark und wird extrem vielseitig eingesetzt. Leider trübt die Tatsache, dass zwei Songs bereits auf das eigentlich eigenständige Album „The Brightest Void“ veröffentlicht wurden und man so nur acht neue Songs (ohne das MUSE Cover) erhält, was für ein Album einfach zu wenig ist. Nun ist das Album so wie es ist und als Gesamtwerk ist es trotzdem sehr gelungen und um Welten besser als „The Brightest Void“. „The Shadow Self“ ist allerdings nicht besser als „Colours In The Dark“. Vielmehr ist es eine Weiterentwicklung, die man nicht miteinander vergleichen sollte. Trotzdem bleibt TARJA sich treu und verzaubert den Hörer mit ihrer Stimme.

The Shadow Self


Cover - The Shadow Self Band:

Tarja Turunen


Genre: Metal
Tracks: 11
Länge: 66:7 (CD)
Label: Earmuisic
Vertrieb: Edel