Konzert:

Rockharz 2015 - Mittwoch & Donnerstag

Konzert vom 08.07.2015

Wir waren (wie eigentlich jedes Jahr) auf dem Rockharz 2015 in Ballenstedt, im schönen Harz. Das Festival in Kurzform? Stau. Metal. Wind. Dennoch sehr viel Spaß. (Teil 1)

Mittwoch – 08.07.2015

Auch wenn es sicherlich stilistisch nicht gut ist mit den negativen Punkten anzufangen (erst Recht für die Besucher, deren Blutdruck sich immer noch nicht beruhigt hat), so werde ich es zu Gunsten der Chronologie des diesjährigen Rockharz trotzdem tun – und zwar mit der Anreise am Mittwoch. Denn die war eine fürchterliche Katastrophe.

Auf Grund einer Baustelle im Ort Ballenstedt wurden alle Festivalbesucher vorher auf der Website (welche übrigens mehrfach offline war) sowie per Facebook dazu angehalten, den Ort selber zu meiden und doch bitte eine Umgehung zu fahren – soweit, so gut. Die Erwartungshaltung hierbei wäre also gewesen: Ebendiese Umgehung wird ausgeschildert und von Polizei sowie Festival-Orga angeleitet, sodass der Verkehrsfluss flüssig läuft. Ein Reisverschlussprinzip wird an kritischen Stellen durchgeprügelt.

...wenn es doch so wäre. Unsere Anreise bestand aus ca. 3 ½ Stunden Fahrt (von Osnabrück aus) und weiteren 6 Stunden auf den letzten 7km vor dem Festival. 6 Stunden, in denen sich oft für eine gute Stunde die Automenge sich keinen Meter bewegt hat. 6 Stunden, in denen die Facebook-Beschwerden (gelesen von einem sich zunehmend entleerenden Handy) nicht nur minütlich mehr wurden, sondern auch unkommentiert von der Festival-Leitung blieben. 6 Stunden, in denen die Mädels Mangels Botanik auf er Strecke arge Probleme mit körperlichen Funktionen hatten. 6 Stunden, in denen man die ersten Bands (SERIOUS BLACK, ELVENKING, WE BUTTER THE BREAD WITH BUTTER, SUIDAKRA, STAHLMANN, EKTOMORF) verpassen konnte. In Kurzform: 6 Stunden in denen man sich zusammen mit Mitfahrer*innen und anderen wartenden bei warmen Dosenbier Formulierungen für Hasstiraden ausdenken kann. Nur echt Rückstau bis auf die Autobahn™.

Der Grund hierfür war dreierlei: Zum einen öffnete der Campground offiziell erst um 14:00h und das obwohl die erste Band bereits um 16:00h spielte – kein Wunder also, dass die Meisten tendenziell eher früh da sein wollten. Dabei wurde außerdem (offenbar) jedes einzelne Auto auf Glas kontrolliert. Und jetzt mal unter uns: Selbst wenn es pro Kontrolle 2 Minuten dauert und wir vier Kontrollen gleichzeitig durchführen (was bei vollgepackten Kombis und überforderter Orga sicher nicht der Fall ist) und pro Auto 4 Leute mitfahren sind wir bei 3 bis 4,000 Autokontrollen und wären somit einen gesamten Tag mit Kontrollen beschäftigt. Bei einem Worst-Case-Anreisefenster zwischen Einlass und erster Band von 2 Stunden. Großartig! Zu guter Letzt endete die Umgehungsstraße übrigens mit einem Vorfahrt-Achten Schild – streng genommen war die Tatsache, dass wir dort nicht jetzt noch stehen also schiere Freundlichkeit einzelner Autofahrer.

An dieser Stelle ist fairerweise anzumerken, dass sich die Orga vor dem Samstags-Headliner DREAM THEATER zwar offiziell entschuldigt hat und Besserung gelobt (was natürlich sehr lobenswert, wenngleich selbstredend ist) – allerdings verdient diese Aktion nicht eine Zeile weniger Rüge als in diesem Bericht.

Okay, wir befinden uns also auf dem Campground, es ist mittlerweile 19:45h: SUIDAKRA! Ganze drei Songs konnte ich mir anschauen, da wir ziemlich genau um 19:40h unser Auto geparkt haben und wir ein berechtigtes Interesse am Aufbau des Camps hatten. Aber immerhin – was die Jungs präsentierten war eben genau der unkonventionelle, abwechslungsreiche Melodic Death den man erwartet. Voll war’s nicht – und das hat die Band auch charmant damit kommentiert, dass man sich freue für jene zu spielen, die es bis auf den Campground geschafft hätten. Wir nahmen es mit Humor.

Den Abschluss des Tages machten dann auch schon EKTOMORF (22:45h) -  und zu meiner aufrichtigen Überraschung wurde es geradezu voll. Eine durchaus beachtliche Lebendigkeit durchzog den Stau-gepeinigten Mob, welcher sich Hingabevoll in Circlepits warf – außerdem gab es ein Geburtstagsständchen für Fan Christina mit der Menge. Bei der absolut energiegeladenen Show der Ungarn aber auch wirklich kein Wunder das „Happy Birthday“ mit EKTOMORF funktioniert – ein guter Abschluss für den Anreisetag!

Donnerstag – 09.07.2015

Wind. Sonne. Von 60km/h ist die Rede, wir wissen es nicht genau – nur das es eben ziemlich windig ist.

Aber kein Problem, dennoch wird um 14:00 DRONE besucht – Thrash-Metal zum Frühstück kann doch nur gut gehen (und tut es auch): Auf semi-gefülltem Platz ging trotzdem der ein oder andere Nacken in die Rotation – spätestens als bei „Into Darkness“ Britt Görtz von den Samstag spielenden CRIPPER hinzustieß.

Direkt danach um 14:55 wurde dann der Stil zu eher klassischem Heavy bzw. Power Metal umgeschwänkt, da MAJESTY auf der Bühne stehen -  und der Platz ist voll. So genau wissen wo auf einmal alle herkamen tu ich bis heute nicht – eine volle Menge die die Songs direkt mitgröhlt ist aber der Atmosphäre sicher nicht abträglich.

Am Abend wurde dann noch die Party-Keule geschwungen, ALESTORM kamen um kurz vor Acht auf die Bühne und schmissen uns die Brügel raus – mit Songs wie „Famous Ol’ Spice“ oder „Nancy The Tavern Wrench“ wusste die Menge angeheizt zu werden („If you know the words, sing along... otherwise just sing incoherently!“). Was das riesige Transparent mit den halb-geschälten Bananen mit Entenköpfen (?!) zu bedeuten hat, das müsste mir allerdings noch jemand erklären – die Stimmung war jedenfalls wieder genau so feucht-fröhlich wie man es von ALESTORM erwartet.

Nach einer kurzen Pause ging es für mich Abends weiter mit BEHEMOTH (21:45) – minimaler Stilbruch, dafür ein sehr lohnenswerter: In erwartet dunkler, nächtlicher Atmosphäre hieß es dann „Blow Your Trumpets, Gabriel!“ als die polnischen Death-/Black-Ikonen das Rockharz abreißen. Mit Feuershow, dem üblichem BEHEMOTH-Altar und okkulter Verkleidung wussten die Jungs genau wie man sich in Szene setzt (eine Tatsache die auch ihre Musikvideos gerne beweisen) – sehr fette Sache!

Den Abschluss für mich machten dann Headliner HAMMERFALL gegen 22:50. Mit einer wie erwartet bombastischen Show und den üblichen Must-Have-Songs wie „Let The Hammer Fall“ inkl. eines Medleys oder „Hearts On Fire“ fand sich auch neueres Material wie „Bushido“ in der Tracklist. Allgemein war es zwar eine gute Show, mich persönlich hat sie nun aber nicht vom Hocker gerissen – HAMMERFALL sind live schon mal ein bisschen wie DVD: Macht Spaß sich das ganze anzuschauen und anzuhören, es fehlt aber etwas die Dynamik. Vielleicht war es aber auch nur die Uhrzeit.

Lest hier in Teil 2 unseres Reviews mehr über die Tage 2 & 3 vom Rockharz 2015!



Mehr Infos:Suidakra
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Drone
Majesty
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Behemoth
Hammerfall