Review:

The Source

(Ayreon)

TIPP

Mensch, gute vier Jahre sind es jetzt schon wieder her, dass uns Arjen Lucassen mit "The Theory Of Everything" im Rahmen seines Projektes AYREON mit neuer Musik beehrt hatte. Damals, 2013 wollte er eigentlich die für sich selbst stehende Story abgeschlossen haben – jetzt kam es aber doch anders. Das neue Doppelalbum "The Source" des rührigen Niederländers begibt sich wieder auf alte Pfade, es wird nun eine Art Prolog zur den bisherigen Alben erzählt, so ganz grob unter der Thematik „Wie die Menschheit ihr Ende fand und die Maschinen die Macht übernahmen“.

Die Story spielt dabei in der Andromeda Galaxie, wo Computer die menschliche Rasse verdrängt und die Kontrolle gewonnen und alles im Chaos endet. Die neue Scheibe ist musikalisch eine ganze Kante härter und auch wuchtiger als „The Theory of Everything“. Dort klang alles etwas mehr keyboardorientierter auch mit den entsprechenden Protagonisten, auf „The Source“ hingegen holt er erfreulicherweise wieder etwas mehr die Riffkeule raus, die Gitarren braten ordentich und erinnert mich mitunter etwas an das letzte STAR ONE Album „Victims of the Modern Age“.

Trotz der heftigeren Ausrichtung ist das Material songorientierter und ohrwurmtauglicher geworden. Es gibt diesmal sogar verstärkt normale Songs mit einfachem Aufbau und deutlich erhöhtem Wiedererkennungsfaktor. Tracks mit relativ simpel gehaltenem Vers-Refrain-Vers- Refrain-Mittelteil-Refrain Schema wie u.a. bei „Sea Of Machines“ sind genauso zu finden wie schon schwer verdaulichere Sachen wie das brachiale „The Day That The World Breaks Down“, da wird keine Struktur als solches verfolgt, hat aber trotzdem was. Dieses Album mit seinen aufwendig gestalteten Songs lernt man aber sowieso erst so richtig ab dem 10 Durchgang aufwärts kennen und lieben. Da gibt es zunächst immer solche typischen AYREON-Songs, die einem nicht sofort rein laufen. Die viele Elemente von Prog über Metal bis hin zu Folk und Electronic fügen sich trotz aller Komplexität dann so nach und nach stimmig zusammen.

Was das Line-up betrifft, bedient sich Arjen Lucassen bei alten Bekannten und ein paar neuen Gesichtern. Neben den Leuten ,die schon mal bei Ayreon am Mikro zu hören waren wie Russell Allen, James Labrie, Hansi Kürsch, Tommy Karevik sind auch Talente wie Michael Mills, denn hatte Arjen schon für den Vorgänger auf YouTube entdeckt, erneut mit dabei. Auch Tobias Sammet ist diesmal mit einer Rolle vertreten und liefert einen wirklich klasse Job als „The Captain“ ab. Er hatte ja schon 2008 zusammen mit Lucassen 2008 ein gelungenes Cover von ALICE COOPER'S "Elected" aufgenommen. Manche Kritiker belächeln ihn ja immer noch (völlig zu unrecht) ob seines Stimmumfangs hier beweist er z.B. bei "Run! Apocalypse! Run" zusammen mit einem energetischen Duell mit Nils K. Rue (PAGAN'S MIND), dass er eine echte Powerstimme hat.

"Everybody Dies!" ist auch so ne Nummer, zunächst etwas Programming im Industrial Sound dann folgen fette Gitarrenriffs, in der Bridge gibt es dann ein wunderbar episches Duell zwischen den beiden Tommy's (Karevik & Rogers). Eine der Highlights der Scheibe wurde das folkig-rockige Sea Of Machines", hier zeigt Michael Eriksen (CIRCUS MAXIMUS) mit seinem wunderbar emotionalem Timbre sein großes Können. Auch das kraftvolle „Into The Ocean“ mit etwas STAR ONE-mäßigen Parts ist eine klasse Nummer geworden, genauso wie die uptempo Granate „Planet Y is alive“ Die vielfältige Musik bietet neben vielen unterschiedlichen Gefühlswelten und Stimmungen auch eine tolle Bandbreite an Instrumenten. Neben wummernden Tastensounds verwendet Arjen immer mal wieder Streicher und Flöten in bester JETHRO TULL-Manier („Deathory of a Race“).

"The Source" startet auf dem zweiten Teil mit hymnisch geprägten Songs wie "Aquatic Race" oder auch dass fluffige „Journey to Forver" mit klasse mehrstimmigen Chorarrangements. Innerhalb der einzelnen Songs werden quasi als Verbindung immer mal wieder Themen und Riffs wiederholt u.a. "Everybody Dies!", das in "Star Of Sirrah" nochmals auftaucht oder der Mittelteil von "Sea of Machines", gegen Ende ist bei "The Human Compulsion" fast die gesamte Truppe nochmals vereint. Auch die beiden beteiligten Mädels Floor Jansen (NIGHTWISH) und Simone Simons (EPICA) müssen besonders erwähnt werden, ihre gesanglichen Parts sind ebenfalls eindrucksvoll und nicht nur schmückendes Backingbeiwerk.

FAZIT: „The Source“ ist erneut ein typisches AYREON-Werk geworden, dass trotz vieler musikalischer & textlicher Inhalte nie zu überladen wirkt. Mitunter relativ komplex aber auch catchy zugleich, Prog mit Pomp & Power sowie tollen Sängern - wer sich darauf einläßt hat viel zu entdecken.

Das Album gibt es in verschiedensten Versionen u.a. als Doppel-CD mit zusätzlicher DVD im Digibook (auf der DVD befinden sich Musikvidoes, Interviews, eine Making-of-Dokumentation und das Album im 5.1-Surround Sound), als „Earbook“ mit aus vier CD's sowie einer DVD und natürlich auch als Doppelalbum auf Vinyl.

The Source


Cover - The Source Band:

Ayreon


Genre: Progressive
Tracks: 17
Länge: 88:41 (CD&DVD)
Label: Mascot Label Group
Vertrieb: Mascot Label Group