Konzert:

Headbangers Open Air 2015 - Freitag

Konzert vom 22.09.2015

Der zweite Tag startete mit den brasilianischen Female-Thrashern  (oder sagt man „Thrasherinnen“??) von NERVOSA. Trotz aller Brutalität im KREATOR-lastigen Sound des Trios blieb auch immer noch etwas Platz für weibliche Klischees…ich sag nur „bunte Saiten“. Aber auch mit lackierten Saiten machten die Damen richtig Dampf und Kracher wie die erste Single „Into Moshpit“ (OK…englisch ist auch noch so ein Thema) vertrieben den immer zahlreicher werdenden Fans den Schlaf aus den Augen. Vielleicht wäre in Zukunft etwas mehr Abwechslung nicht verkehrt, aber auch so war es ein gelungener Start in den zweiten Tag.

 

Mit WARPATH  wurde es dann kultig. Seit 1996 hat die Hamburger Formation keine Veröffentlichung vorzuweisen. Ihre drei Alben jedoch genießen unter Extreme Thrashern Kultstatus. WARPATH sind im Sound rauer als viele der momentanen 80er Thrash-Epigonen und haben eher VENOM und CARNIVORE denn KREATOR oder SLAYER im Blut. Frontmann „Digger“ hatte die Fans vor der Bühne gut im Griff und sein „psychopathisches Augenverdrehen“ war ein schönes Gimmick. Bei seiner Bühnenperformance musste ich immer wieder an Blitz von OVERKILL denken. Würde die beiden echt gerne mal zusammen auf der Bühne sehen. Könnten wahrlich Brüder sein. Mir war das musikalisch etwas zu prollig, aber WARPATH boten zumindest gute Unterhaltung und waren ein Farbtupfer mit sehr eigenem Sound auf dem diesjährigen H.O.A.

 

Thrashig sollte es weitergehen, denn der niemals alternde „Diablo Negro“ aka Katon DePena stand mit seiner Formation HIRAX auf der Bühne und die legte die Energielatte gleichmal um einiges höher. „100.000 Strong“, „La Boca De La Bestia“ oder das alles zermalmende „Bombs Of Death“ konnten so ziemlich alles und ließen viele der jüngeren Bands so richtig alt aussehen. Außerdem schaffte DePena den Spagat zwischen aggressivem Maniac und Sympathikus absolut spielend. Allein die Geschichte, wie er seinen Gitarristen Lance Harrisson kennenlernte: „The Guy stood smoking in front of my House and I thought: Who is this Asshole? Since then he is in my Band and we are best friends.”  Egal wann und wo HIRAX auftreten: Sie hinterlassen stets verbrannte Erde und glückliche Gesichter.

 

Vertreter der NWoBHM sind immer gern gesehene Gäste in Brande-Hörnerkirchen und wenn es dann auch noch solch ein Hochkaräter wie BLITZKRIEG ist, ist die Freude umso größer. Auch wenn Sänger Brian Ross mit den reformierten SATAN im Moment die größeren Erfolge feiert, so vernachlässigt er sein eigenes Baby nicht. Gut so, denn so kommt man in den Genuss von Alltime-Classics der Marke „Armageddon“, „Vikings“ und natürlich der unsterblichen Bandhymne „Blitzkrieg“. Im direkten Vergleich zu SATAN ziehen BLITZKRIEG auf der Bühne aber den Kürzeren. Denn keiner von Ross‘ Mitmusikern verfügt über das Charisma eines Ramsey, Tippins oder English und so war der Auftritt eher eine Ross Soloveranstaltung, welche von einer unauffällig aber kompetent agierenden Hintermannschaft musikalisch begleitet wurde. Ross selber ist nach wie vor tadellos bei Stimme und geleitete gekonnt durch den sommerlichen Nachmittag. Solider Auftritt der Mannen aus Sunderland.

 

Mit WRATH wurde eine Speed / Thrash Truppe ausgebuddelt, die meines Wissens auch noch nie in Europa zu Gast war. Gerade ihre ersten beiden Alben aus den 80ern „Fit Of Anger“ und „Nothing To Fear“ genießen unter US Metal Fans Kultstatus und wurden vor nicht allzu langer Zeit via STORMSPELL Records neu aufgelegt. Dass nun Original Sänger Gary Golwitzer wieder mit dabei war, machte sie Sache nicht unspannender. Mit 80ies Krachern wie „Sudden Death“ oder „Children Of The Wicked“ konnten WRATH auch nicht viel falsch machen und die Mischung aus Speed und klassischem US Power Metal zündete hervorragend. Und da Gary offensichtlich richtig Spaß hatte, kann man ihn ja mal fragen, ob er mit seiner anderen Band aus der guten alten Zeit -STYGIAN- Bock hat nächstes Jahr wieder zu kommen.  Als einziger Wermutstropfen bleiben die überflüssigen Cover von „Restless & Wild“ *gähn* und „Ace Of Spades“….*doppelgähn*….

 

Und noch eine Reunion: Die norddeutsche Speed Metal Legende IRON ANGEL gibt’s auch wieder. Naja…zumindest deren Sänger Dirk Schröder hat es nochmal gepackt und möchte mit neuen Musikern die Mucke IRON ANGEL’s einer jüngeren Generation näher bringen, denn die beiden Alben „Hellish Crossfire“ und „Winds Of War“ sind aus den Jahren 85 + 86. Wer nun Angst hat, dass der rumpelige Charme der alten Scheiben mit neuen Musikern verloren gegangen ist, den kann ich beruhigen. Alles polterte wie eh und je und Krachpretiosen wie „Sinner 666“, „The Metallian“, „Metalstorm“ oder „Rush Of Power“ klangen nicht viel anders als auf den alten Scheiben. Gut so, denn das ist authentisch. Authentisch war auch Fronter Dirk „das geht ja gaaaaaaaaaaaaar nicht“ Schröder mit seinen Ansagen. Sichtlich gerührt ob des Zuspruchs durch die anwesenden Fans, brachte er kaum einen Satz zu Ende. Kurzum: Der Spaß, den IRON ANGEL auf der Bühne hatten, hat sich 1:1 aufs Publikum übertragen. Schön das es IRON ANGEL wieder gibt.

 

Als Kontrast zu den alten Herren von IRON ANGEL durften sich nun die jungen Kanadier STRIKER beweisen. Und auch bei ihrem zweiten Auftritt im Garten war richtig Alarm angesagt. Klassischer Power / Speed Metal vom Feinsten. Egal ob neuere Songs wie „City Of Gold“ oder Debutclassix à la „Full Speed Or No Speed“, STRIKER wussten mit ihrer energiereichen Performance zu glänzen und machten deutlich, dass sie eine der Bands sein könnten, die den klassischen Heavy Metal in den nächsten Jahren deutlich zu prägen wissen wird und die Lücke füllen könnte, die entstehen wird, wenn die alte Generation endgültig abdankt.

 

Die nun folgenden MASTERPLAN tun mir irgendwie ein wenig leid. Nachdem das Debut der HELLOWEEN-Ableger so richtig gut einschlug, zeigt die Erfolgskurve der Multikultitruppe die letzten Jahre eher nach unten denn nach oben. Ihr melodischer und vor allem klischeefreier Metal wirkt in der aktuellen Szenelandschaft fast schon antiquiert und auch das Sängerhickhack (Lande raus, DiMeo rein, DiMeo raus, Lande wieder rein, Lande wieder raus, Alzi rein) hat der Popularität MASTERPLANs eher geschadet denn genützt. Heute Abend hatten MASTERPLAN zwar sichtlich Spaß und waren auch musikalisch perfekt und höchst professionell unterwegs, nur emotional gepackt hat mich das Ganze nicht. Gut, nicht mehr aber auch bestimmt nicht weniger.

 

Da ich FLOTSAM & JETSAM erst wenige Wochen zuvor in einem kleinen Club gesehen hatte, zog ich es vor lieber an der Matratze zu horchen. Aber wie schon einige Zeit zuvor, musste Augenzeugenberichten zufolge der Phoenix-Fünfer auch heute wieder ein wahres Speed Metal Feuerwerk abgebrannt haben.



Hirax 5 Blitzkrieg 1 Blitzkrieg 2 Blitzkrieg 3 Blitzkrieg 4 Blitzkrieg 5 Blitzkrieg 6 Hirax 1 Hirax 2 Hirax 3 Hirax 4 Iron Angel 1 Iron Angel 2 Iron Angel 3 Iron Angel 4 Iron Angel 5 Masterplan 1 Masterplan 2 Masterplan 3 Masterplan 4 Masterplan 5 Masterplan 6 Nervosa 1 Nervosa 2 Nervosa 3 Nervosa 4 Nervosa 5 Nervosa 6 Striker 1 Striker 2 Striker 3 Striker 4 Striker 5 Warpath 1 Warpath 2 Warpath 3 Warpath 4 Wrath 1 Wrath 2 Wrath 3 Wrath 4 Wrath 5 Mehr Infos:Nervosa
Warpath
Hirax
Blitzkrieg
Wrath
Iron Angel
Striker
Masterplan
Flotsam And Jetsam