Review:

Clockwork Immortality

(Lovebites)

TIPP

Tja, was soll ich sagen? Außer: „Ich hab’s ja gesagt“. All-Girl Metal aus Japan wird das nächste große Ding. Aber mir glaubte ja keiner. Bis jetzt. Denn nachdem die Damen den Best New Band Award des britischen Metal Hammers letztes Jahr einsackten, geht es Schlag auf Schlag. Erst bekam man an einen UK Deal mit JPU Records, dann durfte man nach Wacken und soeben beendete man die erste kleine Europa Headlinertour. Nach 2 E.P.s und dem Album „Awakening From The Abyss“ erscheint das zweite Werk „Clockwork Immortality“ nun auf dem Nuclear Blast Unterlabel Arising Empire. Die Zeichen stehen also auf Sturm.

Was ich letzter Zeit oft hören musste waren Sprüche wie: „Die sind ja alle nur gecastet“ oder „Die spielen bestimmt gar nicht selbst“. Meine Damen und Herren, wir haben 2018 und da ist es durchaus möglich, dass hübsche und sexy Frauen auch gute Musik machen. Ich verfolge einen Großteil der beteiligten Musikerinnen nämlich schon lange.

So waren Dummerin Haruna und Bassistin Miho schon jahrelang bei DESTROSE aktiv und haben neben diversen Singles und E.P.s 2013 ein gelungenes, klassisches Metalalbum an den Start gebracht. Gitarristin Midori war mit den moderneren 激情★めたりっちぇ unterwegs und ihre Kollegin Miyako hatte bei z.B. A DROP OF JOKER auch schon ein illustres Vorleben. Einzug Vocalistin Asami ist ein in Metalkreisen unbeschriebenes Blatt.

Nachdem bei DESTROSE die Luft raus war, haben Haruna und Miho einfach einen neuen Anfang gewagt und dieses Mal scheint alles richtig zu laufen. Natürlich bekommen LOVEBITES im Moment viel Zuspruch und Unterstützung seitens der Industrie, aber nachdem sich Haruna und Miho auch schon seit fast 7 Jahren den Hintern abspielen, ist das durchaus legitim.

Und was die technischen Fähigkeiten der Damen angeht, dem empfehle ich das Ganze einfach Live anzuchecken, dann sollte diese Diskussion auch beendet sein.

Dass man Bands wie ANGRA und STRATOVARIUS als Einflüsse angibt, ist durchaus zu hören und dies bringt mich nun endlich zum neuen Album „Clockwork Immortality“.

Los geht’s mit „Addicted“, einer klassischen melodischen Doublebass-Nummer bei dem sich Highspeed und Melodie perfekt die Waage halten. Erinnert an schnelle ANGRA Nummern wie „Spread Your Fire“ minus der Orchestrierung. Mit „Pledge Of The Saviour“ galoppelt der MAIDEN-Gaul aus dem Stall. Treibend und mit einem Haufen melodischen Leads verziert, können die Damen auch hier überzeugen. Die erste Single „Rising“ wildert etwas in Dragonforce-Territorien und zeigt LOVEBITES melodischer als noch auf dem Debut. Überhaupt hat man noch mehr als auf dem Erstlingswerk Wert auf eine sehr ausgefeilte Leadgitarrenarbeit gelegt. Und so gibt es neben atemberaubenden Shredabfahrten auch massig eingängige Harmonien zu hören.

 

 

Bei „Empty Daydream“ wird das Tempo erstmalig etwas rausgenommen und es werden Erinnerungen an 90er STRATOVARIUS wach, jedoch mit einem modernen Twist. Sängerin Asami weiß beim eingängigen Refrain zu glänzen, während es die Saitenfraktion im Soloteil wieder glühen lässt. Das hart pumpende „Mastermind 01“ setzt dann den passenden Kontrastpunkt und bereitet perfekt auf den schnellen Thrasher „M.D.O.“ vor.  All diejenigen, die vielleicht Angst hatten, dass sich LOVEBITES nach dem Debut etwas vom harten Metal entfernen, kann spätestens jetzt Entwarnung gegeben werden. Das ist der perfekte Nachfolger zu „Hammer Of Wrath“ oder „Break The Wall“. „Bei Journey To The Other Side“ kokettiert man das erste Mal ein wenig mit eher poppigem J-Rock, was sich aber vornehmlich in den Melodien, nicht aber in der Instrumentierung niederschlägt, denn das ist immer noch Metal. Erinnert etwas an BAND-MAID in deren härtesten Momenten. „The Final Collision“ ist wieder klassischer Power Metal mit einer entfesselnden Asami am Mikro. Deren Englisch sich gegenüber dem Debut noch einmal stark verbessert hat. Mit „We Are United“ gibt es dann nochmal ein Shredfest deluxe. Viel Doublebass, schnelle Gitarrenläufe und tolle Melodien. Bangerherz was willst du mehr? HELLOWEEN würden für so eine Nummer in den Himmel gelobt.

Mit „Epilogue“ endet „Clockwork Immortality“ dann mit der ersten richtigen LOVEBITES Ballade. 7 Minuten epische Schwelgerei vom Feinsten. Asami darf zeigen, dass sie nicht nur Gas geben kann, sondern auch über einen wunderschönen, souligen Ton verfügt und man kann nachvollziehen, dass die zierliche Frontfrau eine Black Music Vergangenheit hat. Beeindruckend, was sie hier abzieht.

Macht summa sumarum schlicht eines der besten Power Metal Alben 2018.

Sollte sich also die Gelegenheit ergeben die Ladies live in Augenschein zu nehmen, dann kann ich jedem nur Empfehlen dies zu tun. Es lohnt sich.

Und sollte der ein oder andere Leser Lust verspüren etwas mehr Geld auszugeben: Die japanische Version von „Clockwork Immortality“ kommt mit einer kompletten Liveshow auf einer Bonus DVD bzw. BluRay.

Clockwork Immortality


Cover - Clockwork Immortality Band:

Lovebites


Genre: Power Metal
Tracks: 10
Länge: 53:18 (CD)
Label: Arising Empire
Vertrieb: Warner