Auf die Fresse, das ist nicht nur das Motto für den spanischen Aushilfsschiri, der unsere Mannschaft verpfiffen hat, sondern auch für die Schweden-Thrasher WITCHERY. Die haben mit „Witchkrieg“ ein neues Album am Start, was sich sofort als sehr kurzweilige Veranstaltung entpuppt. Mit Neu-Sänger Legion hat sich natürlich erst mal der Gesang verändert, der keult wie bei MARDUK gewohnt ins Mikro, und gibt dem Gesamtsound einen ganz anderen Anstrich. Kompositorisch blieb alles beim Alten: es wird gnadenlos bis zum Anschlag gebolzt aber keineswegs vergessen, für Abwechslung zu sorgen. Bestes Beispiel dafür ist das tolle „Wearer Of Wolf's Skin“, das nach anfänglichem Dauerfeuer in einem angenehmen Midtempobanger mündet. Auch das folgende, auffällig harmonische „The God Who Fell From Earth“ , „Conqueror's Return”oder die beste Nummer der Scheibe „From Dead To Worse“ (geiler Groove) zeigen, dass WITCHERY genau dann besonders stark sind, wenn sie sich mit messerscharfen Riffs im gemäßigten Geschwindigkeitsregionen aufhalten. Unter dem Strich macht „Witchkrieg“ eine Menge Laune, das sind knapp 35 Minuten Qualitäts-Thrash, die man nicht versäumen sollte.
WITCHERY sind für die vielbeschäftigten Musikern Jensen (THE HAUNTED),
Sharlee D'Angelo (ARCH ENEMY) und Martin "Axe" Axenrot (OPETH) die
seltene Gelegenheit, sich in einem Probenraum zu verkriechen und
deutschen Thrash aus den Jahren zu hören, deren Haarspray wir das
Ozonloch verdanken (und wahrscheinlich deren Dauerwell-Mittelchen den
damals so populären sauren Regen). Aber oh Wunder - WITCHERY anno 2010
hören sich mehr nach Kreator an als nach Accept, mehr nach Destruction
als nach Sodom und endlich, endlich produktionstechnisch nach dem
aktuellen Jahrtausend. Von den drei Kerneigenschaften, die deutscher
Thrash Metal haben sollte, sind nur die "screaming guitars" übrig
geblieben, Gniedel-Solos sind auf das songdienlichste Minimum
eingestampft und statt schlechtem Akzent und Kastratenstimme steht
Legion (Ex-Marduk, Devian) am Mikrofon. Legion ersetzt den
zwischenzeitlich ausgestiegenen Toxine, und hat hörbar Spaß an den
Konzept-Texten, die sich wie immer um Hexerei und Hexenverfolgung
drehen. Während WITCHERY bei den ersten drei Alben absichtlich den
grottigsten Sound vorstellbar (der Connoisseur nennt es wahrscheinlich
"trocken" oder "Eighties State of The Art") gewählt hatten, wurde für
den "Witchkrieg" soundtechnisch deutlich aufgerüstet. Selbst auf
schäbigen Computerlautsprechern hören sich die zehn Tracks fett an, in
Hifi bombt der "Witchkrieg" den Höhrer einfach nur noch weg. Keine
Ahnung, wer hier wem den songwriting-technischen Arschtritt gegeben hat
- aber er ist hochwillkommen! (laetti) (lk)
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