Review:

Morbid Tales (Re-Release)

(Celtic Frost)

TIPP

Im Zuge der Neuveröffentlichungen des Noise-Backkatalogs werden auch die Werke der Schweizer Legende CELTIC FROST aus dem Grabe gehoben, die zwar nicht gerade als absolute Raritäten durchgehen, jedoch dermaßen viel musikalischen Sprengstoff bieten, dass man sie - falls überhaupt nötig - einfach wieder ins Gedächtnis der Szene zurück katapultieren muss. Ohne das Trio um die kreativen Masterminds Tom Gabriel Warrior und Martin Eric Ain (und ihre großartige Vorgängerband HELLHAMMER!) wären Black- und Death Metal sowie alle verwandten Genres heute nicht das, was sie sind, da sind sich sämtliche Kuttenträger mit auch nur halbwegs vorhandenem Restgeschmack einig.

Die 1984er EP "Morbid Tales", die in späteren Jahren um die 1985er EP "Emperor´s Return" ergänzt worden ist und seither als Album durchgeht, führt das HELLHAMMER´sche Erbe weiter und steht locker auf einer Stufe mit ganz großen Klassikern der Marke "Hell Awaits" (SLAYER), "Melissa" (MERCYFUL FATE) oder "Black Metal" (VENOM), was nicht nur daran liegt, dass CELTIC FROST, wie ihre Kollegen, einen völlig eigenen Stil haben, sondern ebenfalls schlichtweg Jahrhundertsongs im Angebot, die, hier noch mehr als in späteren Jahren, fies groovend, abartig böse und nicht nur für damalige Verhältnisse ungemein heavy und brutal daherkommen. Mit "Into The Crypt Of Rays", "Visions Of Mortality", "Dethroned Emperor", dem Titelstück, "Procreation (Of The Wicked)", "Return To The Eve", dem schrägen Intermezzo "Danse Macabre" und dem abschließenden "Nocturnal Fear" reiht sich ein Dampfhammer an den nächsten. Die stets nach vorne peitschenden, megatiefen Riff, das derbe, glasklare Bellen von Tom Warrior (natürlich mit "Uhhh"!) sowie die dumpfe, aufs Nötigste reduzierte Produktion von "Mad" Horst Müller haben in den letzten 33 Jahren nichts von ihrem morbiden Charme verloren. Und ja, auch wenn die ebenso grandiosen Nachfolgewerke "To Mega Therion" und "Into The Pandemonium" aufgrund ihrer höheren Musikalität und mitunter originellen Experimentierfreude von vielen Fans höher gestellt werden, so stellt "Morbid Tales" immer noch den Urschleim des maximal Rohen und Bösartigen dar.

Vorliegender Re-Release enthält neben den oben erwähnten Stücken zusätzlich Rehearsals von "Morbid Tales", "Messiah", "Procreation (Of The Wicked)" und "Nocturnal Fear" aus dem Jahr 1984, die seinerzeit live mit einem Kassettenrekorder mitgeschnitten wurden und entsprechend rotzig, aber keinesfalls nach drittklassigem Bootleg und sehr hörenswert klingen. Als I-Tüpfelchen enthält das sehr schöne Digipak-Booklet (leider nur alte) Anmerkungen der Macher zu jeden Song sowie Liner-Notes von Kerrang!-Journalist Xavier Russell nebst diverser Fotos. Lediglich die beiden "Emperor´s Return"-Nummern "Visual Aggression" und "Suicidal Winds" sind hier im Gegensatz zum 1999er Re-Release von Century Media leider nicht als Bonustracks enthalten. Trotzdem kann man sich "Morbid Tales" auch in dieser Verfassung problemlos ins Regal stellen, da Aufmachung insgesamt rundum gelungen ist!

Morbid Tales (Re-Release)


Cover - Morbid Tales (Re-Release) Band:

Celtic Frost


Genre: Black Metal
Tracks: 13
Länge: 49:36 (CD)
Label: Noise Records/BMG
Vertrieb: Warner